Mitsubishi Lancer Sportback: Jetzt mit großer Klappe

Von Jürgen Pander

Mitsubishi erweitert die kompakte Mittelklassebaureihe Lancer um ein neues Modell: die Variante Sportback mit vier Türen und großer Heckklappe. Für die bisherige Limousinen-Version hielt sich das Interesse hierzulande bislang in engen Grenzen.

Eine glückliche Modellpolitik sieht anders aus, jedenfalls aus deutscher Perspektive. Global betrachtet jedoch hat Mitsubishi alles richtig gemacht, als die japanische Marke die neue Mittelklasse-Baureihe Lancer zunächst als Limousine auflegte. Denn vor allem in den USA und in Russland verkauft sich der Wagen bestens, weil dort klassisch konzipierte Autos mit abgetrenntem Kofferraum nach wie vor die gefragtesten Typen sind.

In Deutschland und den meisten europäischen Märkten ist es genau andersherum: Hier hielt sich die Nachfrage für die seit rund einem Jahr erhältliche Lancer-Limousine in engen Grenzen. Doch ab 15. November wird die Modellvarianten Sportback die Karosserieauswahl erweitern - und die deutschen Vertriebsverantwortlichen atmen auf. "Im nächsten Jahr erwarten wir etwa 10.000 Neuzulassungen des Lancer Sportback und weitere 2000 Verkäufe der Limousine", sagt Mitsubishi-Sprecher Albrecht Trautzburg.

Dass die Sportback-Variante erst mit derartiger Verzögerung präsentiert wird, liegt an mangelnden Produktionskapazitäten in der Lancer-Fabrik im japanischen Mizushima. Erst seit die Fertigung des Modells Outlander in Teilen von dort abgezogen und ins holländische Werk Nedcar verlegt wurde, rollen in Fernost auch die Autos mit der großen Klappe und dem kecken Heckbürzel von den Bändern, die geringfügig mehr Platz bieten als die Limousine, denn die Karosserie ist eineinhalb Zentimeter länger und zwei Zentimeter höher.

Um gleich bei den Unterschieden zu bleiben: die Differenzen zwischen beiden Typen stecken im Heck. Dort hat der Sportback nicht nur die schon erwähnte große Klappe, sondern bietet auch einen Kofferraum mit variablem Ladeboden und je einen Griff an der Seitenwand. Wird dort gezogen, klappt die jeweilige Rücksitzlehnenhälfte automatisch und ohne weiteres Zutun um. Wer den Fond also zu Transportzwecken nutzen möchte, dem stehen maximal 1394 Liter Volumen zur Verfügung. In der knappsten Konfiguration bleiben noch 288 Liter übrig.

Das Innenleben des Sportbacks ist gelungen, über das Äußere kann man geteilter Meinung sein. Denn leider liefert Mitsubishi den Wagen serienmäßig mit einem breiten Dachspoiler aus, der je nach Standpunkt den Wagen entweder ungemein sportlich oder pubertär peinlich macht. Mag sein, dass das Teil einen aerodynamischen Nutzen hat, doch derart aufgesetzt hätte man es wohl nicht formen müssen.

Kampfjetoptik plus Haifischnase

Überhaupt bemüht sich der in Mitsubishis europäischem Designzentrum in Trebur bei Frankfurt gestaltete Lancer um eine möglichst sportive Haltung. Am Heck eben durch den Dachspoiler und die weit in die Flanken ragenden Rücklichter, am Bug durch die von Mitsubishi so genannten "Jetfighter-Front mit schräg zulaufender Haifischnase". Ob das nun schick oder zeitgemäß ist, sei einmal dahingestellt - auf jeden Fall hebt sich der Wagen dadurch von der Masse der meist verzagt und uninspiriert gestalteten Mittelklassemodelle ab.

Technisch ist der Lancer Sportback vollkommen identisch mit der Limousine. Zur Wahl stehen ein 1,8-Liter-Benzinmotor mit 143 PS und ein 2-Liter-Pumpe-Düse-Diesel aus dem Hause VW mit 140 PS. SPIEGEL ONLINE war mit dem Benziner-Modell unterwegs - und zwar nicht mit dem standardmäßigen Fünfgang-Schaltgetriebe, sondern der Sechs-Stufen-CVT-Automatik. Dieses Getriebe kostet 1500 Euro Aufpreis und suggeriert wegen der mitgelieferten Lenkradschaltwippen Sportlichkeit. Dennoch ist davon dringend abzuraten, denn im Automatikmodus versickert das Antriebsmoment und es kommt ein Fahrgefühl wie im Stadtbus auf. Außerdem schluckt der Wagen mit dem CVT-Automaten auch noch mehr Benzin.

Ordentlicher Innenraum, sieben Airbags, moderater Preis

Per Hand geschaltet wird der Lancer dann etwas munterer und erfreut vor allem durch ein angenehmes Lenkverhalten und ein niedriges Geräuschniveau. Der Innenraum ist ok - Begeisterung jedoch löst das Ambiente nicht aus. Da gibt es Konkurrenzmodelle, deren Oberflächen besser aussehen und deren Schalter und Tasten eleganter ausgeführt sind. Andererseits hat der Mitsubishi alles Nötige an Bord und die Übersichtlichkeit der Instrumente ist prima.

Die Serienausstattung hat sich ebenso ein Lob verdient. Sieben Airbags sind Standard, ABS und ESP (heißt bei Mitsubishi MASC) ebenso. Klimaanlage, Radio-CD-Spieler, elektrische Fensterheber, höhenverstellbarer Fahrersitz und zahlreiche andere Details mehr sind ebenfalls ab Werk im Auto. Die Basisvariante des Sportback mit Benzinmotor kostet 19.250 Euro, der Diesel-Einstiegspreis liegt bei 21.490 Euro - übrigens unterscheiden sich die Preise zwischen Limousine und Sportback nicht. Wer also auf den Sportback gewartet hat, wird in dieser Hinsicht nicht böse überrascht.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Mitsubishi
Typ: Lancer Sportback 1.8
Karosserie: Kompaktwagen
Motor: Vierzylinder-Benziner
Getriebe: Stufenlose Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.798 ccm
Leistung: 143 PS (105 kW)
Drehmoment: 178 Nm
Von 0 auf 100: 10,4 s
Höchstgeschw.: 196 km/h
Verbrauch (ECE): 8,0 Liter
CO2-Ausstoß: 191 g/km
Kofferraum: 288 Liter
umgebaut: 1.394 Liter
Preis: 22.250 EUR

Fotostrecke
Mitsubishi Lancer Sportback: Neuer Abschluss

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