Von Tom Grünweg
Golf ist nicht nur eine elitäre, sondern bisweilen auch ziemlich langweilige Angelegenheit. Das gilt im Sport - und auch in der Autowelt. Denn ohne Zweifel gibt es in der Kompaktklasse billigere und aufregendere Modelle als den Bestseller aus Wolfsburg. Nissan probierte es daher vor drei Jahren mit einem ungewöhnlichen Mischkonzept aus Kombi, Limousine und Geländewagen - mit Erfolg, wie sich inzwischen gezeigt hat. Vom Qashqai, einem sogenannten Crossover, wurden seitdem mehr als 500.000 Exemplare verkauft.
Inzwischen ist das Auto nicht mehr taufrisch - deshalb wurde der Qashqai jetzt überarbeitet. Wie stets bei solchen Gelegenheiten gibt es vor allem neue Details, die keine oder nur geringe Veränderung der teuren Blechteile erfordern. Also zum Beispiel veränderte Scheinwerfer und Rückleuchten oder einen renovierten Kühlergrill. Nissan spendiert dem Qashqai immerhin sogar neue Kotflügel und eine anders gestaltete Motorhaube. Dazu kommen ein überarbeitetes Kombi-Instrument mit größerem Bordcomputer-Bildschirm sowie zusätzliche Ablagen in der Mittelkonsole.
Auch in der Preisliste sind Veränderungen bemerkbar. "Wir wollen den Marktanteil von Nissan im Kompaktwagen-Segment in diesem Jahr von derzeit 2,0 auf 2,5 Prozent steigern und haben deshalb die Preise etwas gesenkt", sagt Produktmanagerin Annika Löwe. Das billigste Modell kostet jetzt 19.490 Euro, die günstigste Variante des Siebensitzers wird ab 20.990 Euro verkauft.
Die neue Sparvariante des Qashqai überzeugt nicht ganz
Auch der Verbrauch wurde gesenkt. Aushängeschild ist eine neue Öko-Version des Qashqai, die mit Leichtlaufreifen, einem länger übersetzten Getriebe, einer geringfügigen Gewichtsersparnis (minus zehn Kilogramm) und einer besser verkleideten Frontpartie aufwartet. Im Motorraum des Wagens steckt ein 1,5-Liter-Dieselmotor mit 106 PS, dessen Verbrauch um 0,3 auf nun 4,9 Liter je 100 Kilometer gedrosselt wurde. Nicht so schlecht, aber für den Wettstreit mit Konkurrenzmodellen wie dem Ford Focus Econetic oder dem VW Golf Blue Motion nicht gut genug: Beide Typen verbrauchen glatt einen Liter weniger.
Zudem fordert zumindest die Spritspar-Variante des Qashqai einen toleranten Fahrer. Während man mit den beiden Benziner-Modellen (114 oder 141 PS) oder dem starken Dieselmotor (150 PS) relativ gelassen durch die Gegend gondelt und sich an der hohen Sitzposition sowie dem gutmütigen Fahrwerk erfreut, nervt das Sparmodell mit deutlichem Motorknurren und einer gewissen Trägheit. Für den Sprint auf Tempo 100 benötigt der Wagen 12,2 Sekunden, das Spitzentempo liegt bei 175 km/h.
Eine Nummer kleiner: der Nissan Juke
Insgesamt hat sich der Versuch mit dem Crossover-Kompaktwagen für Nissan ausgezahlt. Das zeigt sich auch daran, dass die Marke den Erfolg des Qashqai nun en miniature zu wiederholen versucht. Das neue, kleinere Modell heißt Juke, wurde vor wenigen Wochen auf dem Autosalon in Genf vorgestellt und soll im September auf den Markt kommen. Der Wagen konkurriert Nissan zufolge mit Lifestyle-Modellen wie dem Fiat 500 oder dem Mini.
In allen Größenklassen scheint das Konzept jedoch nicht zu funktionieren. Auch dafür gibt es bei Nissan ein Beispiel, nämlich das große Crossover-Modell namens Murano. Weil dieses Auto mit etablierten Wettbewerbern wie dem VW Touareg oder der Mercedes M-Klasse um die Gunst der Kunden rangelt, sind die Verkaufszahlen hierzulande vergleichsweise bescheiden. Während der Qashqai im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als 23.000 Neuzulassungen verzeichnete, waren es beim Murano nicht einmal ein 500.
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