Von Jürgen Pander
Sexy sieht er ja nicht aus. Ein Kleinwagen eben. Schwarz lackiert, vier Türen plus Heckklappe und in diesem Fall mit spritsparender Technik an Bord. Opel Corsa 1,3 CDTi Ecoflex heißt das Auto mit vollem Namen, der die Sache mit dem Sexappeal auch nicht besser macht. Trotzdem ist die Corsa-Baureihe, die seit knapp fünf Jahren auf dem Markt ist, in Deutschland derzeit gefragt wie kaum ein anderes Auto dieser Größenordnung.
Das liegt offenbar an Lena. Die 19-järhige Sängerin, die im vergangenen Jahr in Oslo den Eurovision Song Contest (kurz: ESC) gewann und seither als neues deutsches Fräuleinwunder gilt, ist nämlich seit vergangenem Herbst bei Opel unter Vertrag. "Schwiegervater-Schwarm" nannte sie der Werbefachmann Thomas Koch gerade in einem Interview des Online-Medienmagazin "meedia". Über ihre Reklameaktivitäten urteilte Koch geteilt: "Opel und Lena passen überhaupt nicht zusammen", sagte er und fügte an, "Corsa und Opel schon erheblich besser."
Das lässt sich belegen. Laut Neuzulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamts verkaufte Opel in den ersten vier Monaten dieses Jahres - seit Anfang 2011 läuft die Lena-Kampagne für den Corsa - insgesamt 21.120 Modelle des Kleinwagens. Damit liegt die Baureihe hinter dem Dauerbrenner VW Polo (30.374 Neuzulassungen) auf Rang zwei im Segment. Allerdings verlor der Polo im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an Popularität, der Corsa hingegen legte um 11,3 Prozent zu.
Das Auto selbst hingegen wurde nur geringfügig verändert. Bereits im vergangenen Jahr spendierte Opel dem Corsa eine technische Überarbeitung - was nach vier Jahren Laufzeit eines Modells üblich ist in der Branche. Äußerlich blieb der Wagen damals unverändert, "das sei nicht nötig, der Corsa sehe nach wie vor attraktiv aus", hieß es dazu bei Opel. Diese Einschätzung änderte sich jedoch in den folgenden Monaten, denn Anfang dieses Jahres erhielt der Corsa auch einige optische Retuschen. Und: Der Name des Ausstattungsniveaus Edition wurde gestrichen und ersetzt durch Satellite. So heißt auch das Lied, mit dem Lena im vergangenen Jahr den Schlager-Grand-Prix gewann.
Das Spritsparmodell erhält einen kleineren Tank
Man kann das Modell 1,3 CDTi Ecoflex also auch in der Ausstattung Satellite kaufen, für 18.770 Euro. An Bord sind dann unter anderem ein verchromtes Auspuffendrohr, elektrische Fensterheber an den vorderen Türen, Nebelscheinwerfer und eine Zentralverriegelung. Interessanter als diese Garnierungen jedoch, die es ja für jede Motorvariante gibt, sind die technischen Änderungen des Spritsparmodells. An Bord ist zum Beispiel eine Start-Stopp-Automatik, und infolge dessen erhält das Auto auch einen stärkeren Anlasser, eine optimierte Batterie mit neuer Steuerung sowie einen Schalter zum Deaktivieren der Start-Stopp-Funktion. Außerdem fährt die Spritsparvariante mit einer längeren Übersetzung des Fünfgang-Schaltgetriebes, einer um zwei Zentimeter tiefergelegten Karosserie, einer neuen vorderen Spoilerlippe und einem auf 40 Liter geschrumpften Tank (sonst 45 Liter) vor.
Laut Opel verbraucht der Corsa mit 95 PS starkem Dieselmotor 3,5 Liter im Schnitt, das identisch motorisierte Modell ohne die beschriebenen Spartechniken, dafür aber mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe, braucht nach der gültigen Messnorm 4,4 Liter. Und was braucht das Sparmodell in der Realität? Nach gut tausend Kilometern bei sehr gemischten Fahrsituationen ergab sich bei unserem Testwagen ein Durchschnittsverbrauch von glatt 5 Litern. Das ist für einen Kleinwagen akzeptabel, zugleich aber deutlich mehr als der offiziell propagierte Wert.
Man fährt aber ein Auto ja nicht nur, um Sprit zu sparen. Dass Opel im vergangenen Jahr Fahrwerk und Lenkung der Corsa-Baureihe neu justierte, war eine gute Entscheidung. Das Auto fährt sich ruhig und agil, nervt nicht mit angeblich sportlicher Härte und bietet im Stadtverkehr eine ordentliche Rundumsicht. Im Fond sitzt man als Erwachsener so, wie man das von einem 3,99 Meter langen Auto erwartet - durchaus bequem, so lange sich die Fahrt nicht in die Länge zieht. Und im Kofferraum gibt es einen praktischen, verstellbaren Ladeboden.
Wie lange hält der Lena-Effekt noch an?
Obwohl die Bezüge der Sitze und manche Oberflächen seit der Überarbeitung zum Jahresanfang modern und stimmig aussehen, kann der Corsa nicht verleugnen, dass er schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Die zentrale Anzeige auf dem Armaturenbrett etwa wirkt antiquiert, die Aufteilung der Mittelkonsole ließe sich sicher auch verbessern; gut dagegen ist das neue Navigationsgerät mit Touchscreen von Bosch, das allerdings in den meisten Ausstattungsversionen Aufpreis kostet (in der Satellite-Ausstattung sind es 695 Euro).
Der Vertrag des Autobauers mit der Sängerin läuft noch bis Ende 2011, doch wie lange der Opel Corsa noch auf der Lena-Welle reiten kann, ist ungewiss. Es hängt wohl auch mit dem Abschneiden der Sängerin beim diesjährigen Song Contest ab. Womöglich gewinnt die junge Dame aus Hannover ja noch einmal. Dann könnte Opel auch die Ausstattungsniveaus Selection oder Innovation neu benennen. Obwohl - "Taken by a Stranger", der Name des neuen Songs, klingt in einer Pkw-Preisliste irgendwie dämlich.
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