Neuer Toyota Prius Hybrid für die Masse

Hybridautos galten als Nischenmodelle - bis Toyota kam. Jetzt stellt der Konzern die neue Generation seines Pioniermodells Prius vor, die den endgültigen Durchbruch auf dem Massenmarkt bringen könnte. Der SPIEGEL-ONLINE-Test zeigt: Verbrauch super, Extras prima, Fahrspaß naja.

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Dominiert ein Unternehmen eine Zukunftstechnologie derart wie es bei Toyota und dem Hybridantrieb der Fall ist, sind wohl ein paar großspurige Sprüche erlaubt. Prompt verkünden die Japaner, die 80 Prozent der weltweiten Hybridflotte stellen und Herstellern wie VW, Mercedes oder BMW um ein Jahrzehnt voraus sind, die neue, dritte Generation des Prius sei das "fortschrittlichste Großserienauto der Welt".

Das ist vielleicht etwas übertrieben. So sind in dem Auto noch Nickel-Metallhydrid-Batterien verbaut. Die moderneren Lithium-Ionen-Akkus gibt es erst Ende des Jahres für eine Kleinserie sogenannter Plug-In-Modelle, die an der Steckdose aufgeladen werden können. Derzeit, so heißt es bei Toyota, sei die bewährte Batterietechnik für den Einsatz im Prius eindeutig überlegen.

Ein mustergültiger Sparer ist der nun schon abermals perfektionierte Prius dennoch: Die Batterie ist wieder etwas kleiner geworden, der Elektromotor etwas stärker und die rein elektrische Reichweite etwas größer. Und obwohl statt des vormaligen 1,5-Liter-Benziners mit 78 PS nun ein 1,8-Liter-Vierzylinder mit 99 PS eingebaut ist und die Systemleistung von 113 auf 136 PS steigt, wiegt der gesamte Antrieb 30 Kilo weniger als zuvor.

All das drückt den Verbrauch, der von durchschnittlich 4,3 auf 3,9 Liter sinkt und den Prius mit einem CO2-Ausstoß von 89 g/km zu einem der saubersten Serienautos macht. Und nichts ist faszinierender, als auf kurzen Strecken ganz ohne Benziner durch die Stadt zu gleiten - zumal Toyota den E-Antrieb noch leiser gemacht hat und man nun fast lautlos dahinrollt.

Einige Testfahrer kamen mit 2,2 Liter Verbrauch zurück

In der Praxis lassen sich die Werte sogar noch unterbieten. Bei einer ganz gewöhnlichen Stadtfahrt auf 50 Kilometern kreuz und quer durchs abendliche Stockholm mit ein paar kurzen Sprints auf den Ausfallstraßen zeigt der Bordcomputer einen Alltagsverbrauch von 4,8 Litern - das ist schon ganz gut. Doch auf einer Sparfahrt vor den Toren der schwedischen Hauptstadt drücken manche Tester den Wert auf rekordverdächtige 2,2 Liter. So wird man zum Sparkönig, Fahrspaß jedoch entsteht dabei kaum.

Überhaupt ist das die Disziplin, in der man beim Prius Abstriche hinnehmen muss: Obwohl stärker und schneller geworden, kommt im Prius nur wenig Begeisterung auf. Flott voran geht es nur mit etwas Geduld - kein Vergleich jedenfalls zu ebenfalls sparsamen Dieselfahrzeugen.

Drei Fahrprogramme und ein Eco-Drive-Monitor

Prius-Piloten können unter drei Fahrprogrammen wählen. Im EV-Modus wird so lange elektrisch gefahren, wie es die Akkus erlauben. Im Power-Modus spricht der Prius-Motor etwas spontaner an, in der Stellung "Eco" wiederum wird ein wenig freudlos Sprit gespart. Um Verbrauchsspitzen zu kappen, wird in dieser Programmierung die Leistung der Klimaanlage gedrosselt und auch die Motorelektronik verlangsamt. Resultat: Statt an der Stoppuhr ergötzt man sich an der Tankuhr, die zum Gradmesser für Sparspaß aufgerüstet wurde und nun "Eco Drive Monitor" heißt.

In einem auf den ersten Blick nur schwer durchschaubaren Mäusekino über der Mittelkonsole wird neben den üblichen Fahrdaten auch angezeigt, wann und wie der Elektromotor arbeitet, wann er die Akkus lädt und wann der Fahrer einen maßvollen Umgang mit den Ressourcen pflegt. "Wer sich daran orientiert, kann den Verbrauch noch einmal um 10 bis 15 Prozent drücken", sagt ein Toyota-Ingenieur.

