Mitsubishi i-MiEV: Start für den ersten Serien-Stromer

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Keine Experimente mehr: Mit dem Mitsubishi i-MiEV und den technisch identischen Modellen von Citroën und Peugeot beginnt auch in Deutschland die Ära der Großserien-Elektroautos. Denn anders als die Prototypen gibt es diese Autos zu kaufen - so zumindest die Theorie.

Mitsubishi i-MiEV: Elektrisches Debüt Fotos

Im Schulungszentrum von Mitsubishi geht es derzeit hektisch zu. Seit Wochen absolvieren Servicetechniker dort einen sogenannten Hochvolt-Lehrgang. Der ist vom Gesetzgeber immer dann vorgeschrieben, wenn in Werkstätten mit Starkstrom hantiert wird und hat im Mitsubishi-Lehrplan derzeit höchste Priorität. Die Japaner machen ihr Vertriebsnetz fit für den Start ins Elektrozeitalter - denn in diesen Tagen kommt das Elektroauto i-MiEV hierzulande in den Handel. Knapp die Hälfte der rund 500 Mitsubishi-Betriebe ist von Anfang an dabei, der Rest soll folgen.

Der batteriebetriebene Kleinwagen ist das erste Elektroauto aus der Großserienfertigung, das man in Deutschland kaufen kann. Zwar bauen auch andere Hersteller E-Autos, doch bislang nur in Kleinserie, und diese Prototypen sind in Deutschland bislang für ausgewählte Testkunden reserviert, die sich an speziellen Flottenversuchen beteiligen.

Die Fahrt in die elektrische Zukunft ist ein teures Vergnügen: 34.390 Euro verlangt Mitsubishi für den Viersitzer i-MiEV. Damit kostet das Auto mehr als dreimal so viel wie der etwas größere Mitsubishi Colt, und ist auch teurer als das Hybridmodell Toyota Prius oder der Spar-Diesel VW Golf Blue Motion - dabei aber längst nicht so alltagstauglich. Denn die 88 Lithium-Ionen-Zellen im Fahrzeugboden speichern Strom für eine Reichweite von maximal 150 Kilometer. Die E-Maschine leistet 67 PS und treibt den i-MiEV auf bis zu 130 km/h.

Als Zweitwagen für den Stadtverkehr ist der 3,48 Meter kurze und 1,48 Meter schmale i-MIEV jedoch eine Idealbesetzung. Er zischt wie jedes Elektroauto rasant von der Ampel weg, ist flüsterleise, bietet bequem Platz für zwei und im Ernstfall auch mal für vier, schluckt hinter der großen Kofferraumklappe den Wochenendeinkauf und ist so kompakt und wendig, dass er in jede Parklücke passt. Nur bei den klassischen Tugenden haben die Entwickler etwas geschlampt: Man blickt auf billiges Plastik, das scheinbar lustlos im Cockpit verteilt wurde. Die Polster sind dünn und unbequem, der Fahrwerkskomfort mäßig, und die Verstellwege für Sitze und Lenkrad sind zu kurz.

Baugleich bieten auch Citroën und Peugeot den E-Kleinwagen an

Den i-MiEV gibt es übrigens nicht nur bei Mitsubishi. Wie bereits bei anderen Modellen kooperiert der japanische Hersteller mit dem französischen PSA-Konzern; das Elektroauto gibt es deshalb auch von Citroën und Peugeot. Dort heißen die Fahrzeuge C-Zero und iOn und kommen ebenfalls in diesen Tagen zu den Händlern. Technisch absolut identisch, unterscheiden sich die französischen Modelle lediglich durch die Markenlogos und das etwas poppigere Interieur vom japanischen Original. Auch bei den Preisen sind die Unterschiede gering. Citroën verlangt für den C-Zero 35.164 Euro, und bei Peugeot kann man den iOn ausschließlich leasen. Bei einer Jahreslaufleistung von 10.000 Kilometern kostet das knapp 600 Euro im Monat.

Im Prinzip sind die Elektro-Drillinge wirklich für jedermann zu haben, und Mitsubishi berichtet tatsächlich von einigen privaten Käufern. "Das Gros der Fahrzeuge wird natürlich von Firmen und Institutionen gekauft", sagt Mitsubishi-Sprecher Helmut Bauer. Vor allem Energieversorger, Stadtwerke und Kommunen zählten zu den Kunden, die zum Teil Flotten von bis zu hundert Fahrzeugen bestellt hätten.

