Von Jürgen Pander
Warum wird über Autodesign so viel geredet? Warum bieten Hersteller Autos in tausendundeiner Variante an? Warum steckt die Industrie horrende Summen in die Werbung und das Marketing von Fahrzeugen, die eigentlich viel zu groß, zu schwer und zu teuer sind? Das sind höchst unterschiedliche Fragen, doch die Antworten führen stets zu einer generellen Erkenntnis: Das Auto ist - zumindest hierzulande - für viele Menschen zu einer wesentlichen Ausdrucksform der eigenen Persönlichkeit geworden.
Lutz Fügener, Professor für Transportation Design an der Hochschule Pforzheim, sagte kürzlich in einem "Zeit"-Interview, dass "Männer, die sich morgen von ihren Frauen Hemd und Hose rauslegen lassen, leidenschaftlich über die Linienführung eines Autos" diskutieren würden. Es ist ein bisschen wie beim anderen großen Männerthema Fußball: Fast jeder hat eine Idee, wie es besser gegangen wäre. Doch bei einem Auto geht es nur vordergründig um Linien, Flächen, Chromleisten oder die Form der Scheinwerfer. Tatsächlich soll die eigene Persönlichkeit präsentiert werden. Die zentrale Frage lautet: Möchte ich durch dieses Auto repräsentiert werden? Entspricht dieser Wagen meinem Selbstbild?
Das Porsche-Fahrer als Sportskanonen wahrgenommen werden wollen und Mercedes-Lenker als Erfolgsmenschen scheint daher ziemlich logisch. Wie jedoch möchte jemand rüberkommen, der sich einen Nissan Juke kauft? Als Spaßvogel, Nonkonformist, Außenseiter, Trendsetter oder einfach als schillernde Figur? Leider fragt Nissan die Juke-Käufer nicht nach den eigentlichen Beweggründen, die den Ausschlag zum Erwerb gerade dieses Modells gaben.
Was dieses Auto interessant macht, ist das erfrischende Design
Wir fuhren das Auto, weil es, gemessen am engen optischen Korsett, das nahezu alle aktuellen Pkw tragen, ein unangepasstes und außergewöhnliches Design hat. Nicht unbedingt schön, aber anders. Und man kriegt das als Fahrer auch mit, vor allem bei Dunkelheit, wenn die Scheinwerfer angeschaltet sind, deren obere Hälfte auf dem Kotflügel sitzt, während der untere Part etwa in Reifenhöhe an der Frontpartie angebracht ist. Als Fahrer hat man das Gefühl, einen kleinen Dampfer zu steuern - wegen der beiden Positionslampen backbord und steuerbord voraus.
Lackiert war der Wagen im satten Rotton "Force Red", der 480 Euro Aufpreis kostet. Diese Farbe dominierte auch den Innenraum, die Mittelkonsole und die Türablagen sind beispielsweise mit dem leuchtenden Lack überzogen. Das schafft eine frische Atmosphäre und passt gut zu Details wie den hübsch geformten Türgriffen und den übersichtlich angeordneten Bedienelementen, wobei vor allem das Tastenensemble der Klimaanlage Lob verdient.
Gute Sitzposition, ruppige Abstimmung, zähe Automatik
Man sitzt ordentlich im Juke, die Position ist - SUV-typisch - leicht erhöht und insgesamt macht das Auto einen ebenso fröhlichen wie durchdachten Eindruck. Das ändert sich allerdings, wenn man erst einmal ein paar Kilometer gefahren ist. Die Ingenieure scheinen den Auftrag bekommen zu haben, das Auto unbedingt so sportlich wie möglich abzustimmen. Heraus gekommen ist dabei ein Kompaktwagen mit einem ziemlich ruppigen Fahrwerk. Sobald die Straße nicht tadellos asphaltiert ist, beginnt der Juke über Querfugen, Kanaldeckel, Dellen oder Schlaglöcher zu rumpeln, als habe er noch nie etwas von Federn und Dämpfen gehört.
Offenbar gibt es Autofahrer, die so eine Abstimmung mögen. In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden in Deutschland 6894 Exemplare des Autos neu zugelassen. Damit liegt der kleine SUV im Nissan-internen Ranking nur knapp hinter dem Kleinwagen Micra, der im gleichen Zeitraum auf 7093 Neuzulassungen kam.
Das straffe Fahrwerk lässt den Juke indes nur auf den ersten Blick sportlich erscheinen. Doch der erste Sturm versandet schnell in der Sechsgang-Automatik, das seine Arbeit ausgesprochen zäh verrichtet. Da spart man sich besser den Aufpreis von 1500 Euro und greift zum Schaltgetriebe, wenn man auf die Bequemlichkeit einer Automatik verzichten kann.
Klar, dass der 190-PS-Motor auch reichlich Sprit schluckt
Unter der Haube des Testwagens steckte der Topmotor aus der Palette für den Juke, nämlich der 1,6-Liter-Vierzylinder-Benzin-Direkteinspritzer mit Turboaufladung und einer Leistung von 190 PS. Genug für ein für ein kompaktes Auto von 4,14 Meter Länge - auch wenn es immerhin knapp eineinhalb Tonnen wiegt. Angesichts dieser Eckwerte ist klar, dass man nicht auf ein Verbrauchswunder zu hoffen braucht. Offiziell liegt der Durchschnittswert bei 7,5 Liter, nach unseren Testfahrten meldete der Bordcomputer einen Mittelwert von 9,4 Liter je 100 Kilometer. Für einen kleinen SUV ist das deutlich zu viel - trotz des Allradantriebs.
Dass der Wagen trotz mancher Schwäche, zu erwähnen wäre hier auch noch die unzureichende Sicht nach hinten, sich durchaus ordentlich verkauft, hängt wohl doch mit der aufmunternden Optik zusammen. Ganz gleich welche Beweggründe sonst noch im Spiel sind: Wer einen Juke kauft, will nicht einfach nur ein ganz normales Auto. Und das kriegt er dann ja auch.
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