Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

MV Agusta Brutale 800: Aua

Von

Autogramm MV Agusta Brutale 800: Brutal, ey Fotos
MV Agusta

Fast zehn PS weniger als die Vorgängerin, doch davon merkt man nix: Mit der neuen Brutale 800 präsentiert MV Agusta ein beeindruckendes Naked Bike. Nur ihr tolles Design hat einen schmerzhaften Nachteil.

Der erste Eindruck: Boah. Was für ein schönes Motorrad.

Das sagt der Hersteller: "Wir sind glücklich, dass wir einen idealen Partner gefunden haben", sagt Giovanni Castiglioni, der Chef von MV Agusta. Er meint damit Mercedes AMG.

Die Schwaben haben vor zwei Jahren ein Viertel der MV-Anteile gekauft, gemeinsam starten die beiden Fahrzeughersteller jetzt eine neue Marketing- und Vertriebskooperation: Ab sofort sollen in 172 AMG-Stützpunkten weltweit auch MV-Agusta-Modelle in den Showrooms stehen.

Castiglioni ist ein kühler Rechner. Er weiß genau, dass er die stagnierenden Verkaufszahlen von MV Agusta weiter nach oben pushen muss, um im Geschäft zu bleiben. Dafür braucht er neben den Verkaufsschlagern Dragster RR und Turismo Veloce eine starke Brutale als Brot-und-Butter-Modell.

Das ist uns aufgefallen: Die neue Brutale hat im Vergleich zum Vorläufermodell weniger PS. Aus 125 wurden 116. Grund dafür sind eine neuen Auspuffanlage und Airbox sowie eine stark veränderte Steuerungselektronik. Die Maßnahmen waren nötig, damit der Dreizylindermotor mit 798 Kubik die seit Anfang dieses Jahres verbindliche Euro-4-Norm erfüllt.

Drei Töpfe für ein Halleluja: Der Dreizylinder ist ein Traumtriebwerk Zur Großansicht
MV Agusta

Drei Töpfe für ein Halleluja: Der Dreizylinder ist ein Traumtriebwerk

Aber in diesem Fall ist weniger auch mehr: Während die schiere Power bei der Vorgängerin noch wie ein Blitz unvermittelt einschlug, entfaltet das Triebwerk jetzt auch schon aus tiefen Drehzahlregionen enormen Druck. Spätestens ab 6000 Umdrehungen dann machen die drei Zylinder nach wie vor so viel Aufstand, dass man die Brutale einem Fahranfänger nicht ohne schlechtes Gewissen überlassen kann.

Auch sonst hat das Modelljahr 2016 der Brutale in puncto Benehmen dazugelernt. Bisher war die Maschine dafür bekannt, dass sie messerscharf und extrem agil in die Spur zu führen ist, aber nur, solange sie am Gas hängt. Gemächliche Gangart quittierte sie dagegen mit Nervosität und Flattrigkeit. Mit dem aktuellen Fahrwerk und dem flacheren Lenkkopfwinkel haben die MV-Entwickler der Brutale diese Unarten abgewöhnt.

Trotzdem bleibt die Brutale ein kompromissloses Sportgerät, das erst einmal richtig justiert werden will. Die Testmaschine beispielsweise neigte mit einer etwas zu steifen Standardabstimmung an Marzocchi-Gabel und Sachs-Federbein dazu, auf unebener Bahn zu stempeln und zu viel Rückmeldung zu geben. Eine individuelle Fahrwerkeinstellung durch den Händler bleibt bei der Brutale also ein Muss.

Und keine Sorge: Für den Fahrer bleibt mit der Einstimmung der Bordelektronik genug zu tun. Ride-by-Wire, drei Fahrmodi (Rain, Normal und Sport ab Werk, plus einem voll konfigurierbaren Fahrer-Custom-Modus), eine achtstufig einstellbare Traktionskontrolle, abschaltbares ABS sowie einen vorzüglichen Schaltautomaten - die Fahrausstattung der Brutale und deren Einstellmöglichkeiten lassen kaum Wünsche offen.

