Fahrbericht Opel Karl LPG Das Leben kann so einfach sein

Ein Auto mit dem Namen Karl, da denkt man automatisch an eine Hipster-Göre. Doch genau das ist der Opel Karl nicht. Der Wagen zeigt im Gegenteil, wie viele Autos schon in Richtung Dekadenz abgebogen sind.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Neu oder gebraucht? Das ist eine zentrale Frage beim Autokauf, und natürlich ist es vor allem eine Frage des Geldes. Es sei denn, man interessiert sich beispielsweise für einen Opel Karl. Der kostet in der billigsten Variante 9500 Euro. Klickt man sich durch eine Gebrauchtwagenbörse im Internet, findet man für diese Summe unter anderem einen seriösen BMW 530d mit 220.000 km Laufleistung, einen geräumigen VW T5 Multivan mit 226.000 km oder einen sportlichen Audi TT Roadster mit 170.000 km.

Was Ausstrahlung und Prestige angeht, kann ein Opel Karl gegen die genannten Kandidaten nicht anstinken. Aber dafür ist er für die gleiche Summe fabrikneu: ohne Macken, Kratzer, ausgebleichte Polster, womöglich müffelndem Innenraum, dafür mit moderner Sicherheitsausstattung, der Option auf Assistenzsysteme, WLAN-Hotspot und Smartphone-Integration sowie zwei Jahren Garantie. Und was für manche Autosuchenden wohl noch wichtiger ist: Der Opel Karl ist ein prima Kleinwagen für die Stadt; wendig, geräumig, leicht zu parken und ziemlich sparsam.

Trotzdem gilt: Wer sich für den Karl erwärmen möchte, braucht unbedingt ein stocknüchternes Verhältnis zu Autos. Das erkennt man schon daran, dass Opel parallel zum Karl den ungefähr gleich großen Adam im Angebot hat, der peppig aufgemacht ist, als "Lifestyle-Flitzer" angepriesen und ab 11.950 Euro verkauft wird. Von diesem Modell setzte Opel im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als doppelt so viele Exemplare wie vom Karl ab.

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Aber nehmen wir mal an, auf den It-Faktor und anderes Lifestyle-Gedöns kommt es nicht an, dann könnte der Karl der passende Typ sein. Fünf Sitzplätze, fünf Türen und ein alternativloser Antrieb: Dreizylinder-Benziner mit 75 PS - mehr gibt es nicht. Halt, das stimmt nicht ganz: Man kann den Karl auch in einer Variante kaufen, die sowohl Benzin als auch Flüssiggas verträgt. Dieser Karl LPG (Liquefied Petroleum Gas) kostet zwar 2000 Euro Aufpreis, lässt sich dafür aber billiger und umweltschonender bewegen.

Flüssiggas: billiger und sauberer

Warum? Weil ein Liter Flüssiggas derzeit in Deutschland im Schnitt knapp 57 Cent kostet und damit weniger als halb so viel als ein Liter Supersprit. Allerdings ist der Energiegehalt von Flüssiggas geringer als der von Benzin, weshalb der Verbrauch im LPG-Betrieb um 15 bis 20 Prozent steigt. Flüssiggas wiederum verbrennt sehr viel sauberer als Benzin. Die Stickoxide im Abgas sinken um 80 Prozent, der CO2-Ausstoß vermindert sich ebenfalls deutlich. Für den Opel Karl beispielsweise liegt der durchschnittliche CO2-Ausstoß im Benzinbetrieb bei 102 Gramm je Kilometer, im Flüssiggasbetrieb bei 89 Gramm je Kilometer.

Unser Testwagen war so ein Treibstoff-Zwitter, und der Umgang mit dem Auto gestaltete sich problemlos. Auch deshalb, weil es in Deutschland mehr als 7000 Flüssiggas-Zapfsäulen gibt (nicht zu verwechseln mit Erdgas, CNG, für das aktuell rund 900 Zapfanlagen existieren), europaweit sogar 38.000. Sind beide Tanks des Opel Karl LPG befüllt, kann man per Knopfdruck auswählen, ob man den Motor mit Benzin oder Flüssiggas betreiben möchte. Die Tankuhr und die Reichweiten- und Verbrauchsanzeige melden jeweils den Wert für die ausgewählte Kraftstoffsorte.

Beim Fahren merkt man keinen Unterschied, ob man im durchaus quirligen Dreizylinder-Motor gerade Flüssiggas oder Benzin verfeuert. Der Opel Karl flutscht fröhlich mit im Stadtverkehr, die knappen Maße des Autos und die direkte Lenkung helfen dabei. Das Fünfganggetriebe lässt sich sauber schalten, die Sitze sind in Ordnung, der Überblick ist - sieht man vom Blick über die Schulter nach hinten einmal ab - okay.

