Autogramm Nissan Note: Achtung, Baby!

Von Tom Grünweg

Nissan Note: Aufgepasst Fotos
Nissan

Der neue Nissan Note ist kein kompakter Van mehr, sondern soll VW Polo und Ford Fiesta Konkurrenz machen. Schärfste Waffe dabei sind das überragende Platzangebot und das mit Abstand umfassendste Überwachungssystem dieser Klasse. Auch wenn dessen Kontrollfimmel manchmal nervt.

Der erste Eindruck: Ungewohnt. Während der Vorgänger noch den praktischen Micro-Van gab, macht der neue Note auf schmissigen Kleinwagen. Das sieht zwar besser aus, macht ihn aber auch verwechselbar: Honda, Hyundai, Suzuki, Toyota, Mazda? Wer nicht aufs Typenschild guckt, wird es mit der Identifikation schwer haben. Nicht falsch verstehen: Der Wagen sieht nicht schlecht aus - aber es fehlt ihm an Eigenständigkeit.

Das sagt der Hersteller: Alles beim Alten und doch ganz neu - so fasst Geraldine Ingham den Generationswechsel des Note zusammen. "Denn wir haben die inneren Werte des Note, sein Raumangebot und seine Flexibilität gewahrt und das Auto trotzdem völlig neu positioniert", sagt die europäische Produktmanagerin für das Kleinwagenprogramm. "Wir wollen uns mit den Besten messen und auf Augenhöhe mit VW Polo und Ford Fiesta fahren." Das gelte allerdings auch beim Preis, räumt sie ein, verspricht aber mehr Wert durch mehr Ausstattung.

Das ist uns aufgefallen: Ach, wie schade! Von außen gibt es wenig zu meckern, aber innen ist den Japanern offenbar das Geld oder der Mut ausgegangen. Das Armaturenbrett wirkt spießig - und dann auch noch alles in grauem Hartplastik. Das muss doch nicht sein, oder? Die einzigen Lichtblicke sind die kreisrunde Klimazentrale, die an einen alten CD-Walkman erinnert, und das Navigationssystem mit Online-Anschluss.

Während Nissan da noch meilenweit entfernt ist von jenen Autos, mit denen Frau Ingham auf Augenhöhe konkurrieren will, zieht der Note dem VW Polo und Ford Fiesta bei der technischen Ausstattung davon. Denn zum ersten Mal in diesem Segment gibt es jetzt eine Art elektronischen Schutzschild, der das gesamte Auto überwacht. Beim Rangieren sieht man seinen Wagen damit aus der Vogelperspektive. Während der Fahrt kontrolliert die Elektronik die Einhaltung der Fahrspur und leuchtet den toten Winkel aus.

Und beim Rückwärtsfahren hat der Note einen besonders großen Blickwinkel und warnt vor bewegten Objekten wie spielenden Kindern oder Radfahrern, noch bevor sie in den Fahrbereich kommen. Dafür haben die Japaner nicht nur eine spezielle Weitwinkelkamera entwickelt. Sondern damit man sich auf deren Bild auch verlassen kann, wird die Sauberkeit der Linse ständig elektronisch überwacht und das Auge des Autos im Zweifelsfall automatisch mit Wasser und Druckluft gereinigt.

Ach ja, fahren tut der verkappte Raumkreuzer natürlich auch. Und zwar so unauffällig, wie man es von einem Kleinwagen im Familieneinsatz erwartet: Er ist komfortabel gefedert, rollt weich über die gröbsten Schnitzer der Straßenbauer und ist im Stadtverkehr schön handlich und wendig. Dass er nicht gerade zum Kurvenräuber taugt, wird ihm keiner übelnehmen.

Freuen werden sich angehende Besitzer auch über den üppigen Platz auf der Rückbank. Dank seines üppigen Radstands (2,60 Meter) und der um 16 Zentimeter verschiebbaren Rückbank kann man im Fond sogar die Beine übereinanderschlagen. Und weil die Türen nicht nur groß sind, sondern auch einen Öffnungswinkel von fast 90 Grad haben, ist selbst das Einsteigen ein Kinderspiel.

Das ist aber nicht die einzige Überraschung. Die nächste wartet im Kofferraum: Von einem variablen Ladeboden unterteilt, fasst er bis zu 411 Liter - mehr als der fast 20 Zentimeter längere VW Golf. Legt man die Rückbank um, steigt das Volumen auf 2012 Liter und überbietet sogar Autos wie den VW Passat.

Das muss man wissen: Die Produktion im englischen Werk Sunderland läuft seit ein paar Tagen hoch, aber ausgeliefert wird der Note erst im September. Das Basismodell gibt es zum Kampfpreis von 13.990 Euro, ist dann aber vergleichsweise nackt und lässt sich auch nicht gegen Aufpreis mit dem Familiy-Paket für die verschiebbare Rückbank oder dem Safety-Shield ausrüsten. Deshalb ist man schnell bei mindestens 18.000 oder 20.000 Euro, bis man in einem wirklich guten Auto sitzt.

