Nissan Juke-R Befeuert von der Fangemeinde

Wie man für reichlich Aufsehen sorgt, obwohl man nichts Neues zu bieten hat, demonstriert derzeit der japanische Hersteller Nissan. Der ließ zwei Kompakt-SUV vom Typ Juke in 485-PS-Granaten umrüsten - das Projekt wurde zum Internet-Hit.


Alles begann vor drei Monaten mit einem Filmchen auf YouTube. Darin wurde ein fast schon wahnwitziges Projekt vorgestellt - nämlich, den Motor und Antriebsstrang von Nissans Supersportwagen GTR in die etwas verquollene Karosserie von Nissans Mini-SUV Juke zu quetschen.

Kurz nach dieser Veröffentlichung wurde auch auf Facebook eine spezielle Seite für das Projekt "Juke R" angelegt. Damit war der Stein - oder in diesem Fall besser: das noch virtuelle Auto - ins Rollen gebracht. Bis heute haben sich 2,3 Millionen Internetnutzer die inzwischen insgesamt elf Videos zum Nissan Juke-R angeschaut, die Facebook-Fangemeinde des Autos zählt knapp 35.000 Mitglieder.

Langweilen sich so viele Menschen so sehr? Warten Autofahrer wirklich auf einen Kompaktwagen mit 485 PS? Oder ist einfach nur die Social-Media-PR-Kampagne grandios geglückt? Vermutlich von allem etwas. Und, das sollte man nicht vergessen, der Nissan Juke-R ist ja tatsächlich ein extrem abgefahrenes Gerät.

Kraftmeier im kleinen Kleid

Die beiden heißgemachten SUVs, die den digitalen Hype ausgelöst haben, gaben nämlich jetzt ihr Debüt in der analogen Realität, und zwar auf dem Autodrom von Dubai. Der 3,8-Liter-V6-Motor mit Doppelturbo aus dem GT-R macht die Wägelchen zu den schnellsten und stärksten Crossover-Zwillingen der Welt. 485 PS, 258 km/h Spitze, von 0 auf 100 in 3,7 Sekunden, 588 Nm Drehmoment - wenn man aufs Gaspedal tritt, fühlt es sich an, als würde man mitsamt dem Wagen von einem Katapult geschleudert.

Die Idee, ausgerechnet aus dem Juke einen Rennwagen zu machen, entstand am Rande des 24-Stunden-Rennens von Le Mans und war eigentlich ein Gag. Einige Nissan-Manager saßen mit Michael Mallock, dem Besitzer des britischen Rennstalls RML, zusammen, tranken Bier und ein blödelten herum, was man aus dem Juke, der ja von Nissan zum Lifestyle-Mobil hochgejazzt worden war, noch so alles machen könnte.

Am Ende des Gesprächs stand fest, dass der Wagen ein Extremdoping erhalten sollte. Und kurz darauf machten sich zeitweise bis zu 30 Techniker daran, den Triebstrang des GT-R um 25 Zentimeter zu kürzen und in den Juke zu pressen - stets begleitet von einem Kamerateam, das die Baufortschritte für die YouTube-Fangemeinde dokumentierte.

Welche Summe RML und Nissan in das Projekt investierten, will Mallock nicht verraten. "Ist doch egal, was der Juke-R gekostet hat", sagt Mallock. "Er ist jeden Euro Wert, und der Spaß hinterm Steuer ist ohnehin unbezahlbar." Das kann man wörtlich nehmen, denn verkäuflich ist der Juke-R nicht. Dabei wäre offenbar Interesse da. Unter den Internet-Fans gab es etliche, die akutes Interesse signalisierten. "Seit das erste Foto veröffentlicht wurde, bekommen wir am Tag bis zu zehn E-Mails mit ernsthaften Kaufanfragen", sagt Mallock.



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