Mitsubishi Colt: Das zweite Gesicht

Von Tom Grünweg

Mitsubishi rückt den Kleinwagen Colt in ein neues Licht. Vier Jahre nach dem Start bekommt das Auto ein aggressivere Frontpartie und will endlich nicht mehr niedlich sein. Obwohl zwei Drittel aller Teile geändert wurden, sucht man echte Neuerungen vergebens.

Kleinwagen haben Kulleraugen und sehen einfach knuffig aus – das zumindest ist das gängige Klischee, mit dem Autos wie der Fiat 500 oder der Nissan Micra im optischen Allerlei auf den Straßen punkten wollen. Mitsubishi geht jetzt einen anderen Weg: Um den Colt ein wenig aus der Menge heraus zu heben und ihn zurückzubringen ins Bewusstsein der Kunden, wird der Kleinwagen in der Mitte der Laufzeit in diesen Tagen neu positioniert. Statt des sympathischen Modells für die Westentasche gibt er ab jetzt, vier Jahre nach dem Start und zu einem unveränderten Grundpreis von 9990 Euro, den kleinen Bösewicht, der sportlich und verwegen daher kommt.

Erreicht wird der Eindruck vor allem durch die neue Frontpartie, die vom so genannten Jetfighter-Kühlergrill des Mittelklassewagens Lancer inspiriert ist und den Wagen obendrein um sieben Zentimeter streckt. Dazu wurde auch das Heck ein wenig verändert; beim Dreitürer nur marginal, beim Fünftürer schon etwas deutlicher. Insgesamt nähern sich damit die beiden Karosserievarianten optisch einander an, doch insgesamt sehen die Colt-Typen nun markanter aus. Und der Wagen steht jetzt etwas satter auf der Straße.

Abseits dieser Modifikationen an der Karosserie ist es allerdings schon vorbei mit den Veränderungen. Zwar spricht Mitsubishi davon, dass zwei Drittel aller Teile neu seien, doch muss man die Änderungen lange und die Verbesserungen noch länger suchen. Hier zum Beispiel wird man fündig: Die Karosserie sei nun ein bisschen Steifer, der Motorraum gründlicher gedämmt, sagen die Ingenieure.

Das Cockpit hingegen ist auch nach der Modellpflege eine triste Kunststofflandschaft, die nur mühsam mit ein paar Noppen im Plastik auflockert wurde. Und dass nun auch eine Anschlussbuchse für den iPod an Bord ist und die Scheinwerfer nach dem Abschließen des Wagens noch ein paar Sekunden nachleuchten, wird kaum den Kauf entscheiden. Schon wichtiger sind der nun serienmäßige Bremsassistent, der bei einer Vollbremsung automatisch aktivierte Warnblinker, der Schalthinweis im Tacho und die Option auf einen Tempomat.

Die variable Rückbank gibt es nicht mehr

Sonst allerdings folgt die Überarbeitung des Innenraums dem Motto weniger ist mehr. Denn Mitsubishi hat Abschied genommen von der Idee des Mikrovans. Die bislang vorbildlich variable Rücksitzanlage gibt es ab sofort nicht mehr. Statt verschieben, klappen, zusammenfalten und ausbauen kann man die Bank im Fond jetzt nur noch ganz konventionell umlegen und so einen ebenen Ladeboden erzeugen. Das schränkt die Zahl der Möglichkeiten ein, doch zumindest das Ladevolumen wird dadurch größer: Fasst der durch einen doppelten Boden geteilte Kofferraum im Fünftürer bei aufrechter Rückbank magere 214 Liter, gehen mit ungelegten Polstern nun 1032 statt bisher 854 Liter hinter die Heckklappe. Beim Dreitürer lässt sich das Volumen von 169 auf 900 Liter erweitern.

Auch unter der Haube bietet der Colt künftig weniger und trotzdem mehr. Denn fürs Erste hat Mitsubishi die Motorpalette ausgedünnt: So stehen zum Start in diesen Tagen die unveränderten Benziner mit 1,1 Litern Hubraum und 75 PS, mit 1,3 Litern Hubraum und 95 PS sowie mit 1,5 Litern Hubraum und 109 PS beim Händler. Dabei macht der Motor aus der goldenen Mitte eine ordentliche Figur. Natürlich verlangt er bei flotter Fahrweise einen starken Gasfuß und hohe Drehzahlen, doch ist der so motorisierte Colt dann zügig unterwegs und schafft immerhin 180 km/h.

Diesel gibt es nicht mehr, ein Sparantrieb folgt im Frühjahr

Mit dem mittleren Benziner kommt man also prima durch den Auto-Alltag – und auch an der Tankstelle stimmen die Verhältnisse. Der Verbrauch ist mit 6 Liter im Normzyklus halbwegs moderat. Wer es allerdings wirklich sportlich mag, der muss die 1,5-Liter-Turbo-Variante mit 150 PS ordern, die es künftig mit dem Beinamen Ralliart erstmals auch mit fünf Türen geben wird.

Sparer spannt Mitsubishi auf die Folter. Ein Dieselmotor wird nicht mehr angeboten. Mit einem Verkaufsanteil von 13 Prozent sei die Nachfrage zu gering gewesen, um die Maschine mit hohem Aufwand fit zu machen für die Euro-5-Norm, argumentiert Mitsubishi. Stattdessen sollen ab dem Frühjahr die so genannten Clear-Tec-Pakete mit Start-Stopp-Automatik und Bremsenergie-Rückgewinnung für die beiden kleineren Benziner verfügbar sein. Damit sei, so die Auskunft, eine Verbrauchsreduzierung von etwa zehn Prozent möglich, was Normwerte von 4,8 und 5,0 Liter bedeuten würde. Zwar war der Diesel noch etwas genügsamer, kostete aber auch deutlich mehr.

Insgesamt wirkt das Facelift für den Colt ein wenig unbeholfen und inkonsequent. Denn echte Neuheiten gibt es – vom Frontdesign einmal abgesehen – bis zum Debüt der Sparmodelle nicht. Doch gemessen an seinem Vetter läuft es für den Mitsubishi Colt noch richtig gut. Schließlich wurde der kleine Japaner mal gemeinsam mit dem Smart Forfour entwickelt – und dieses Modell wurde längst schon eingestellt.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Mitsubishi
Typ: Colt Dreitürer
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.332 ccm
Leistung: 95 PS (70 kW)
Drehmoment: 125 Nm
Von 0 auf 100: 11,0 s
Höchstgeschw.: 180 km/h
Verbrauch (ECE): 6,0 Liter
CO2-Ausstoß: 143 g/km
Kofferraum: 169 Liter
umgebaut: 900 Liter
Versicherung: 16 (HP) / 19 (TK) / 19 (VK)
Preis: 12.490 EUR

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Mitsubishi Colt: Weg vom Kindchenschema

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