Von Jürgen Pander
Greenwashing nennt man es neuerdings, wenn sich Unternehmen durch fragwürdige Aktionen oder Behauptungen den Anschein von ökologischem Verantwortungsbewusstsein zu geben versuchen. Das kommt auch in der Autoindustrie vor, denn ein grüner Anstrich ist derzeit gut fürs Image und gut fürs Geschäft. Bei der Kundschaft erzeugt es vor allem Verwirrung: Ob die Labels nun Blue Efficiency, Econetic, Blue Motion oder Efficient Dynamics heißen - auch dank geschicktem Marketing ist der Eindruck der Sparsamkeit meistens größer als der tatsächlich messbare Effekt.
Opel mischt in diesem Spiel natürlich auch mit. Insgesamt 33 Modelle, so verkündeten die Rüsselsheimer unlängst, seien inzwischen mit dem Namenszusatz Ecoflex verfügbar. Man muss dazu wissen, dass bei Opel stets jene Variante einer Baureihe oder Motorisierung unter dem Label Ecoflex angeboten wird, die am wenigsten CO2 emittiert. Mit der technischen Ausstattung der Autos hat das also lediglich mittelbar zu tun. Im Sortiment des neuen Kompaktwagens Astra etwa gibt es drei Ecoflex-Versionen, einen Diesel und zwei Benziner. SPIEGEL ONLINE war mit dem stärksten Typ des Trios jetzt unterwegs: dem Astra 1.4 Ecoflex mit 100 PS.
Unter der Haube des Autos steckt ein 1,4-Liter-Vierzylinder-Ottomotor, dessen innere Reibung die Ingenieure durch neue Werkstoffe und eine spezielle Oberflächenbearbeitung senken konnten. Und damit ist die mechanische Seite des Spritsparens auch schon erschöpft. Das Fünfgang-Schaltgetriebe etwa verfügt gerade nicht über einen sechsten, lang übersetzten Spar-Gang; es gibt keine Gangwechsel-Anzeige, keine Start-Stopp-Automatik und auch keine Bremsenergie-Rückgewinnung. Dafür ist die Karosserie des Astra Ecoflex aerodynamisch optimiert und er steht auf rollwiderstandsarmen Reifen.
Offiziell erreicht das Auto durch diese sparsamen Sparmaßnahmen einen Durchschnittsverbrauch von 5,5 Liter je 100 Kilometer, der CO2-Ausstoß liegt damit bei respektablen 129 Gramm je Kilometer. Allerdings kamen wir diesem Wert nach Fahrten im Stadtverkehr und über ruhige Landstraßen nur bedingt nahe. Der von uns ermittelte Durchschnittsverbrauch lag bei 7,7 Liter, was vermutlich dem Gros in dieser Fahrzeugklasse entspricht, was aber keineswegs besonders sparsam ist.
Wäre der Praxiswert besser ausgefallen, wenn Opel den Astra Ecoflex mit allerlei Spartechnik aufrüsten würde? Das ist fraglich, denn der vergleichbare VW Golf Blue Motion Technology mit 1,2-Liter-Benziner, 105 PS, Sechsganggetriebe und den weiter oben schon aufgezählten Effizienz-Komponenten verbraucht nach Werksangaben 5,2 Liter Sprit im Schnitt. Ein hoher Aufwand also, mit dem Resultat, auf dem Prüfstand 0,3 Liter einzusparen. In der Praxis ist ein solcher Vorsprung schnell dahin, da reichen schon ein paar hurtige Ampelstarts. Im übrigen schlagen sich derartige Bauteile auch im Preis nieder. Den Opel Astra 1.4 Ecoflex gibt es ab 16.900 Euro, der VW Golf 1.2 TSI Blue Motion Technology kostet mindestens 19.075 Euro.
Gute Platzverhältnisse und ein praktisches Kofferraumaccessoire
Ein Auto allerdings bedeutet mehr als Euro- oder Sprittröpfchen-Zählerei. Der Opel Astra beispielsweise sieht stattlich und schwungvoll aus. Von der Frontpartie bis zum gelungenen Heck hat der Wagen gegenüber dem Vorgängermodell optisch deutlich gewonnen. Übrigens auch ganz real, denn der Astra misst jetzt 4,42 Meter in der Länge und überragt damit zum Beispiel den Hauptkonkurrenten VW Golf um 23 Zentimeter. Im Innenraum macht sich das jedoch nicht so eindrucksvoll bemerkbar, wie es sich liest. Im Astra herrschen - auch im Fond - ordentliche Platzverhältnisse, außergewöhnlich ist die Bewegungsfreiheit jedoch nicht.
Der Kofferraum fasst zwischen 370 und 1235 Liter (VW Golf: 350 - 1305 Liter) und ist dank eines variablen Ladebodens bestens nutzbar, gerade auch für kleineres Gepäck; denn wenn nicht das komplette Volumen gebraucht wird, kann die Ladefläche so arretiert werden, dass es keine Ladekante mehr gibt.
Die Armaturentafel ist das Glanzstück des Astra-Designs
Besondere Mühe, das erkennt man auf den ersten Blick, gaben sich die Opel-Designer mit der Gestaltung der Armaturentafel. Die ist so elegant und präzise modelliert wie noch bei keinem Astra zuvor. Vor allem auch die gestalterisch schwierige Ecke, wo das Armaturenbrett in die Türverkleidung übergeht, ist so fein ausgearbeitet wie bei kaum einem anderen Auto. Kritik trifft allenfalls das ziemlich überladen und damit unübersichtlich wirkende Tastenfeld oberhalb des Schaltknaufes. Und auch das Sensorfeld auf der Windschutzscheibe hinter dem Innenspiegel ist ungewöhnlich groß geraten.
Der Opel Astra 1,4 Ecoflex ist ein feiner Begleiter für alle, die es selten eilig haben und die willens sind, vor allem durch den eigenen Fahrstil Kraftstoff zu sparen. Denn der Motor in Kombination mit dem Getriebe und einem Leergewicht von knapp 1,4 Tonnen ist gerade kein Ausbund an Temperament. Hat man sich daran gewöhnt, macht das Auto durchaus Spaß. Vielleicht sogar beim Tanken.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Auto | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Tests | RSS |
| alles zum Thema Fahrberichte | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH