Nissan Murano: Nasenbär mit Chrom-Schmollmund

Von Tom Grünweg

Eigentlich sind luxuriöse Autos bei Nissan ein Fall für die Marke Infiniti. Doch solange die in Europa nicht in Fahrt kommt, kümmert sich der Mutterkonzern eben selbst um dieses Segment. Zum Beispiel mit dem großen, frisch aufpolierten SUV-Modell Murano.

Noch hat Nissan-Chef Andreas Gabriel gut lachen. Denn zumindest in Deutschland wird die Edelmarke Infiniti erst in rund einem Jahr antreten. Konkurrenz aus den eigenen Reihen muss er also fürs Erste nicht fürchten. Die käme derzeit auch denkbar ungelegen. Denn es gibt eine Überschneidung in den Modellprogrammen der Schwestermarken Nissan und Infiniti: bei den SUV-Modellen nämlich, und ausgerechnet in diesem Segment tritt gerade ein neuer Nissan-Typ an.

Es handelt sich um die zweite Generation des Murano, der sich von Format und Anspruch mit dem Infiniti-Geländewagen EX 37 vergleichen lässt. Der Murano wurde jetzt, vier Jahre nach dem Europa-Debüt, von Grund auf erneuert und versteht sich als ebenso preisgünstige wie exklusive Alternative zu den deutschen Modellen in der SUV-Business-Klasse. Beim frischen Auto bleibt technisch vieles beim Alten, doch dafür durften die Designer kräftig zulangen – kein Karosserieblech des bisherigen Modells, das nicht verändert wurde.

Mit dem neuen Kühlergrill, den pfeilförmigen Scheinwerfern und dem wie die Unterlippe eines Schmollmundes nach vorn gezogenen Stoßfänger sieht der Wagen von vorn aus wie ein Nasenbär im Chrom-Ornat. Die vorgeschobene Frontpartie macht das Auto obendrein um sieben Zentimeter länger. Von hinten erinnert der Murano mit den zweigeteilten Heckleuchten und der neu geschnittenen Heckklappe ein wenig an Nissans Kompakt-SUV Qashqai. Von der Seite geben ihm die hohe Gürtellinie und die breiten Wülste um die neu designten 18-Zoll-Felgen einen sportlichen Anstrich. Damit die Schönheit auch von Dauer ist, wurde der Murano mit einem Lack überzogen, der kleine Kratzer von selbst repariert.

Dass der Nobelhobel etwas größer geworden ist, merkt man im Innenraum nicht. Doch dass Nissan das Flaggschiff gründlich verfeinert hat, spürt man mit jedem Handgriff. Denn die Materialauswahl wirkt jetzt feiner und die Ledersitze sind weicher gepolstert als bislang. Obendrein kann man den Fortschritt hören: Als Passagier im Murano fühlt man sich wie in Watte gepackt, denn Motorgrummeln und Windrauschen sind weitgehend ausgesperrt. Das macht den Nissan-Allradler zum Flüster-SUV.

Altbekannter Motor mit neuen Muskeln

Unter der Haube begegnet man dem vertrauten, 3,5 Liter großen V6-Motor, der mit der Modellpflege allerdings erstarkt ist. So klettert die Leistung um 22 auf nun 256 PS, und das maximale Drehmoment liegt nun bei 334 Nm statt bislang bei 318. Der Motor ist also groß und kräftig. Doch das Herz eines Modellathleten hat der Murano trotz der technischen Verwandtschaft zum Sportwagen 350Z nicht. Der vornehme Wuchtbrummer ist eher ein Gleiter. Dazu passt auch das stufenlose Automatikgetriebe, das Nissan ausnahmslos im Murano verbaut.

So ausstaffiert rollt der Geländewagen souverän und gelassen über die linke Spur, schnelle Sprints aber sind seine Sache nicht. Die Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h ist für ein Auto dieses Kalibers absolut ausreichend, doch zum Protzen im SUV-Freundeskreis taugt sie nicht. Und auch den Verbrauch behält man besser für sich, denn schon im Normzyklus schluckt der Murano 10,9 Liter. Immerhin ermuntert das komfortable Fahrwerk des frontlastigen Allradlers zu geruhsamer Gangart. Schlechte Straßen bügelt der Murano glatt, was sehr angenehm ist für die Insassen. Für den Fahrer weniger lustig sind beispielsweise kurvige Pässe, denn in engen Radien benötigt der zwei Tonnen schwere Geländewagen doch etwas Auslauf.

Üppige Ausstattung mit elektrischen Butlern

Je länger der Murano auf dem Markt ist, desto länger wird auch die Ausstattungsliste. Zum Generationswechsel hat Nissan jetzt weitere Komfortsysteme eingebaut. Ab Werk wird jedes Modell mit Xenon-Scheinwerfern, CD-Wechsler, Lederpolstern, Klimaautomatik und einem schlüssellosen Zugangssystem ausgerüstet und die Heckklappe bewegt sich auf Knopfdruck auf und zu. Wer den 402 Liter großen Kofferraum durch Umklappen der Rückbank auf 838 Liter erweitert hatte, dann aber wieder Gäste an Bord nehmen will, kann die beiden Rückbank-Elemente voll elektrisch aus der Versenkung hochsurren lassen. Neu ist auch die zweite Rückfahrkamera, die im rechten Außenspiegel sitzt und beim Rangieren den toten Winkel überwacht.

Unter dem Strich hat der Chef von Nissan Deutschland Gabriel für 46.740 Euro also ein ausgesprochen attraktives SUV-Paket im Angebot. Zumindest dürfte mancher Fahrer eines VW Touareg oder einer Mercedes M-Klasse angesichts der üppigen Ausstattung nachdenklich werden. Schwer haben könnte es der Murano jedoch in gut einem Jahr gegen die Konkurrenz aus eigenem Hause: Schließlich ist der kaum kleinere Infiniti EX 37 noch etwas günstiger, verfügt über einen stärkeren Motor und noch ein paar Ausstattungsdetails mehr. Doch noch gibt es dieses Auto hierzulande gar nicht. Das ist die Chance für den Murano.

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Fahrzeugschein
Hersteller: Nissan
Typ: Murano II
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V6-Benziner
Getriebe: stufenlose Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 3.498 ccm
Leistung: 256 PS (188 kW)
Drehmoment: 334 Nm
Von 0 auf 100: 8,0 s
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 10,9 Liter
CO2-Ausstoß: 261 g/km
Kofferraum: 402 Liter
umgebaut: 838 Liter
Preis: 46.740 EUR

Fotostrecke
Nissan Murano: Der Softie-SUV

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