Opel Astra Sports Tourer: Die bessere Hälfte

Von Tom Grünweg

Die Kombi-Version des Opel Astra ist der Praktiker dieser Wagenklasse. Kein anderes Kompaktauto aus Deutschland bietet so viel Stauraum wie der Sports Tourer. Damit tritt er nicht gegen VW Golf und Ford Focus an, sondern auch gegen den Opel Insignia.

Opel Astra Sports Tourer: Grande Finale Fotos

Es war ein deutlicher Bruch mit der Vergangenheit. Nicht mehr Caravan sollten die Kombimodelle bei Opel heißen, weil das irgendwie nach verstaubter Romantik zwischen Campingplatz und Ikea-Warenausgabe klang. Stattdessen wählten die Hessen für die Modelle mit der großen Klappe den Begriff Sports Tourer, offenbar um den Autos einen modernen, dynamischen Anstrich zu geben. Vor zwei Jahren fing das beim Modell Insignia an, seit einigen Monaten ist nun auch der Astra Sports Tourer am Start. Glücklicherweise ändert der neue Name nichts an den alten Tugenden: Der Astra-Kombi war und ist der Praktiker in der Kompaktklasse, denn er bietet mehr Stauraum als seine direkten Konkurrenten.

Wer mindestens 18.000 Euro investiert, und damit ziemlich genau 1000 Euro mehr als für den vergleichbaren Fünftürer, bekommt auf jeden Fall den besseren Astra. Gegenüber der Schrägheckvariante wurde das Kombimodell um 28 Zentimeter auf 4,70 Meter gestreckt und bietet schon mit einer Rückbank in Normalstellung 500 Liter Platz für Gepäck. Das sind 130 Liter mehr als beim Fünftürer und auch mehr als beim Ford Focus Kombi (490 Liter). Der VW Golf Variant allerdings ist mit 505 Liter minimal voraus.

Erstmals in dieser Klasse genügt nun ein einziger Fingerzug am Hebel im Kofferraum, dann fallen beide Rücksitzlehnen links und rechts nach vorne. Wurden vorher die Fondsitzflächen aufgestellt, entsteht eine 1,84 Meter lange, topfebene Ladefläche - quasi ein Paradies für Großeinkäufer: Wer sich weit genug ins Auto beugt, kann jetzt bis zu 1550 Liter Ladegut hineinstapeln. Mit diesem Wert geht der Astra dann auch gegenüber dem VW Golf Variant in Führung, der maximal 1495 Liter Gepäck schluckt; beim Ford Focus sind es bis zu 1516 Liter. Selbst dem großen Markenbruder Insignia ist der Astra damit um ein paar Liter voraus: Denn der Laderaum des Mittelklasse-Kombis fasst bestenfalls 1530 Liter.

Viel Platz für Zuladung und auch ein paar praktische Details

Dabei schöpfen die Rüsselsheimer noch nicht einmal alle Möglichkeiten aus. Denn obwohl der Astra 18 Zentimeter länger ist als sein Vorgänger, ist der Laderaum bei fünfsitziger Konfiguration um 40 und als Zweisitzer sogar um 90 Liter kleiner geworden. Nicht nur auf der zumindest für Erwachsene eher knapp bemessenen Rückbank, sondern erst recht beim Blick in den Kofferraum fragt man sich deshalb: Wo mag dieser Raumgewinn nur hin sein? Oder anders gefragt: Wie groß hätte das Ladevolumen sein können, hätte man den Längenzuwachs konsequent in Stauraum umgemünzt?

Trotzdem ist der Sports Tourer ein guter Kombi, dessen Qualitäten man insbesondere im Alltag zwischen Bioladen und Baumarkt schätzen lernt: So surrt im Astra die Laderaumabdeckung nach einem Fingertipp nach oben oder nach vorn in die herausnehmbare Kassette, für die es unter dem Ladeboden ein passendes Staufach gibt. An den Seitenwänden halten Haken die Einkaufstaschen im Lot, im Souterrain gibt es ein gut 70 Liter großes Staufach für alles, was man unterwegs nur selten braucht. Und für die Passagiere haben die Entwickler ein gutes Dutzend Ablagen mit zusammen 25 Litern Fassungsvermögen vorgesehen.

