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Autogramm Nissan Navara: Western war gestern

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Autogramm Nissan Navara: Auto mit Hinterhof Fotos
Nissan

Wildwest-Romantik und Steinzeit-Technik, das war einmal. Der Nissan Navara will der erste Pick-up einer neuen Art sein - deutlich auf Komfort getrimmt. Das wird Folgen haben - auch bei Mercedes.

Der erste Eindruck: Lederstrumpf trägt jetzt Budapester.

Das sagt der Hersteller: Pick-ups schleppen Lasten wie Transporter, kraxeln über Stock und Stein wie Geländewagen und sind im Freizeiteinsatz wie SUV-Modelle. Nissan-Produktplaner Jamie Maclean nennt Pick-ups daher "das Schweizer Messer unter dem Auto". Mussten die Kunden bislang allerdings beim Komfort Kompromisse eingehen, scheint auch dieses Manko zu schwinden, denn immer häufiger wünschen Kunden eine möglichst große Bequemlichkeit. Das hat auch damit zu tun, dass der Absatz großer, eher einfacher Geländewagen wie Nissan Patrol, Land Rover Discovery oder Mitsubishi Pajero schrumpft. Stattdessen werden Pick-ups immer öfter als Pkw genutzt; zwei von drei Kunden, so die Erfahrung der Pick-up-Anbieter, kaufen einen Pritschenwagen samt Hardtop. Dann sieht der Wagen aus wie ein ziemlich wuchtiges SUV.

Das ist uns aufgefallen: Die Kunststoffe sind etwas einfacher und die Schalter etwas grobschlächtiger, doch gemessen am Vorgänger und an der Konkurrenz macht der Navara einen riesigen Sprung. Der Wagen bietet eine Ausstattung, die man selbst in vielen konventionellen Geländewagen nicht findet: Instrumente mit einem brillanten Farbdisplay, eine großes, sehr ordentliches Touchscreen-Navigationssystem, ein Roundview-Monitor als Rangierhilfe, die den 5,33-Meter-Koloss aus der Vogelperspektive zeigt, ein schlüsselloser Zugang und eine LED-Lichtsignatur machen den Pick-up durchaus zu etwas Besonderem. Zudem gibt es nun für brenzlige Situationen sogar eine Notbrems-Automatik.

Auch das Fahrverhalten hat mit dem spröden, bisweilen bockigen Charme vieler Nutzfahrzeuge nichts mehr gemein. Die Blattfedern an der Hinterachse wurden ausgemustert, stattdessen kommt eine Multilenker-Konstruktion mit Einzelradaufhängung und Schraubenfedern zum Einsatz. Der Navara hoppelt jetzt selbst dann nicht mehr über Bodenwellen, wenn er unbeladen ist. Stattdessen federt er so sauber und komfortabel, dass der Rücksitz der Doppelkabine keine Strafbank und die Ladefläche kein Trampolin mehr ist. Außerdem wurde der Radstand um fünf Zentimeter gekürzt und die Lenkübersetzung geändert, so dass man beim Rangieren weniger kurbeln muss und leichter um die Kurve kommt.

Nur die Geschichte mit der Geschwindigkeit ist so eine Sache. Zwar rühmt Nissan den Navara für die "Fahrleistungen eines konventionellen Geländewagens" und ermöglicht mit bis zu 184 km/h eine höhere Spitzengeschwindigkeit als die Konkurrenz. Doch erstens ist so viel Schwung gar nicht nötig und zweitens merkt man spätestens beim Bremsen, dass der Pick-up eben doch nicht so leicht und handlich ist, wie er sich anfühlt. Weitsicht und Kraft im rechten Fuß können jedenfalls nicht schaden.

Das muss man wissen: Die Produktion im Nissan-Werk in Barcelona hat bereits begonnen und in den Handel kommt der Navara im Januar. Dabei bietet Nissan zu Preisen ab 26.795 Euro die Wahl zwischen einer knapperen King- oder einer geräumigen Doppel-Kabine, zwischen Heck- oder Allradantrieb, Handschaltung oder Automatik sowie vier Ausstattungsvarianten, so dass sich der Preis leicht über 40.000 Euro treiben lässt. Auch in dieser Hinsicht ist der Navara dem Lifestyle näher als einem Laster.

Unter der Haube steckt bei allen Varianten ein 2,3 Liter großer Dieselmotor, der mit 160 oder 190 PS verfügbar ist. Nissan-Mann Maclean sagt: "Wir haben den Verbrauch gegenüber dem Vorgängeraggregat um 24 Prozent gesenkt. Jetzt kommt die sparsamste Variante auf 6,3 Liter und braucht damit lediglich so viel wie der kleine Nissan Juke, als der vor fünf Jahren auf den Markt kam."

