Günstige Oldtimer - Opel Calibra Weltmeister im Wegducken

Wenig Geld, aber trotzdem Lust auf einen Oldtimer? Kein Problem - es gibt sie nämlich, die Schnäppchenschlitten. Diesmal: der Opel Calibra, Nachfolger des legendären Mantas.

Opel

Von Haiko Prengel


Günstige Oldtimer
    Sie haben richtig Lust auf einen Oldtimer, trauen sich aber nicht, einen zu kaufen, weil Altautos in vielen Medien nur noch als Wertanlage thematisiert werden? Keine Angst, man muss nicht erfolgreich an der Börse spekuliert haben, um schönes Blech zu fahren.

    Klar, für Opas abgelegte Karren von Mercedes oder BMW sind inzwischen stolze Summen fällig, und für die meisten alten Porsches werden heute Mondpreise gezahlt. Aber zwischen all den teuren Strahlemännern, die in der Regel kaum noch bewegt werden, gibt es sie noch: die Mauerblümchen, die Exoten, die kaum jemand auf dem Schirm hat - und die entsprechend wenig kosten. Und das nicht nur in der Anschaffung, sondern auch im Unterhalt. Autos, bei denen die Ersatzteilversorgung kein Problem ist und für einen Auspuff nicht ein ganzes Monatsgehalt einkalkuliert werden muss.

Wir haben sie zusammengetragen und stellen sie in einer Serie in regelmäßigen Abständen vor.

Opel Calibra - Der zeitlose Klassiker

Opel Calibra
Opel

Opel Calibra

Allgemeines zum Modell: Der Opel Calibra kam 1989 auf den Markt und musste ein schwieriges Erbe antreten. Sein Vorgänger hieß Opel Manta. Der Calibra sollte Opels neues Sportcoupé werden - die neuen Konkurrenten hießen VW Corrado, aber auch Honda CRX oder Toyota Celica. Kenner sind sich allerdings einig, dass Manta und Calibra im Prinzip nichts miteinander gemein hatten, außer dem Blitz auf dem Kühlergrill.

Denn beim Calibra, der auf dem 1988 vorgestellten Vectra A basierte, setzten die Ingenieure auf zeitgemäßen Frontantrieb und quer verbaute Motoren, während es beim Manta Heckantrieb und Längsmotoren waren.

Schon bei seiner Markteinführung brach der Calibra den ersten Rekord: Mit einem Luftwiderstandsbeiwert von sensationellen 0,26 Cw durfte sich das schnittige Coupé "Aerodynamik-Weltmeister" nennen, er duckte sich geschickt weg und bot Wind kaum Angriffsfläche. Dafür mussten Mitfahrer auf der Rückbank etwas zusammenrücken, als 2+2-Sitzer galten die Plätze im Fond nur als Notsitze. Was aber nicht heißt, dass der Wagen nicht alltagstauglich ist. Der Kofferraum ist erstaunlich groß, eine geteilt umklappbare Rücksitzbank war Serie und auf Wunsch wurde der Calibra so zum geräumigen Mini-Kombi. "In dem Auto habe ich schon Waschmaschinen transportiert", sagt Bernd Müller, Calibra-Kenner aus Tyrolsberg in der Oberpfalz.

Bei den Motoren ließ sich Opel von Anfang an nicht lumpen. Schon die Einstiegsmotorisierung, ein Zweiliter-Vierzylinder mit 116 PS, ist für den nur rund 1,3 Tonnen schweren Wagen ausreichend, um flott voranzukommen. Richtig zügig wird es mit dem 2.0 16V (C20XE) und 150 PS, der auch im Opel Kadett GSi 16V verbaut wurde und als einer der besten Vierventiler seiner Zeit gilt. 1992 reichte Opel dann noch den 4x4 Turbo mit 204 PS und 1993 einen V6-Zylinder mit 170 PS nach. Bei der Endgeschwindigkeit kommen V6 und Turbo (die Mehr-PS werden vom Allradantrieb praktisch aufgefressen) beide auf etwa 240 km/h. So schnell war kein Manta, jedenfalls nicht ohne Tuning. Der Calibra V6 kam dann 1993 erstmals auch bei der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft (DTM) zum Einsatz, allerdings erst beim Saisonfinale. 1994 saß Ex-Formel-1-Weltmeister Keke Rosberg am Steuer und landete gleich beim zweiten

Bordcomputer im Opel Calibra
imago

Bordcomputer im Opel Calibra

Rennen am Hockenheimring auf dem Podium.