Eigentlich fährt dieser Astra längst in der Mittelklasse

Wie beim Ladevolumen, drängt der Astra Sports Tourer auch bei Fahrverhalten und Ausstattung aus der Kompakt- in die Mittelklasse. Der Wagen rollt gediegen und solide ab, wechselt auf Knopfdruck vom gemütlichen Gleiter zum strammen Sportler und beweist auf der Autobahn die Langstreckenqualitäten eines Vertreter-Kombis. Ein Beitrag dazu sind die bequemen Sitze mit Ergonomie-Siegel, ein anderer die zahlreichen Komfort- und Assistenzsysteme. Opel lässt sich die Extras allerdings ordentlich bezahlen und 5000 Euro Mehrpreis sind schnell zusammen, weil die Basisversion weder über ein Radio noch über eine Klimaanlage verfügt. Richtig teuer wird es, wenn man die Möglichkeiten, die die Aufpreisliste bietet, voll ausnutzt. Dort findet man Besonderheiten wie ein beheiztes Lenkrad, adaptive Xenonscheinwerfer, Verkehrszeichenerkennung oder einen Spurführungsassistenten.

Wer mit dem Kombi nicht nur durch die Stadt rollt, sondern ihn als Dauerläufer auf der Langstrecke nutzt, wählt aus der Palette von neun Motoren (fünf Benziner, vier Diesel) am besten den stärksten Selbstzünder. Das Auto mit dem zwei Liter großen Vierzylinder kostet mindestens 25.565 Euro, geht mit 160 PS an den Start und erreicht sein maximales Drehmoment von 350 Nm schon bei niedriger Drehzahl. Der Motor klingt kultiviert und beschleunigt kraftvoll - egal in welchem der sechs Gänge man gerade fährt. So braucht er für den Spurt auf Tempo 100 lediglich 9,5 Sekunden und schafft bis zu 212 km/h. Der Normverbrauch von 5,1 Litern allerdings ist Theorie und wird in der Praxis leicht um ein, zwei Liter überboten. Immerhin gibt es ab dem Frühjahr endlich auch bei Opel für 300 Euro Aufpreis eine Start-Stopp-Automatik.

Angesichts der Qualitäten des Sports Tourers dürfte der Fünftürer eigentlich nur noch für gusseiserne Kombi-Gegner die bessere Option sein. Ansonsten gibt es für einen vergleichsweise geringen Aufpreis deutlich mehr Auto. Wem das Platzangebot des Kombis allerdings noch nicht reicht, dem sei etwas Geduld empfohlen. Denn bald fährt Opel auf der gleichen Plattform den neuen Zafira mit noch mehr Stauraum vor.

Für diejenigen, die sich den Raumverzicht leisten wollen, folgt dann Ende 2011 auch noch ein Astra-Dreitürer.