Zwar spielen die Pick-ups in Deutschland stückzahlmäßig nur eine Nebenrolle und kommen im Jahr auf lediglich 14.000 Neuzulassungen, doch dennoch ist dieser Eintonner wichtig. Im Allgemeinen, weil die Fahrzeuggattung im Rest der Welt boomt und den Herstellern die Tür zu den sogenannten Emerging Markets in Asien, Afrika und Südamerika öffnet; und im Besonderen, weil uns der Navara noch öfter begegnen wird. Denn auf Basis des Navara wird im nächsten Jahr der ersten europäischen Pick-up von Renault und später auch einen Ableger von Mercedes auf den Markt rollen.

Das werden wir nicht vergessen: Es dauert nur ein paar Minuten, dann hat man im Navara vergessen, dass man in einem Pick-up sitzt. Bis man auf dem Golfplatz die Abschätzigen Blicke der anderen SUV-Fahrer sieht und unweigerlich vom Klubhaus zum Servicebereich weiterfährt. Macht nichts. Spätestens am Samstag auf dem Parkplatz vom Getränke- oder Baumarkt werden die SUV-Fahrer neidisch gucken.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 120 Beiträge
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1.
kuchengespenst 16.11.2015
Der gesamte letzte Absatz veranschaulicht wunderbar, was mit vielen Leuten generell ganz gewaltig schief gelaufen ist. Als ob es im Leben nichts Wichtigeres gäbe als die Außenwirkung der eigenen Karre bzw. deren Abstrahlwert auf das eigene Image. Als ob man mit dem Kauf des "richtigen" Wagens bereits irgendetwas im Leben erreicht hätte.
2. Mir
werner-xyz 16.11.2015
persönlich fehlt immer noch der Sinn hinter diesen Kisten. In Afrika oder Südamerika sicher ganz nett. Vielleicht gibt es auch den einen oder anderen Unternehmer in Deutschland, zu dessen Transportverhalten sowas passt. Jeder andere ist (meiner unmaßgeblichen Meinung nach) mit einem Kastenwagen (Transportgut ist im trocknen) oder einem Hänger wohl deutlich besser bedient. Von Privatpersonen mal ganz abgesehen. Denn wenn man die Ladepritsche nicht mehrmals die Woche braucht, schleppt man nur unnötig Ballast mit sich rum. Von den Problemen Parkhaus oder Innenstadtparkplätze mal ganz abgesehen.
3. Warum
knoebel77 16.11.2015
stellt ihr immer diese verbrauchsintensiven über flüssigen Angebermodelle vor und nicht verbrauchsarme vorbildliche einfachere Exemplare, liebe SPON-Redaktion?
4. ist leider Realität
manni.baum 16.11.2015
Zitat von kuchengespenstDer gesamte letzte Absatz veranschaulicht wunderbar, was mit vielen Leuten generell ganz gewaltig schief gelaufen ist. Als ob es im Leben nichts Wichtigeres gäbe als die Außenwirkung der eigenen Karre bzw. deren Abstrahlwert auf das eigene Image. Als ob man mit dem Kauf des "richtigen" Wagens bereits irgendetwas im Leben erreicht hätte.
was bei Kain und Abel das Aufsteigen des Rauchs war ist heute die Karre, die "Deppen-Herde" hat sich seitdem noch nicht weiterentwickelt.
5.
artbond 16.11.2015
Zitat von werner-xyzpersönlich fehlt immer noch der Sinn hinter diesen Kisten. In Afrika oder Südamerika sicher ganz nett. Vielleicht gibt es auch den einen oder anderen Unternehmer in Deutschland, zu dessen Transportverhalten sowas passt. Jeder andere ist (meiner unmaßgeblichen Meinung nach) mit einem Kastenwagen (Transportgut ist im trocknen) oder einem Hänger wohl deutlich besser bedient. Von Privatpersonen mal ganz abgesehen. Denn wenn man die Ladepritsche nicht mehrmals die Woche braucht, schleppt man nur unnötig Ballast mit sich rum. Von den Problemen Parkhaus oder Innenstadtparkplätze mal ganz abgesehen.
Kann man auch anders sehen. Wenn man z.B. auf dem Land wohnt und viel Garten und eventuell Vieher hat, dann will ich das Ladegut aus Dreck- und Geruchsgründen gar nicht im Innenraum haben. Der Anhänger ist natürlich eine Alternative, der steht aber bei nicht Benutzung auch nur im Weg rum. So ein Pick-Up ist einfach sehr flexibel und bietet deutlich mehr Sinnvollen Nutzwert wie ein SUV und man auch mal damit in Urlaub fahren, Fahrräder und Surfausrüstung hinten drauf und Gepäck in der Doppelkabine, oder Kinder auf dem Rücksitz und der ganze Schnickschnack unter dem Hardtop. Grüße
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Fahrzeugschein
Hersteller: Nissan
Typ: NP300 Navara
Karosserie: Pick-up
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Siebengang-Automatik
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.298 ccm
Leistung: 190 PS (140 kW)
Drehmoment: 450 Nm
Von 0 auf 100: 10,8 s
Höchstgeschw.: 184 km/h
Verbrauch (ECE): 7,8 Liter
CO2-Ausstoß: 183 g/km
Gewicht: 1.958 kg
Maße: 5330 / 1850 / 1840
Preis: 39.974 EUR


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