Autogramm Opel Insignia Sports Tourer Dehnübung

Opel hat den neuen Insignia Sports Tourer groß gemacht. Fünf Meter ist der Kombi lang, bietet einen enormen Laderaum - und doch fehlt für ein paar Details der Platz.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Der erste Eindruck: So lang war schon lange kein Opel mehr. Blickt man direkt von der Seite aufs Auto, wirkt die Karosserie überdehnt. Aus allen anderen Perspektiven hingegen sieht der Wagen schlüssig und selbstbewusst aus.

Das sagt der Hersteller: Jürgen Keller leitet bei Opel das Geschäft in Deutschland, was ihn praktisch automatisch zu einem Kombi-Fan macht. Denn: "Bislang entfielen 80 Prozent der Insignia-Verkäufe hierzulande auf den Sports Tourer", sagt Keller bei der Vorstellung des neuen Kombimodells. Von dem Auto erwartet sich Opel abermals reißenden Absatz auf dem Heimatmarkt, zumal der Wagen größer, leichter, sicherer und sehr elegant geworden ist. Offiziell zählt Opel das Fünf-Meter-Auto zur Mittelklasse, doch insgeheim halten die Rüsselsheimer den Wagen für ein Oberklasse-Modell. Deshalb wird es für den Insignia erstmals ein "Exklusiv"-Sortiment aus schicken Anbauteilen und Zierelementen geben sowie die Möglichkeit, den Wagen in jeder beliebigen Wunschfarbe lackieren zu lassen. Keller sagt, diese - selbstredend kostenpflichtige - Exklusivität passe hervorragend zum neuen Opel-Markenclaim "Die Zukunft gehört allen".

Das ist uns aufgefallen: Bei kleineren Autos hatte Opel ja schon immer ein Händchen für fröhlich-flottes Design, mit dem neuen Insignia bietet der Hersteller diese auf beiläufige Art frischen und unverbrauchten Gestaltungsideen auch in der größten Baureihe an. Gut zur Geltung kommt das beim Kombimodell Sports Tourer, das einerseits schlank wirkt, zugleich aber auch so viel Platz bietet, wie schon lange kein Opel mehr.

Jürgen Pander

Das Ladevolumen reicht von 560 bis 1665 Liter, je nach Stellung der hinteren Sitzlehnen. Per Fernentriegelung lassen sich die Elemente der dreigeteilten Rücksitzlehne auch bequem vom Kofferraum aus umklappen. In der höchsten Ausstattungsvariante funktioniert die Heckklappe automatisch, das Öffnen oder Schließen kann durch einen Fußschlenker unters Heck ausgelöst werden. Damit das auf Anhieb klappt, markiert eine kleine Lichtprojektion auf dem Boden unter dem hinteren Stoßfänger die Stelle, an der der Sensor sitzt. Das ist hübsch, aber nur eine Spielerei. Sinnvoller wäre es gewesen, wenn die Opel Entwickler unterhalb des Ladebodens ein Staufach für die Gepäckraumabdeckung und das Gestänge mit dem Trennnetz vorgesehen hätten. Wenn man den ganzen Laderaum nutzen möchte, muss beides ausgeklinkt werden - und es stellt sich die Frage: Wohin damit?

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Opel Insignia Sports Tourer - mit unserem 360-Grad-Foto:

Fahren im Insignia Sports Tourer ist eine feine Sache. Man sitzt in einem wohnlichen Ambiente, das jetzt viel moderner und reduzierter aussieht als bislang bei Opel. Der zentrale Touchscreen (je nach Ausstattungsniveau 7 oder 8 Zoll groß) auf der Armaturentafel allerdings scheint noch aus der Vorgängergeneration zu stammen - jedenfalls bieten andere Hersteller deutlich brillantere und schickere Bildschirme an.

Nichts zu meckern gibt es an der elektronischen Ausstattung. Serienmäßig an Bord ist eine Smartphone-Integration via Android-Auto oder Apple Car-Play; ebenso ab Werk sind eine Frontkamera mit Spurhalteassistent und Kollisionswarner an Bord. Gegen Aufpreis gibt es dann das komplette Programm: Beispielsweise Head-up-Display, LED-Matrix-Scheinwerfer, Massagesitze, 360-Grad-Panoramakamera, adaptiver Tempomat mit automatischer Gefahrenbremsung, Rückfahr-Assistent und die Online-Service-Betreuung Opel On Star.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Opel Insignia Sports Tourer (mit max. Stauraum) - mit unserem 360-Grad-Foto:

Einen neuen Motor schickt Opel im neuen Insignia auch auf die Straße. Den 1,5-Liter-Benzindirekteinspritzer-Turbo gibt es mit 140 oder 165 PS. In unserem Testauto steckte das stärkere Aggregat in Verbindung mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe. Eine harmonische Kombination, die den durchaus dynamisch geformten Sports Tourer allerdings nicht besonders sportlich voran bringt. Mit dem neuen 1,5-Liter-Benziner ist der Kombi eher der Typ bodenständiges Familienauto - und das soll der große Opel ja auch sein.