Kurbelfenster, Stoffsitze, keine Zentralverriegelung, keine Airbags: In der Basisausführung zeigte sich der Calibra für den normalen Straßenbetrieb karg, obwohl der Grundpreis bei 25.000 Mark lag. Gegen Aufpreis ließ sich das Sportcoupé aber mit Ledersitzen, elektrischen Fensterhebern, Klimaanlage und anderen Komfortextras aufbrezeln. Ab 1992 bot Opel dann die ersten Sondereditionen an, auch um die kleineren Motoren zu pushen. Den Anfang machte die Color Selection mit Sonderlackierungen etwa in Solargelb oder Riojarot, gepaart unter anderem mit elektrischen Fensterhebern und elektrischem Schiebedach, Anthrazit-Polsterung und Leichtmetallrädern. Dann folgten diverse weitere Sondereditionen wie "Keke Rosberg", "DTM Edition" oder "Cliff Motorsport Edition". Den Abschluss markierte zum Produktionsende im Frühjahr 1997 die "Last Edition" unter anderem mit Irmscher-Sportfahrwerk, Klimaanlage und Bordcomputer. Damals kostete ein gut ausgestatteter Calibra mit V6 oder Turbo locker 60.000 Mark - für das Geld bekam man auch eine Mercedes S-Klasse.

Warum ausgerechnet der? Strenggenommen ist der Calibra noch kein Oldtimer - die ersten Modelle werden erst im nächsten Jahr 30 Jahre alt und dürfen mit einem H-Kennzeichen geschmückt werden. Ein Klassiker und Hingucker ist er aber zweifellos schon jetzt. "Boah, cooles Auto", solche Kommentare höre er fast jeden Tag an der Tankstelle oder auf dem Supermarktparkplatz, sagt Bernd Müller, der selbst einen schwarzen Calibra V6 DTM-Edition von 1995 fährt.

Das Erfolgsmodell aus Rüsselsheim stammt aus einer Zeit, als es noch eine Glaubensfrage war, ob man Opel oder VW fuhr. Vor 30 Jahren gab es unter eingefleischten Fans teils einen regelrechten Hass gegen die jeweils gegnerische Marke, wie Müller erinnert. Über den Manta wurde viel gelacht, vor allem von VW-Golf-Fahrern. "Aber als der Calibra auf den Markt kam, änderte sich etwa", sagt Müller. "Da haben die VW-Leute gesagt: Opel ist scheiße. Aber der Calibra ist cool."

Vielleicht liegt es an dem schicken Design, das schon bei der Markteinführung als zeitlos gefeiert wurde. Tatsächlich hat man beim Calibra auch heute nicht das Gefühl, in einem alten Auto unterwegs zu sein. Auch wenn vielen Alt-Opel-Fans der Frontantrieb beim Calibra ein Grauen ist: Die Rennerfolge bei der DTM zeigten, dass das Sportcoupé keine Schnecke sein kann. Im Gegenteil: "Das Antriebskonzept ist super", sagt Experte Müller. "Bei steileren Berghängen hab ich schon manchen Hecktriebler abrutschen sehen. Mein Calibra hatte da nie Probleme." Nur Driften, das werde mit dem Calibra schwierig. "Der Arsch will einfach partout nicht 'rum."

Verfügbarkeit: Bei den großen Gebrauchtwagenportalen findet man noch eine Menge Fahrzeuge. Darunter sind allerdings manche Ruinen und Blender. Viele andere Calibra wurden von jugendlichen Draufgängern getuned und verbastelt. Gepflegte Autos im Originalzustand werden von den Besitzern inzwischen nur noch selten hergegeben, mit etwas Geduld kann man aber noch fündig werden. Immerhin wurden fast eine Viertelmillion Exemplare des schnittigen Sportcoupés hergestellt.

Ersatzteilversorgung: Hier zahlt sich aus, dass der Calibra auf dem Vectra A basiert, bis heute sind die Regale gut gefüllt mit Großserientechnik aus den Neunzigerjahren. Das betrifft aber nur die üblichen Verschleißteile. Problematischer wird es bei Calibra-spezifischen Karosserie-Komponenten, hier heißt es bei Opel meist: nicht mehr lieferbar. Auch diverse Innenraumteile, Zierleisten oder die Verkleidungen an A-, B- und C-Säule sind neu nicht mehr zu bekommen. Dafür gibt es Hilfe in Foren und Clubs, die Calibra-Fanszene ist engagiert und rührig.

