Münch Mammut 2000 Krönung auf zwei Rädern

Massenware war noch nie sein Ding: 33 Jahre nach seinem ersten Mammut-Motorrad präsentiert der Zweirad-Konstrukteur Friedel Münch ein neues Geschoss auf Rädern - für knapp 170.000 Mark.


Man könnte ihm einen Hang zum Größenwahn unterstellen - und er würde wahrscheinlich bereitwillig nicken. Friedel Münch, ohnehin nicht für untermotorisierte Motorräder bekannt, hat wieder zugeschlagen: In Würzburg präsentierte der 73-jährige Konstrukteur jetzt die Neuauflage seiner legendären Münch Mammut - 260 PS stark und 250 Stundenkilometer schnell.

Neuauflage: Bereits 1966 montierte Friedel den ersten Automotor in ein Zweirad. Die Mammut-Legende war geboren
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Neuauflage: Bereits 1966 montierte Friedel den ersten Automotor in ein Zweirad. Die Mammut-Legende war geboren

"Vermächtnis" nennen Beobachter das, was der Tüftler diesmal auf zwei Räder gestellt hat. Münch, Sohn eines Horex-Händlers und ehemaliger Motorrad-Rennfahrer, spricht viel lieber von der "Krönung seines Lebenswerks".

Eine "Krönung", die auch einen Bogen zu den Anfängen Münchscher Tüftelei schlägt. Denn mit einer Straßenmaschine, zwischen deren Räder ein NSU-Vierzylinder eingebaut war, hat 1966 alles angefangen. "Wie ein Mammut" kam den Premierengästen das Ungetüm vor. Die Legende war geboren.

Dass die Legende weiterlebt, dafür soll die Münch Mammut 2000 sorgen. Die Neuauflage ist genauso maßlos wie das Original, hat aber technisch mit ihrem Vorgänger nur noch wenig gemein. Statt des NSU-Motors dröhnt unterm Sitz ein Viertakt-Reihenvierzylinder, der auf einem Cosworth-Motor aufbaut.

Der Rest besteht, so Münch, aus "exklusiven Spezialanfertigungen". Darunter versteht der Würzburger neben einem Turbolader oder einem computergesteuerten Computermanagement zum Beispiel auch einen geregelten Katalysator.

Waffenschein- pflichtig: 260 PS bringt die Münch Mammut 2000 auf die Straße
MÜNCH MOTORRAD TECHNIK GMBH

Waffenschein- pflichtig: 260 PS bringt die Münch Mammut 2000 auf die Straße

Mit einem Gewicht von 354 Kilogramm ist das "Big Bike" nicht gerade ein Leichtgewicht. Warum auch, bringt der Motor mit seinen zwei Litern Hubraum doch locker 260 PS auf die Straße - vorausgesetzt der Fahrer kann solche Urkäfte überhaupt noch beherrschen.

Auch das Drehmoment ist - zurückhaltend gesagt - leicht überdimensioniert. Mit 295 Newtonmeter entwickelt das Mammut fast so viel Kraft wie die sechs Zylinder des Mercedes SLK 320. Bei 250 Kilometern pro Stunde bereitet ein elektronischer Begrenzer dem fragwürdigen Fahrspaß ein Ende.

Ganz nach alter Münch-Manier wird die Mammut 2000 nur als Kleinstserie mit 250 Exemplaren gebaut. Ab August soll die Maschine an Kunden in aller Welt verkauft werden - vorausgesetzt sie sind entsprechend zahlungskräftig. Denn passend zur üppigen Motorisierung muss auch die Brieftasche der potenziellen Käufer prall gefüllt sein. Mit 86.000 Euro (knapp 170.000 Mark) lässt sich Münch seinen Lebenstraum teuer bezahlen.

Der Kfz-Meister hofft auf rege Nachfrage. Das Motorrad mit der Seriennummer 250 hat Friedel Münch allerdings bereits reserviert. Es soll einen Ehrenplatz im Deutschen Museum in München erhalten - damit aus der Legende wirklich ein Vermächtnis wird.

Alexander Stirn



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