So wegweisend der Antrieb des Prius sein mag, allein mit dem geringen Verbrauch kann man den Wagen nicht zum Bestseller machen, weiß Produktmanager Markus Ames. Die Kunden der ersten Generation waren Überzeugungstäter, die zweite Auflage wurde von Menschen gekauft, die immer das Neueste und Modernste haben wollen. Nun soll die breite Masse Prius fahren - und da geht es zum Beispiel auch um Preis und Ausstattung.

Die Leistung steigt, der Preis fällt

Deshalb wird das Auto mit dem Generationswechsel trotz höherer Leistung und üppigerer Ausstattung billiger. Formal fällt der Einstiegspreis zur Markteinführung an diesem Wochenende von 25.550 auf 24.950 Euro. "Rechnet man die bessere Ausstattung mit ein, spart der Kunde sogar 2400 Euro", sagt Toyota-Mann Ames. An Bord sind nun sieben Airbags, ESP, Alufelgen, Head-Up-Display und Klimaautomatik.

Für manche Extras allerdings ruft Toyota stolze Aufpreise auf: Das Navigationssystem mit Rückfahrkamera und Einparkautomatik kostet bis zu 2300 Euro, der Tempomat mit Abstandsregelung und Auffahrschutz steht mit 1500 Euro in der Liste, und für das Schiebedach mit Solarzellen, deren Strom im Stand die Lüftung betreibt, verlangt Toyota 1000 Euro.

In der Sprachregelung des Konzerns ist der Prius das "intelligenteste Auto für die Massenmobilisierung". Doch zumindest hierzulande sah das die Masse bislang anders. In diesem Jahr rechnet Toyota mit etwa 6000, im nächsten Jahr mit rund 7000 Prius-Verkäufen. "Ganz anders in den USA", berichtet Toyota-Sprecher Jürgen Stolze. "Da wurden in den ersten fünf Tagen 10.000 Prius bestellt, und in Japan lagen nach einem Monat unglaubliche 180.000 Bestellungen vor."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 120 Beiträge
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Michael KaiRo 25.06.2009
1. Hybrid der Irrweg
Zitat von sysopHybridautos galten als Nischenmodelle - bis Toyota kam. Jetzt stellt der Konzern die neue Generation seines Pioniermodells Prius vor, die den endgültigen Durchbruch auf dem Massenmarkt bringen könnte. Der SPIEGEL-ONLINE-Fahrtest zeigt: Verbrauch super, Extras prima, Fahrspaß naja. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,632483,00.html
Hybridtechnik ist (derzeit noch) ein Irrweg, Aber das kapieren nur Insider.
2go 25.06.2009
2. Insider?
Zitat von Michael KaiRoHybridtechnik ist (derzeit noch) ein Irrweg, Aber das kapieren nur Insider.
dann schreiben Sie ihre Komentare doch bitte auf einem - Insider Chat -. Denn so kann ich damit nichts anfangen.
smarty79, 25.06.2009
3. Ein wenig Skepsis ist angebracht
Grundsätzliche halte ich die Hybrid-Technik für absolut sinnvoll. Ob Toyota hier nun tatsächlich 10 Jahre Vorsprung hat, mag ich allerdings zu bezweifeln. Ich denke, der Prius wird hier seit Jahren stark subventioniert, was Toyota jetzt allerdings zu einer starken Marktstellung verholfen hat. Zwei Punkte möchte ich aber anmerken: 1) 2,2 Liter sind vielleicht möglich, aber auch nur, wenn vor Beginn der Messung durch entsprechende Energierückgewinnung die Batterien voll sind. Dass wäre aber so, als würde man bei einem Diesel den Benzinkanister verbrauchen, aber nicht dazurechnen. 2) Hybrid bringt nur im reinen Stadtverkehr etwas. Bei Langstrecke läuft nur der Benziner, der mehr verbraucht, als ein vergleichbarer Diesel, und gleichzeitig wird Benzin verbraucht, um die Hybrid-Technik mitzuschleppen. Fazit: Ein Diesel mit mild-Hybrid (dadurch gespartem Anlasser etc.), der wie auch immer ins Getriebe integriert ist, dürfte dem Durchschnittsfahrer erheblich mehr bringen. Und da sind die deutschen Autobauer wohl auch fleißig dran...
Komiker_blub 25.06.2009
4. Aussehen
zumindestens sieht der neue Prius mal besser aus zumindestens von vorne aber warum ein 1,8 l Motor mit 78PS geht das nicht kleiner? Toyota hat doch 1,2 oder 1,4 l Motoren mit der Leistung und die sind vll. genauso "spritzig".
terrorzwerg 25.06.2009
5. Irrweg?
Zitat von Michael KaiRoHybridtechnik ist (derzeit noch) ein Irrweg, Aber das kapieren nur Insider.
Wieso?
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