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Opel im Überblick: Von der Nähmaschine bis zum Insignia

Ersatzteilpreise (beispielhaft):

  • Satz Bremsscheiben vorne: ca. 120 Euro
  • Zahnriemenwechsel: Teile 85 Euro, Einbau je nach Motor zwischen 150 und 350 Euro
  • Lichtmaschine: von Bosch ca. 125 Euro
  • Kotflügel: gebraucht ca. 40 Euro

Schwachstellen: Wie bei jedem älteren Opel stellt Rost auch beim Calibra das größte Problem da. Besonders gerne blühen die Schweller unter den Türen. Die hinteren Radläufe gammeln ebenfalls häufig, auch A-Säule und Motorhaube können betroffen sein. Korrosion am Heckabschlussblech kann man erkennen, wenn man den Kofferraum inspiziert oder unter die hintere Stoßstange lugt. Ganz schlecht ist es, wenn die Längsträger an den Federaufnahmen der Hinterachse wegbröseln. Die Instandsetzung ist sehr aufwendig und teuer. Autos, die ansonsten top waren, sind wegen Korrosion an dieser Stelle schon in die Schrottpresse gewandert. Elektronik und Technik gelten indes als robust. Praktisch alle Motoren sind bei normaler Pflege und intervallgerechtem Zahnriemenwechsel für mehrere Hunderttausend Kilometer gut.

Preis: Ab etwa 1.200 Euro gibt es fahrbereite Opel Calibra, meist noch mit einigen Monaten TÜV. Diese Autos sollte man sich aber genau ansehen - beträchtlicher Reparatur- und Wartungsstau ist nicht unwahrscheinlich. Autos mit nachvollziehbarer Historie und Reparaturbelegen sind ehrlicher, kosten aber auch mehr Geld. Sondermodelle wie "Keke Rosberg" oder "Cliff" kosten wegen der guten Ausstattung pauschal etwa 1.000 Euro mehr. Sehr gepflegte Autos, vor allem die V6 und Turbo in Kombination mit einer Sonderedition, können auch mal über 10.000 Euro liegen.

Anlaufstellen im Internet:

Community des Opel Calibras Original Ersatzteile und Zubehör

Opel-Ersatzteile eBay-shop für Calibra-Ersatzteile

Weitere, fast schon frech günstige Fuhren finden Sie in den vorangegangenen Folgen der Serie:

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Günstige Oldtimer: Bock auf Blech? Bitte hier lang


insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
new#head 12.08.2018
1.
Oldtimer zu besitzen heisst ja auch, alte schöne Technik oder nesondere Technik zu bewahren. Natürlich können auch Designsünden oder designneutrale Autos gesammelt werden. Aber wer will das?
Grummelchen321 12.08.2018
2. Dem
Astra und Calibra kann man beim rosten zusehen.Warum sollte ich ein Auo kaufen bei dem ich keine Karosserieteile bekomme.Die hinteren Radläufe sind gerne Opfer der braunen Pest.Richtig böse wird es wenn die Federaufnahmen hintern durch sind.sehr aufwendig zu reparieren.Ohne Ihn auf eine Bühne zu stellen und genau die Karosserie zu prüfen würde ich den nur geschenkt nehmen.
dreinsiedler 12.08.2018
3. Zeitlos.
Ich bin kein eingefleischter Opel Fan aber den fand ich immer richtig gut. Das Design sieht heute noch so frisch aus, das er heute noch vom Band laufen könnte.
stupp 12.08.2018
4. Design heute
Das waren noch Zeiten: Ein unaufgeregtes Design, dass einfach aus einer schönen Form und gelungenen Proportionen besteht und dem bewährten Leitspruch folgte: Form follows function. Dagegen heute: schrilles und überemotionalisiertes und gleichzeitig beliebiges Gaga-Design, das auf völlig unmotivierten Sicken und Falten und LED-Lichtshows basiert. Die geschmackliche Halbwertszeit des Automobildesigns ist beim Modedesign angekommen: geschätzt 1 Jahr, dann mag man‘s nicht mehr sehen bzw. der nächste Trend klopft schon an der Tür. Passend dazu der Drei-Jahres-Leasingvertrag, Ex und Hop. Zeit für eine Rückbesinnung.
keksguru 12.08.2018
5. 4x4 2 Liter Turbo mit 264 PS
ich hab mal selbst einen Calibra gefahren... der ultimative Kick war der getunte Turbomotor. 264 PS, und eine vollkommen unglaubliche Endgeschwindigkeit von 292 km/h. Mangels GPS noch mit Fahrradtacho gemessen... der ließ sich in den 90er mit keinem serienmäßigen Porsche überholen, es sei den mit dem 959. Und das Schöne dieser Zeit war, es gab ja tatsächlich noch viele Autobahnstücke, wo man den mal so richtig ausfahren konnte weil schlichtweg weniger Autos und viel weniger LKWs unterwegs waren. Wenn ich acuh sagen muß der Motor war ein wenig anfällig für Wasserdruckdefekte, denn für das Tuning mußten verstärkte Wasserschläuche und ein Ölkühler verbaut werden und selbst damit kam das in den unteren Gängen immer mal vor, daß das Kühlwasser 130° oder wärmer wurde. Dabei platzte auch gerne mal einer der Kühlwasserschläuche.
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