Fahrbericht Mini One Mini Auto, maximal überladen

Ikonisches Design, riesiger Fahrspaß - der Mini ist bereits einzigartig. Trotzdem sollte das neue Modell noch origineller werden. Leider hat das dem Auto geschadet.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Kaum sitzt man im Mini One, beginnt die Reizüberflutung. Wohin zuerst schauen? Auf die 14 Lenkradtasten, den Ein-Aus-Kippschalter für den Motor mit dem pulsierenden Rotlicht oder auf den großen Bildschirm in der Armaturentafel? Der kreisrunde Monitor ist in einen blinkenden LED-Ring eingefasst, hip sieht das aus, doch nach ein paar Kilometern und mehreren Farbwechseln entpuppt sich die Lichtshow vor allem: als nutzlose Spielerei.

Und das ist leider auch bei den meisten anderen Details im Mini so. Fast alles im Innenraum wirkt auf den ersten Blick erfrischend und originell, doch wenn der Reiz des Neuen verpufft ist, bleibt lediglich eine verspielte Deko übrig.

Es ist einfach zu viel, beinahe so, als sei den Designern bei Höchststrafe verboten worden, auch nur einen Quadratzentimeter ungestylt zu lassen. Woran das liegen könnte: Vielleicht am unbedingten Bemühen der Verantwortlichen, den Kultstatus des Kleinwagens auf Teufel komm raus zu erhalten.

Aber dabei ist offensichtlich ein ganz wesentlicher Aspekt vernachlässigt worden: Auch der neue Mini ist immer noch ein Auto.

Und als Fahrzeug im Wortsinn ist auch die neue Generation ein gelungener Wurf. Der Wagen fährt sich knackig und forsch. Die direkte Lenkung, die kurzen Schaltwege des Sechsganggetriebes und die vergleichsweise niedrige Sitzposition vermengen sich zu jener Atmosphäre, die von den Mini-Strategen seit Anbeginn des Neustarts unter BMW-Regiment als "Gokart-Feeling" gepriesen wird. Und da ist tatsächlich was dran.

Es muss nicht immer Bestzeit sein

Das gilt auch für den Mini One, sozusagen das Basismodell der Baureihe mit einem 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbomotor mit 102 PS (darunter gibt es noch den Mini One First mit gleicher Maschine, aber 75 PS). Das Auto ist quirlig, der Motor brabbelt in kraftvollem Bariton und am Stadtverkehr nimmt man bei entsprechendem Engagement an Gaspedal und Schalthebel im Zisch-und-weg-Modus teil.

Die Kollegen des geschätzten österreichischen Fachmagazins "Auto Revue" nörgelten, die Motorcharakteristik des Mini One sei "ähnlich sexy wie die eines Küchenmixers". Dem soll hier widersprochen werden: Eine generelle Gelassenheit vorausgesetzt, ist der Wagen durchaus auch bei Überland- oder Autobahnfahrten ausreichend motorisiert. Für Leute mit deutlichem Hang zum Schnellsein gibt es ja die stärkeren und teureren Modelle Cooper oder Cooper S.

Kleines Auto, kleiner Blickwinkel

Am Antrieb also hätten wir nichts auszusetzen, zumal der Wagen nicht nur einen agilen, sondern auch einigermaßen sparsamen Eindruck hinterließ. Freilich lag der Durchschnittsverbrauch während unserer Fahrten mit 6,6 Liter je 100 Kilometer klar über dem offiziellen Wert von 4,7 Liter. Man darf dabei nicht vergessen, dass selbst dieses sehr kompakte Auto rund 1,1 Tonnen wiegt.

Was mehr stört im Alltagsgebrauch ist die eingeschränkte Sicht nach draußen vom Fahrerplatz aus. Im Weg sind nicht nur die vergleichsweise stämmigen A-Säulen, sondern auch das Dach, das wie das Schild einer Baseballkappe den Blickwinkel nach vorne oben einschränkt. Im Mini als erster an einer Ampel auf Grünlicht zu warten ist deshalb kein Spaß: Man muss am Lenkrad klemmen und hinauf spähen, um das Lichtsignal nicht zu verpassen.

Gas wegnehmen - wegen der Bonuskilometer

Wie kaum eine zweite Marke beherrscht Mini die Kunst, den Kunden ein präzise auf deren Geschmack zugeschnittenes Auto zu verkaufen. Die Klientel kann unter etlichen Ausstattungspaketen und Einzeloptionen wählen, allein 16 Seiten der Preisliste sind mit Sonderausstattungen gefüllt. Der von uns gefahrene Testwagen beispielsweise war mit dem Ausstattungspaket "Chili" (Aufpreis 3300 Euro) bestückt, das unter anderem Klimaautomatik, Nebelscheinwerfer und Multifunktionslenkrad umfasst.

Außerdem gehört das System "Mini Driving Modes" zum Chili-Lieferumfang. Mit diesem lassen sich mittels eines drehbaren Rings am Sockel des Schaltknaufs die Modi "Green", "Mid" und "Sport" einstellen. Dadurch ändern sich Fahrwerk, Gasannahme, Lenkgefühl und auch die Cockpitanzeige. Wer beispielsweise "Green" wählt, bekommt fortlaufend eine "Bonus-Reichweite" angezeigt. Das sind jene gewonnenen Kilometer, die man gegenüber einer forcierten Gangart im Normalmodus sozusagen noch im Tank hat.

Noch so eine Spielerei. In diesem Fall aber durchaus sinnvoll. Denn natürlich will man möglichst viele Bonuskilometer zusammenkriegen, und schwupps - schon fährt man eine Spur defensiver und gelassener. Und das ist in einem derart überdrehten Auto gewiss kein Schaden.

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Seite 1
teilzeitmutti 29.10.2014
1. Ach Herr Pander
"Die Kollegen des geschätzten österreichischen Fachmagazins "Auto Revue" nörgelten, die Motorcharakteristik des Mini One sei "ähnlich sexy wie die eines Küchenmixers". Dem soll hier widersprochen werden: Eine generelle Gelassenheit vorausgesetzt, ist der Wagen durchaus auch bei Überland- oder Autobahnfahrten ausreichend motorisiert." Nur: Werden nicht sämtliche Mini-Varianten mit dem genauen Gegenargument vermarktet? War da nicht die Rede von "knackig" und "forsch"? Wenn eines exakt nicht zum Mini passt, dann ein Begriff wie "generelle Gelassenheit".
karlottofriedrich 29.10.2014
2.
Bravo, der Autor ist der Strategie voll auf den Leim gekrochen, und hat es vielleicht noch nicht einmal gemerkt. Sie verkaufen heute in diesem übersatten Markt keine Autos mehr ohne diese Spielerei. Heute müssen Autos mehr bieten, sonst können die Hersteller einpacken und der "reine Nutzen" ist nicht sexy, Status machen Leute.
drben 29.10.2014
3.
Wenn der Autor es lieber bieder mag soll er sich halt einen Polo kaufen.
Leeoos 29.10.2014
4. SpOn-Quali?
Auch wenn der Mini für mich keine Option ist, ich les gerne alle Autotestberichte und vor allem schau ich mir gerne die Bilder an. Da schmerzt es um so mehr, dass die SpOn-Tester offenbar keine vernünftige Kamera haben sondern wahrscheinlich mit lauen Smarphone-Objektiven vorlieb nehmen müssen und deswegen die Farben ziemlich lasch rüberkommen ....
dachauerthomas 29.10.2014
5. kein Einheitsbrei
Ein ansprechend gestaltetes auto wem es gefällt, wer 08/15 standartplastik will kann ja Lada (oder VW) fahren
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