Mitsubishi Colt CZC 44 Jahre Anlauf

Die Idee findet man zum ersten Mal tief im Mitsubishi-Archiv, in den Unterlagen aus dem Jahre 1962. Damals stellte die japanische Marke erstmals ein offenes Auto vor, die Studie "Colt 600 Cabrio". Jetzt, 44 Jahre später, fährt ein Colt-Serienmodell mit Klappdach vor.

Von Jürgen Pander


Colt CZC heißt das Modell, mit dem Mitsubishi ab dem 20. Mai auch ein wenig vom Rahm im Kleinwagensegment abschöpfen möchte - von den Coupé-Cabrios in dieser Klasse nämlich. Zwischen 2002 und dem vergangenen Jahr hat sich der Absatz dieser Fahrzeuge in Deutschland mehr als verdoppelt. Damals war der Peugeot 206cc das einzige Modell und verkaufte sich rund 17.000 Mal hierzulande; inzwischen gibt es schon drei dieser Knirpse mit faltbarem Stahldach, von denen 2005 mehr als 42.000 Exemplare abgesetzt wurden. Der Colt CZC ist nun also das vierte Modell im Bunde.



Mit dem Auto betritt Mitsubishi Neuland, denn ein Colt-Cabrio gab es - von der Studie des Jahres 1962 mal abgesehen - noch nie. Die Basis für den CZC bildet die fünftürige Variante der aktuellen, sechsten Colt-Generation, die, gemeinsam mit dem Smart Forfour, im holländischen Mitsubishi-Werk in Born gebaut wird. Das Cabrio jedoch wird bei der italienischen Firma Pininfarina in Bairo bei Turin zusammengebaut, die auch am Design des Autos mitwirkte. Das zweiteilige Klappdach wiederum wird von der deutschen Firma Oasys zugeliefert, die zum Dachspezialisten Webasto gehört.

22 Sekunden dauert es, bis die drei Elektromotoren das Dach im oberen Teil des Kofferraums verstaut oder von dort hervorgeholt und dem Auto wieder übergestülpt haben. Dabei funktioniert das Öffnen oder Schließen halbautomatisch, denn die Insassen müssen zwei Verriegelungen oberhalb der A-Säulen per Hand bedienen. Dies ist  an sich kein Problem, doch dabei fällt der Blick überraschend auf eine rohe, ziemlich derb aussehende Metallschließe. Überraschend ist das deshalb, weil der Colt-Innenraum ansonsten sehr sorgfältig gestaltet wurde. Halbtransparente, von hinten beleuchtete Elemente zieren die Armaturentafel und das Cockpit sowie die Drehschalter für Heizung und Lüftung sind ausgesprochen hübsch designt.

2+2-Sitzer nennt Mitsubishi den Colt CZC, doch das kann man gleich wieder vergessen. Es gibt zwar so etwas wie Sitze im Fond, doch wer dort ernsthaft Passagiere unterbringen möchte, braucht sehr genügsame und vor allem gelenkige Mitfahrer. Vor allem werden dort wohl Einkaufstüten oder Aktentaschen oder eine Jacke landen - denn der offene Colt ist für zwei gemacht, das aber durchaus großzügig und bequem. Auch für Gepäck steht vergleichsweise viel Platz zur Verfügung: 460 Liter Volumen fasst der Kofferraum, bei eingeklapptem Dach sind es immerhin noch 190 Liter.

Zwei Motorisierungen bieten die Japaner für den Colt CZC an. Es handelt sich um Vierzylinder-Benziner mit 1,5 Liter Hubraum, von denen der schwächere 109 PS (80 kW) leistet und der stärkere dank Turbobeatmung auf 150 PS (110 kW) kommt. Das ist reichlich Holz für einen so kompakten Ofen. Deswegen erhält das Turbo-Modell ab Werk ein Sportfahrwerk, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen mit Breitreifen, ESP, Scheibenbremsen vorn und hinten sowie allerlei optische Differenzierungen wie eine dickeres Auspuff-Endrohr, Aluminiumpedale mit Gumminoppen oder weiße Ziffernblätter in den Cockpitinstrumenten.

Die 109-PS-Version in der Basisausstattung ist da deutlich spärlicher bestückt, kostet jedoch auch erheblich weniger. Ab 16.990 Euro bietet Mitsubishi den Colt CZC an, die beiden reichhaltiger ausgerüsteten Varianten kosten aufeinander aufbauend jeweils 1000 Euro mehr, und das Topmodell mit Turbomotor steht ab 22.990 Euro in der Liste. Vorausgesetzt natürlich, der Kunde möchte das Auto in Schwarz fahren. Falls eine frischere Farbe mit Perleffekt bevorzugt wird, kostet dies gleich mal 350 Euro extra.

Im Preisvergleich zu seinen direkten Konkurrenten jedoch schlägt sich der Colt CZC wacker. Und auch optisch kann der Wagen punkten, obwohl die Silhouette bei geschlossenem Dach ein bisschen deformiert wirkt - ein typisches Problem der kleinen Cabriolets mit festem Klappverdeck. Dafür sieht der Wagen offen umso besser aus, und er vermittelt ein richtig gutes Cabriogefühl: Man sitzt fröhlich im Freien, der Fahrtwind zupft hier und da, nervt aber nicht und die Straßenlage sowie die straffe die Lenkung hinterlassen, einen sehr präzisen und vertrauenswürdigen Eindruck.

Gegenüber dem Colt-Dreitürer wiegt das Cabrio etwa 130 Kilogramm mehr, was zum kleinen Teil auf das Konto des Klappdachs, zum weitaus größeren Teil jedoch auf die notwendigen Versteifungen der Karosserie zurückzuführen ist. Vor allem die A-Säulen und der Windschutzscheibenrahmen erhielten besondere Verstärkung, so dass Mitsubishi sogar auf Überrollbügel verzichten kann. Auch dies trägt zum spritzigen Aussehen des Cabrios bei. Auf dem Genfer Autosalon übrigens errang der Wagen bei der Wahl der "schönsten Cabrio-Neuheit 2006" Platz zwei hinter dem neuen Alfa Spider.

Für Mitsubishi ein schöner Erfolg, denn der Spider ist viel größer, stärker, teurer und vor allem seit Jahrzehnten bekannt. Als der Italiener längst Cabrio-Geschichte schrieben, gab es vom offenen Colt gerade mal eine erste Idee.



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