Das muss man wissen: Bei den Händlern werden die neuen Insignia-Modelle, also die Limousine Grand Sport und der neue Kombi Sports Tourer, ab 24. Juni stehen. Der Basispreis für den Sports Tourer liegt bei 26.690 Euro und ist damit um exakt 1100 Euro teurer als die jeweils vergleichbare Limousine. Dafür gibt es ein um rund zehn Zentimeter längeres Auto - und eben den Extra-Laderaum mit Heckklappe. Als Motorisierungen stehen je drei Benziner und Diesel zur Wahl, das Leistungsspektrum reicht von 110 bis 260 PS. Abhängig von der Maschine darf der Insignia Sports Tourer rund 600 Kilogramm zuladen, die mögliche Anhängelast reicht bis 2,2 Tonnen.

Für die einzelnen Motoren stehen ein Sechsgang-Getriebe, eine Sechsgang-Automatik und eine neue Achtgang-Automatik zur Verfügung. Außerdem gibt es für den 170-PS-Diesel und den 260-PS-Benziner wahlweise Allradantrieb. Das System arbeitet an der Hinterachse mit einem sogenannten Twinster-Modul, das aus zwei getrennten Lamellenkupplungen besteht, die das Drehmoment je nach Fahrsituation portionieren. Die Folge: In schnellen Kurven unterstützt der Allradantrieb die Spurstabilität und macht das Auto agiler.

Das werden wir nicht vergessen: Man sitzt ziemlich sportlich in diesem Auto, das Opel als "Drivers Car" anpreist. Im Vergleich zum Vorgänger wurde nämlich die Sitzposition um drei Zentimeter abgesenkt, und die vergleichsweise wuchtige Mittelkonsole verstärkt das Gefühl, vom Auto geradezu umschlossen zu sein. In einem Kombi, der doch eigentlich geräumig, luftig und weitläufig konzipiert ist, fühlt sich das zumindest eigenartig an.

Fahrzeugschein
Hersteller: Opel
Typ: Insignia Sports Tourer (2017)
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.490 ccm
Leistung: 165 PS (121 kW)
Drehmoment: 250 Nm
Von 0 auf 100: 9,2 s
Höchstgeschw.: 218 km/h
Verbrauch (ECE): 6,1 Liter
CO2-Ausstoß: 139 g/km
Kofferraum: 560 Liter
umgebaut: 1.665 Liter
Gewicht: 1.440 kg
Maße: 4986 / 1863 / 1500
Preis: 30.695 EUR
Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


insgesamt 97 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
salomohn 07.08.2017
1. Kein Hybrid???
Insignia gab es doch schon als Hybrid. Was soll man denn noch mit einem Diesel???
armi-nator 07.08.2017
2. Oje, Design
Dabei war das Opel-Design auf so einem guten Weg mit Adam, Cascada et.al. Nun aber leider wieder ein tiefer, verwirrter Griff in die Schublade mit dem Beliebigkeitsdesign. Hier eine Sicke, dort eine Schräge, da ein Winkel, dort eine unvermittelte Abrundung -- und das Ganze dann mehrfach bunt durcheinandergeworfen und an allen möglichen und unmöglichen Stellen verteilt. Ein Jammer.
Mephisto Müller 07.08.2017
3. Fahren....
Zitat von salomohnInsignia gab es doch schon als Hybrid. Was soll man denn noch mit einem Diesel???
..und zwar kostengünstig, sauber und Drehmomentstark .. Was wollen Sie mit einem Hybrid ? Teuer und schlechte Ökobilanz ..
HansFröhlich 07.08.2017
4.
Hatte den die DUH schon in der Reißen, oder warum so ein schnelles Vorurteil?
Alfons Emsig 07.08.2017
5. Schönes Auto
Das eigentlich Interessante am Artikel ist aber, dass die Benziner-Variante getestet wurde und im ganzen Artikel das Wort "Diesel" nur zweimal vorkommt - noch vor wenigen Monaten undenkbar für einen der klassischen Passat-Rivalen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.