Fünf Sitzplätze und ein kleiner Laderaum

Man darf von einem Autoknirps in dieser Preisklasse und mit knapp 3,70 Meter Länge keine Wunderdinge erwarten, aber was man dem Opel Karl attestieren muss, ist eine hohes Maß an Alltagstauglichkeit beim Einsatz in Ballungsräumen. Es ist ja gar keine Frage, dass es für Autobahnfahrten oder Landpartien in bergiger Gegend geeignetere Fahrzeuge gibt. Allein schon deshalb, weil es spätestens ab Tempo 120 laut wird im Auto. In der Stadt jedoch bietet der Wagen eine ziemlich ideale Mixtur aus Wendigkeit, Platzangebot und pragmatisch-nützlicher Ausstattung.

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Fahrbericht Opel Karl LPG: Mit ihm kann man Gas geben

Der Kofferraum ist mit 151 Liter Fassungsvermögen zwar klein, dazu ist er schmal und tief, doch immerhin können die geteilten Rücksitzlehnen umgeklappt werden, sodass ein maximales Ladevolumen von 958 Liter möglich ist. Für größere Transporte oder ständiges Hin- und Herfahren von sperrigem Ladegut gibt es andere Autos.

Über die vier Ausstattungsniveaus, die für den Karl angeboten werden, die diversen Ausstattungspakete und die doch recht zahlreichen Extras könnte man sich aufregen, weil das Auto, sobald man hier und da ein Kreuzchen macht, rasch ein paar Tausend Euro mehr kostet - doch das wäre vorschnell. Denn gerade weil das so ist, gibt es ja auch ein rudimentär ausstaffiertes Basismodell, das für 9500 Euro verkauft wird. So wird niemand gezwungen, unerwünschte Extras im Auto haben zu müssen und dafür zu bezahlen.

Lohnt sich die LPG-Variante?

Bleibt die Frage, ob es die LPG-Variante sein sollte, wenn es denn ein Opel Karl sein soll. Antwort: Kommt drauf an. Auf den Benzinpreis nämlich und auf den Flüssiggaspreis. Und auch auf die Jahresfahrleistung. Die Faustregel bei den gegenwärtigen Preisen für Supersprit und LPG für den Opel Karl geht so: Nach rund 50.000 Kilometer hat man den LPG-Mehrpreis von 2000 Euro rausgefahren - sofern man diese Strecke ausschließlich mit Flüssiggas zurücklegt. Klingt unrealistisch? Ist es wohl auch - vor allem deshalb, weil der Bund die Steuerprivilegien für LPG ab 2019 abschaffen will und der Literpreis damit um rund 15 Cent steigt. Ein feiner Stadtautotyp ist der Karl trotzdem.

Fahrzeugschein
Hersteller: Opel
Typ: Karl 1.0 LPG
Karosserie: Kleinwagen
Motor: Dreizylinder-Benziner/Flüssiggas
Getriebe: Fünfgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 999 ccm
Leistung: 75 PS (55 kW)
Drehmoment: 95 Nm
Von 0 auf 100: 14,9 s
Höchstgeschw.: 170 km/h
Verbrauch (ECE): 4,4 Liter
CO2-Ausstoß: 102 g/km
Kofferraum: 151 Liter
umgebaut: 958 Liter
Gewicht: 1.025 kg
Maße: 3675 / 1698 /1476
Preis: 12.950 EUR
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insgesamt 138 Beiträge
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Überfünfzig 10.04.2017
1. Ein total vernünftiger....
......Wagen und so sachlich nüchtern wie es einmal der GOLF 2 war und sicherlich mit dem selben Raumangebot. Ein Traum für jeden SUV-Hasser, der die Masse der Deutschen darin gerne fahren sehen würde, besser noch im ÖPNV. Ja die Welt könnte so nüchtern und freudlos sein. Tun wir es uns an.
herm16 10.04.2017
2. Frage
darf man mit dem Fahrzeug, betrieben mit Flüssiggas in eine Tiefgarage?
cindy2009 10.04.2017
3. geht doch
Da findet man also gar keine richtigen negativen Punkte. Ist doch mal positiv.
ctor 10.04.2017
4. Ehrlich?
Die Lobeshymnen auf den Karl LPG sind schwer nachvollziehbar. Weder ist der Wagen an sich etwas neues - eher im Gegenteil. Er steht in der Tradition von Opel: Bieder, altmodisch und alte Technik. Und LPG? Kennen unsere Nachbarn seit über 3 Jahrzehnten. Fahren alle Taxen in Shanghai seit zwanzig Jahren. Bei Opel nun also eine Neuheit?
bessernachgedacht 10.04.2017
5. Ich erinnere
....mich noch sehr gut an die Sprüche wie 'Opel braucht doch niemand, die können ruhig vom Markt verschwinden' und ähnliches. Doch, man braucht Opel sehr wohl. Denn die abgehobene Preisgestaltung der deutschen Premiumhersteller (und da zählt sich VW auch zu) sind dermassen abgedreht und unrealistisch, dass sich kaum jemand einen Neuwagen leisten kann. Bei Opel geht das durchaus und das mit mittlerweile erstaunlicher Qualität.
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