Glücklich macht auch ein nicht zu unterschätzendes Detail: Wer sich einmal die Mühe gemacht hat und über die Menüeinstellungen das passende Setting programmiert hat, verliert diese Einstellungen nicht, wenn er den Motor oder die Zündung ausmacht. Die Brutale denkt mit und startet bis zur nächsten manuellen Änderung im gleichen Modus.

Das muss man wissen: Die Brutale 800 kämpft mit der Ducati Monster 821, der Triumph Street Triple R und der Yamaha MT-09 um die Kunden auf dem Markt für Naked Bikes. Gegen die Konkurrenz punktet die Brutale dabei mit zwei gewichtigen Pfunden: der relativ umfassenden Ausstattung und dem über jeden Zweifel erhabenen Dreizylindermotor. Hinzu kommt die blendende Fertigungsqualität.

Anderseits: Mit 12.590 Euro Verkaufspreis liegt die Brutale 800 fast 3000 Euro über der Yamaha oder einer 2015er Street Triple.

Das werden wir nicht vergessen: Die Designer haben den Tank an der Seite zwar wunderschön konstruiert - aber auch so scharf und spitz, dass der feste Knieschluss richtig wehtut. Führt man die Brutale 800 sportlich mit den Beinen, wird aus dem "Boah" schnell ein "Aua".

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 61 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
shopper34 20.02.2016
Zitat : "Die Brutale wird in den drei Tankfarben Weiß, Rot und Mattschwarz angeboten. Beim roten Modell ist der Rahmen - wen wunderts - halt schwarz....." Genialer Journalismus ....wie immer !
2.
thomas.d. 20.02.2016
Das "sportlich" kurz verkleidete Vorderrad pfeffert Steine direkt in Wasser und Ölkühler. Der Nummernschildträger sieht sche...e aus. Die Endrohre der Auspuffanlage ebenfalls. Trifft auf die meisten neuen Motoräder zu, freut sich der Zubehörmarkt. Bisschen viel Elektronische Helferlein, das ist aber nur mein persönlicher Geschmack der zum Glück nicht repräsentativ ist:-)
3. Geilomat!
Überfünfzig 20.02.2016
Man kann gar nicht glauben, dass bei dem Sitzbrötchen die Maschine eine Zweipersonenzulassung hat, aber die Soziafußrasten belegen es!
4. Nettes Motorrad...
trompetenmann 20.02.2016
... aber das Design gefällt mir nicht so. Der Rahmen ist nicht so meins. Und der Preis ist auch zu hoch. Mein Favorit in der Kategorie naked bikes ist ganz klar die neue XSR900. Design, Preis, Technik - da stimmt alles.... Off topic: muss es nicht heißen "ohne schlechtem Gewissen überlassen"? Ich bin verwirrt.
5. Rein
Flying Rain 20.02.2016
Rein vom Fahren her ist die Maschine einfach genial, aber ich empfehle noch ein bisschen mehr hinzulegen für die RR-Version, der Schaltautomat macht mit den ~140Ps eine mords Laune und das Motorrad lässt sich trotzdem noch viele Kilometer bewegen was man von der deutlich härteren und extremer eingestellten Dragster (is ja auch ne Brutale) nicht behaupten kann. Von der Version mit größerem Hub kann ich auch nur abraten da sie für meknen Geschmack auf den kleinem Ramen zuviel Gewicht hatt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Facebook

Zum Autor
Jochen Vorfelder ist passionierter Motorradfahrer. Er berichtet seit Jahren über die Bike-Szene und betreibt das Blog Moto1203. In der Rubrik Schräglage berichtet er für SPIEGEL ONLINE regelmäßig über die neuesten Zweirad-Entwicklungen. Alle bisher erschienen Schräglage-Folgen

Jochen Vorfelder auf Facebook folgen

Fahrzeugschein
Hersteller: MV Agusta
Typ: Brutale 800
Karosserie: Motorrad
Motor: Dreizylinder-Viertaktmotor
Getriebe: Sechsganggetriebe
Hubraum: 798 ccm
Leistung: 116 PS (86 kW)
Drehmoment: 83 Nm
Höchstgeschw.: 210 km/h
Gewicht: 175 kg
Preis: 12.590 EUR


Aktuelles zu