Auch bei den Motoren sollte man nicht sparen. Denn wer einmal den Top-Benziner, einen Dreizylinder-Turbo und 98 PS, bewegt hat, der möchte sich die Saugversion dieses 1,2-Liters mit nur 80 PS gar nicht erst vorstellen. Denn schon den Turbo muss man orgeln lassen: Sein maximales Drehmoment von 147 Nm erreicht er erst bei 4400 Touren und sein Spitzentempo von 181 km/h nicht im fünften, sondern nur im vierten Gang.

Neben den beiden Benzinern gibt es noch einen 1,5-Liter-Diesel mit 90 PS. Weil alle Motoren serienmäßig mit Start-Stopp-Technik ausgerüstet sind und der Note mit gut 1100 Kilo ein Leichtgewicht ist, hält sich der Normverbrauch in engen Grenzen - und liegt beim Diesel bei mageren 3,2 Litern.

Das werden wir nicht vergessen: Wie ernst es Nissan mit der Sicherheit der Note-Fahrer meint und wie nervös das Safety-Shield deshalb ist. Da sind die Japaner vielleicht ein bisschen übers Ziel hinaus geschossen. Denn bei einer ganz normalen Autobahnfahrt im dichten Verkehr fiepen und piepen so oft die Warntöne, dass man das System irgendwann entnervt ausschaltet.

Dass die Ingenieure eigentlich wissen, wie man den Fahrer subtiler erziehen kann, beweisen sie mit ihrem Eco-Display. Die Anzeige für die ideale Gaspedalstellung kann man zwar vergessen. Aber die in Farbe und Intensität variable Beleuchtung der Instrumente ist ebenso einfach wie genial. Sobald man halbwegs sparsam fährt, signalisiert einem der Note unmissverständlich: Jetzt ist alles im grünen Bereich.

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insgesamt 32 Beiträge
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1.
meineidbauer 05.07.2013
Zitat von sysopDer neue Nissan Note ist kein kompakter Van mehr, sondern soll VW Polo und Ford Fiesta Konkurrenz machen. Schärfste Waffe dabei sind das überragende Platzangebot und das mit Abstand umfassendste Überwachungssystem dieser Klasse. Auch wenn dessen Kontrollfimmel manchmal nervt. Nissan Note: Kleinwagen mit Sexappeal - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/nissan-note-kleinwagen-mit-sexappeal-a-909127.html)
Mir gefällt dieser Wagen und zwar aussen wie innen. Ein Attribut wie "spiessig" ist m.E. nicht angebracht und trifft in meinen Augen auch nicht zu. Zur Motorisierung bleibt zu sagen, müsste man in jedem Fall probefahren, rein gefühlsmäßig würde ich in diesem Fall wohl den 1.5 l Diesel bevorzugen. Ich habe die aktuellen Preise für den Golf nicht im Kopf, aber mit ähnlicher Ausstattung wird man dafür wohl rund 10000EUR draufsatteln müssen und bekommt im Gegenzug trotzdem nichts anderes als die übliche Plastikschüssel, so what...
2. Um Gottes willen,
vn1995 05.07.2013
schon wieder ein Auto mit billigem Hartplastik. Aber vielleicht möchte Nissan die Kunden zum Fahren bewegen und nicht dazu bringen, immer das Interieur zu streicheln. Haptikgenuss dank Premiummaterialien.
3. Also
humpensack 05.07.2013
Zitat: Aber die in Farbe und Intensität variable Beleuchtung der Instrumente ist ebenso einfach wie genial. Sobald man halbwegs sparsam fährt, signalisiert einem der Note unmissverständlich: Jetzt ist alles im grünen Bereich. Also das fördert doch nur den Spieltrieb. Ich würde ständig versuchen so schnell wie möglich ein möglichst buntes Display zu bekommen. Das ist der gleiche Mist, wie in diesem Honda Hybrid mit der Blume / Pflanze. Das Teil wär dauernd verwelkt.
4. Aussen...
oberle- 05.07.2013
wie Innen ein grauenvoller Anblick.
5. Gute Fahrzeuge...
Freewolfgang 05.07.2013
... baut Nissan seit vielen Jahren. Mit meinem 20 (!) Jahre alten Nissan Micra hatte ich einen Verbrauch von 5,5 Litern, zugegebenermaßen in einem sehr spartanischen Fahrzeug. Mein immerhin 13 Jahre alter Nissan Primera befördert mich immer noch mit einem Durchschnittsverbrauch von knapp sieben Litern, bei deutlich mehr Ausstattung und demzufolge auch weit höherem Gewicht.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Nissan
Typ: Note 1.2 DIG-S
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Dreizylinder-Turbobenziner
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.198 ccm
Leistung: 98 PS (72 kW)
Drehmoment: 147 Nm
Von 0 auf 100: 11,7 s
Höchstgeschw.: 181 km/h
Verbrauch (ECE): 3,7 Liter
CO2-Ausstoß: 99 g/km
Kofferraum: 411 Liter
umgebaut: 2.012 Liter
Gewicht: 1.118 kg
Maße: 4100/1695/1530
Preis: 17.290 EUR
Nissan Juke Nismo


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