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1.
artbond 07.02.2011
ja Opel scheint sich langsam wieder zu berappeln, wenn jetzt auch noch die Zuverlässigkeit und Qualität stimmt, kommt Opel vielleicht wieder zu alten Tugenden zurück. Da sieht man mal was ein paar Jahre Lopez und Manta Manta (nicht das Auto sondern der Ruf) kaputt machen.
2. Astra, der bessere Insignia!
echtzeit 07.02.2011
Der Astra Kombi (und jetzt halt Sportstourer) ist in meinen Augen der bessere Insignia. Als zufriedener Signum-Fahrer weiß ich echt nicht, was sich OPEL beim Insignia - und gerade beim Kombi gedacht hat? Das Fahren ist ja ganz okay, aber der praktische Nutzen im Alltag ist eine Katastrophe für "alte" Caravan-Fahrer. Eine Ladekante, die bei anderen Autos von der Länge her als Motorhaube durchgehen könnte und der wenige Platz im Innenraum ist einfach nur unwürdig. Wie schön war damals der Omega Caravan - Platz satt und zum angemessenen Tarif zu erwerben. Der Astra ST geht zumindest in die richtige Richtung, aber ein neuer großer (aber bitte nicht über 5 m langer) Kombi wäre schon klasse. Der neue Saab 9-5 Kombi wäre ja vielleicht eine Alternative, wenngleich er die 5 Meter-Marke reißt...
3. Liest sich gut - und Brüderle wollte Opel in Kunkurs schicken
Haligalli 07.02.2011
Zitat von sysopDie Kombiversion des Opel Astra ist der Praktiker dieser Wagenklasse. Kein anderes Kompaktauto aus Deutschland bietet so viel Stauraum wie der Sports Tourer. Damit tritt er nicht gegen VW Golf und Ford Focus an, sondern auch gegen den Opel Insignia. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,743627,00.html
haben immer schon gute Autos gebaut - die Opelianer.
4. Andersrum wird ein Schuh draus
Kamillo 07.02.2011
Zitat von artbondja Opel scheint sich langsam wieder zu berappeln, wenn jetzt auch noch die Zuverlässigkeit und Qualität stimmt, kommt Opel vielleicht wieder zu alten Tugenden zurück. Da sieht man mal was ein paar Jahre Lopez und Manta Manta (nicht das Auto sondern der Ruf) kaputt machen.
Andersrum wird ein Schuh draus: Die Qualität und Zuverlässigkeit war schon bei der letzten Generation der größeren Fahrzeuge (Vectra, Signum, Astra, Zafira, Meriva) wieder da, jetzt stimmt auch das Design! Ich hatte leihweise in den letzten Jahren einige Opels der von mir genannten Baureihen, und empfand die eigentlich von der Qualität schon gut, nur das Design gefiel mir nicht, und der 1.6-Liter-Benziner im Zafira war einfach unterdimensioniert. Nur hat mir die Optik nie so gefallen. Aber das ist ja auch bei VW ein Problem, auch beim aktuellen Familiengesicht, welches die Biedermann-Front von VW der 1970er und 1980er gekonnt aufgreift. Auch das vorige VW-Gesicht mit dem verchromten Audi-Zitat gefiel mir nicht. Da hat Opel derzeit was vorraus, auch mit dem knuffigen Agila, dessen Tage allerdings dank des neuen Suzuki-VW-Bündnisses bald gezählt sein dürften.
5. große kleine klappe
Kamillo 07.02.2011
Zitat von echtzeitDer Astra Kombi (und jetzt halt Sportstourer) ist in meinen Augen der bessere Insignia. Als zufriedener Signum-Fahrer weiß ich echt nicht, was sich OPEL beim Insignia - und gerade beim Kombi gedacht hat? Das Fahren ist ja ganz okay, aber der praktische Nutzen im Alltag ist eine Katastrophe für "alte" Caravan-Fahrer. Eine Ladekante, die bei anderen Autos von der Länge her als Motorhaube durchgehen könnte und der wenige Platz im Innenraum ist einfach nur unwürdig. ...
Mir gefällt der Insignia ST wahnsinnig gut, der ist im Gegensatz zu allen anderen Kombis der Klasse (auch darüber hinaus und drunter weg) einfach von allen Seiten hübsch anzusehen, auch innen drin. Sogar immer noch einem Tick besser als der Astra ST - warum hat der eigentlich nicht auch die kecke Chromspange des I-ST am heck bekommen? Eigentlich habe ich mich in den I-ST verknallt, und langsam tauchen auch genügend Jahreswagen auf dem Markt auf, so dass das Auto im Fast-neu-zustand sogar als Diesel mit besserer Ausstattung und wenig Kilometer schon um die 20k-€ zu bekommen ist. Aber diese überdimensionale Heckklappe gibt eben nur eine Öffnung wie beim Corsa frei. Das kanns dann doch irgendwie nicht sein, das ist kein Vergleich zum Vectra-Caravan oder zum Omega-Caravan, der aber ja schon länger nicht mehr gebaut wird, und schon fast zu den Oldtimern zählen darf. Wenn man da die Klappe aufmacht, bekommt man fast schon Angst, da hinein gesogen zu werden.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Opel
Typ: Astra Sports Tourer
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.956 ccm
Leistung: 160 PS (118 kW)
Drehmoment: 350 Nm
Von 0 auf 100: 9,5 s
Höchstgeschw.: 212 km/h
Verbrauch (ECE): 5,1 Liter
CO2-Ausstoß: 172 g/km
Kofferraum: 500 Liter
umgebaut: 1.550 Liter
Versicherung: 15 (HP) / 22 (TK) / 18 (VK)
Preis: 25.565 EUR

Schnellcheck

Opel Astra Sports Tourer

Einsteigen: ...weil das Auto mehr Platz bietet als die Konkurrenz und nahezu Mittelklasse-Dimensionen erreicht.

Aussteigen: ...weil sich Opel alle Extras teuer bezahlen lässt - selbst Radio und Klimaanlage.

Umsteigen: ...aus Ford Focus Turnier, VW Golf Variant und auch Opel Insignia Sports Tourer.

Fotostrecke
Opel im Überblick: Von der Nähmaschine bis zum Insignia


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