Neuer Nissan: Die Micra-Morphose

Von Tom Grünweg

Selten war der Begriff Facelift so passend wie bei der Überarbeitung des Nissan Micra. Denn viel mehr als ein frisch geschminktes Gesicht bekommt der Kleinwagen-Frauenschwarm für das letzte Drittel seiner Laufzeit nicht. Warum auch: Der Knirps ist doch ganz in Ordnung.

Mit den Autos ist es wie bei Fernseh-Gesichtern: Wann immer sie ein wenig matt und müde aussehen, wird kurzerhand das Make-up aufgefrischt. Ganz besonders wichtig ist das offenbar bei jenen Autos, die vor allem von Frauen gefahren werden. Und so hat auch Nissan den Kleinwagen Micra noch einmal in die Maske geschickt. Schließlich ist der Stadtflitzer ein Frauenschwarm, der mit einem Anteil von 70 Prozent bezogen auf den Gesamtabsatz mehr Kundinnen haben dürfte als jedes andere Auto in Deutschland.

Nur zwei Jahre nach der letzten Modellpflege kommt der charmante Drei- oder Fünftürer genau wie die Cabrio-Variante C+C deshalb jetzt noch einmal in einer neuen Version auf den Markt, bei der vor allem die Optik aufpoliert wird. Die beiden Luftlöcher im freundlichen Gesicht erhalten einen Chromrahmen, die Blinkergläser schimmern blau wie eingefärbte Kontaktlinsen, und die ebenso ungewöhnlichen wie praktischen Glasblasen auf den Scheinwerfern sind nun noch größer und haben ebenfalls einen blauen Grundton. Dazu gibt es neue Felgen sowie eine schwarz eingefärbte B-Säule, die das Kuppeldach der Knutschkugel noch stärker betont.

Innen ist die Modellpflege vor allem am Instrumententräger erkennbar. Der ist jetzt auch in den schlichteren Ausstattungsvarianten mit einem angenehm anzufassenden Kunststoff bezogen. Außerdem thront im Armaturenbrett ab sofort auf Wunsch ein neues Infotainment-Center, über das Telefone mit Bluetoothverbindung oder der iPod über einen AUX-Eingang eingebunden werden können. Und ein paar neue Muster für die Sitzbezüge gibt es natürlich auch.

Frische Schminke und die altbekannten Motoren

Doch so sehr Nissan für den neuen Micra trommelt: Für viel mehr als etwas frische Schminke hat es nicht gereicht. Denn erstens steht in rund zwei Jahren schon der nächste, wirklich neue Micra auf dem Plan. Und zweitens haben die Ingenieure in Japan derzeit genug andere Projekte am Wickel. Schließlich hat die Marke für 2008 ein stattliches Premieren-Programm avisiert, das mit dem etwas konventioneller gestrickten Tiida für die Kompaktklasse beginnt, den Europäern im Sommer einen neuen Murano und vermutlich eine gestreckte Version des Qashqai bringt und dann im Debüt des Supersportwagens GT-R gipfelt. Unter dem Blech bleibt es beim kleinen Micra deshalb bei den vier bekannten Benzinern mit 65 bis 110 PS und dem Dieselmotor, der auf 86 PS kommt.

Aber nach einer ausgedehnten Testfahrt durch den Berliner Stadtverkehr muss man neidlos anerkennen, dass mehr als ein paar neue Farbtupfer auch gar nicht nötig waren, um den Benjamin ehrenvoll ans Ziel des nächsten Generationswechsels zu bringen. Denn nach wie vor macht der kleine Japaner aus dem Nissan-Werk in England eine gute Figur. Vor allem mit den stärkeren Benzinern flutscht man schnell und geschmeidig durch die Rushhour, und sprintet schneller durch die wenigen Lücken im Feierabendstau als viele andere Kleinwagen. Und der Diesel klingt zwar ein wenig rau, ist aber mit einem Spitzentempo von 171 km/h und einem Verbrauch von 4,7 Litern auch keine schlechte Wahl. Vor allem aber punktet der Micra mit seiner Handlichkeit: Der Wendekreis misst nur 9,7 Meter, die elektrische Servolenkung gehört bei allen Modellen zur Serie, und die Gnubbel-besetzten Scheinwerfer wirken beim Einparken wie Peilstäbe.

Durchdachter Innenraum mit vielen Extras

Ebenfalls für den Micra spricht sein pfiffiger Innenraum, der ein halbes Dutzend praktischer Ablagen bis hin zum Geheimfach im Beifahrersitz bietet, mit einer verschiebbaren Rückbank glänzt und – entsprechende Häckchen auf der Optionsliste vorausgesetzt – mit Extras aufwartet, die im Kleinwagen noch immer Luxus sind.

Statt des Zündschlüssels gibt es auf Wunsch auch einen Funksender; wer nicht schalten will, lässt eine vierstufige Automatik ran; und wer zum Frösteln neigt, bestellt neben der Klimaautomatik noch eine Sitzheizung für die Lederpolster. Groß gewachsenen Passagieren würden zwar ein paar Zentimeter mehr Kniefreiheit nicht schaden – aber welcher Basketballer fährt schon einen Kleinwagen, und welche Frau misst über zwei Meter?

Dass der Micra in der Damenwelt so gut ankommt, ist für Nissan Fluch und Segen zugleich: Auf der einen Seite halten die Damen dem Micra offenbar lange die Treue. Schließlich feiern die Japaner ihren charmanten Benjamin nicht umsonst als Erfolgsmodell, das seit seinem Debüt 1982 nun schon in der dritten Generation steht und allein in Deutschland fast 600.000 Mal verkauft wurde. Doch auf der anderen Seite macht es der hohe Frauenanteil den Männern im Micra nicht eben leicht: Vielen ist der "Tussifaktor" einfach zu hoch.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Tests
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fahrzeugschein
Hersteller: Nissan
Typ: Micra 1,5 dCi
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Vierzylinder-Diesel
Hubraum: 1.461 ccm
Leistung: 86 PS (63 kW)
Drehmoment: 200 Nm
Von 0 auf 100: 11,5 s
Höchstgeschw.: 171 km/h
Verbrauch (ECE): 4,7 Liter
CO2-Ausstoß: 125 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 251 Liter
umgebaut: 982 Liter
Versicherung: 15 (HP) / 19 (TK) / 19 (VK)
Preis: 12.990 EUR
Fotostrecke
Nissan Micra: Ladys Liebling


Aktuelles zu