Dass die Privatkundschaft noch nicht so richtig auf den i-MiEV abfährt, liegt vor allem am kleinen Format und dem großen Preis. Außerdem bremst die begrenzte Verfügbarkeit die rasche Verbreitung. Obwohl in der Großserie gefertigt, sind i-MiEV und Co. Mangelware. "Bis zum Ende dieses Geschäftsjahres im März 2011 bekommen wir 600 Autos, und die meisten davon sind schon verkauft", muss Bauer einräumen. Bei Citroën sind die Stückzahlen ähnlich bescheiden: Dieses Jahr gibt es noch 35, im nächsten Jahr etwa tausend Modelle. Und auch bei Peugeot müssen sich Interessenten beeilen: "Wir kalkulieren mit 800 Fahrzeugen und haben bereits 600 feste Bestellungen vorliegen", sagt Peugeot-Sprecher Bernhard Voß.

Neue Batteriefabriken für mehr Elektrofahrzeuge

"Besserung ist in Sicht", sagt Bauer. Der Flaschenhals in der Produktion seien die Lithium-Ionen-Akkus, die Mitsubishi mit dem Joint-Venture-Partner Yuasa baut. "Derzeit gibt es in Japan zwei Fabriken, die auf eine Jahresproduktion von 600.000 Zellen kommen. Das reicht für gut 6000 Autos." Doch in diesen Tagen nimmt eine weitere Fabrik die Arbeit auf, die eine Million Zellen pro Jahr liefern kann, so dass die Jahreskapazität 2011 auf 18.000 Autos steigen soll. Und 2012 soll die vierte Batteriefabrik startklar sein, für dann insgesamt rund 50.000 E-Autos pro Jahr.

Weil es in Deutschland - im Gegensatz zu vielen anderen Ländern - keinen staatlichen Anreiz für den Kauf von Elektrofahrzeugen gibt, rechnen Experten wie Nick Margetts vom Analyseinstitut Jato Dynamics hierzulande mit einem schleichenden Start der Stromer. "Auch 2011 markiert in Deutschland nicht den Anfang vom Ende der Verbrenner; auf Märkten mit entsprechenden Subventionen werden die Stromer die Autolandschaft dagegen allmählich auf den Kopf stellen."

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insgesamt 78 Beiträge
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1. 34.390,- €
Realo, 16.12.2010
Dafür bekommt man auch schon ein "richtiges" Auto, bei dem man nicht alle 150 km für 8 Stunden an die Steckdose muss. ;-)
2.
c.PAF 16.12.2010
600.000 Zellen für 6000 Autos plus weitere 1.000.000 Zellen ergibt im Summe 18000 Autos. Aha. Und ich verstehe bis heute nicht, wie man sein Auto "Mief" nennen kann. Aber mal sehen, wie sich der Wagen in der Praxis so macht.
3. Dann lieber Hummer fahren!
neon.apocalypse, 16.12.2010
Juhu! Die Welt ist also gerettet! Betankt wird jetzt nicht mehr mit dem super-umweltschädlichen Benzin, sondern mit Strom! Und der wird ja bekanntlich aus Steckdosen gewonnen! Mal im ernst, ich seh die Debatte schon kommen: in 10 Jahren werden wir uns von den Grünen Diskussionen über stromfressende SUV anhören müssen. Mit den 35.000 Euro würde ich auf jeden Fall etwas sinnvolleres anstellen, als mir so eine Blechdose mit hartplastikfüllung zu kaufen. Einen gebrauchten Hummer gibts schon für 20.000. Und bis ich die verbleibenden 15.000 Euro Spritgeld verfahren habe, fließt noch viel Wasser den Rhein hinab! Mit einem Unterschied: Ich hatte dann - im Gegensatz zum iMiev Fahrer - Spaß!
4. @ Realo
syracusa 16.12.2010
Zitat von RealoDafür bekommt man auch schon ein "richtiges" Auto, bei dem man nicht alle 150 km für 8 Stunden an die Steckdose muss. ;-)
Dafür ist Ihr "richtiges" Auto aber nicht unabhängig von politisch höchst zweifelhaften Diktatoren in den Ölförderstaaten, verursacht jede Menge Dreck, kann nicht mit nachhaltiger sauberer Energie betrieben werden, und beruht nicht auf einer Technologie, die die nächsten 50 Jahre kaum überleben wird. Klar sind Elektroautos heute teurer als Benzinautos. Aber Benzinautos waren ja auch mal sehr viel teurer als Pferdegespanne. Wir könnten uns also ganz entspannt zurück lehnen und abwarten, bis der Markt innerhalb der nächsten 30 oder 40 Jahre die Sache von ganz alleine zugunsten des Elektroautos entscheidet. Wir könnten abwarten, wenn uns unsere Autoindustrie egal wäre. Denn unsere schärften Wettbewerber führen das E§-Auto mit immensen Subventionen ein, und die machen das nicht zugunsten der weiteren Vorherrschaft der deutschen Autoindustrie.
5. @ neon.apocalypse
syracusa 16.12.2010
Zitat von neon.apocalypseJuhu! Die Welt ist also gerettet! Betankt wird jetzt nicht mehr mit dem super-umweltschädlichen Benzin, sondern mit Strom! Und der wird ja bekanntlich aus Steckdosen gewonnen! Mal im ernst, ich seh die Debatte schon kommen: in 10 Jahren werden wir uns von den Grünen Diskussionen über stromfressende SUV anhören müssen. Mit den 35.000 Euro würde ich auf jeden Fall etwas sinnvolleres anstellen, als mir so eine Blechdose mit hartplastikfüllung zu kaufen. Einen gebrauchten Hummer gibts schon für 20.000. Und bis ich die verbleibenden 15.000 Euro Spritgeld verfahren habe, fließt noch viel Wasser den Rhein hinab! Mit einem Unterschied: Ich hatte dann - im Gegensatz zum iMiev Fahrer - Spaß!
Das steht kaum zu befürchten, denn die Grünen haben schon Rezepte entwickelt, durch kommunale Maßnahmen Elektroautos mit völlig sauberem EE-Strom fahren zu lassen. Die Kommunen verpflichten sich dabei, für jedes in ihrem Bereich neu zugelassene E-Auto 1000 Euro in einen Windparkfonds zu investieren. Der anteilige Stromertrag daraus deckt dauerhaft den Stromverbrauch eines E-Autos, und der Gewinn aus diesem Investment deckt die Kosten dieser Investition. In der Summe kostet das die Kommunan also noch nicht mal was.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Mitsubishi
Typ: i-MiEV (2010)
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Elektromotor
Getriebe: Eingang-Getriebe
Antrieb: Front
Leistung (E-Motor): 67 PS (47 kW)
Drehmoment (E-Motor): 180 Nm
Von 0 auf 100: 15,9 s
Höchstgeschw.: 130 km/h
CO2-Ausstoß: 0 g/km
Kofferraum: 227 Liter
Versicherung: 15 (HP) / 18 (TK) / 21 (VK)
Preis: 34.390 EUR

Info: Tanken in fünf Minuten
Neben der beschränkten Reichweite gelten die langen Ladezeiten als Nachteil der Elektroautos. Auch der Mitsubishi i-MiEV muss mit leerem Akkus für sechs Stunden an die Steckdose. Deshalb forcieren die Japaner eine Schnellladung nach dem sogenannten Chademo-Standard, der neben Mitsubishi und Peugeot/Citroën unter anderem von Nissan, Toyota und Subaru unterstützt wird. Das Verfahren fußt auf einer Ladesäule mit Gleichstromtechnik, die bis zu 50 kW leistet. „So lässt sich die Energie für 30 bis 40 Kilometer in fünf Minuten tanken, und nach einer halben Stunde ist der Akku zu 80 Prozent gefüllt“, heißt es beim deutschen Importeur, der Firma Inka Engineering in Radevormwald. Der Haken an der Schnellladung: Die Säulen sind empfindlich und eignen sich kaum für öffentliche Ladeplätze. Zudem sind sie teuer, knapp 20.000 Euro verlangt Inka pro Station - ein Vielfaches des Preises einer konventionellen Stromzapfsäule. Momentan gibt es in Deutschland kaum ein Dutzend solcher Ladestationen.


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