Opel Meriva: Der Flex-o-mat
Bei vielen Autos steht der Motor im Mittelpunkt des Interesses oder das Design, manchmal das Klappdach oder der Allradantrieb. Beim neuen Opel Meriva jedoch dreht sich alles um die Türen. Denn die zum Fond sind hinten angeschlagen, das gab's bislang nur bei Rolls-Royce.
Mit neuen Automodellen debütieren oft auch neue Begriffe. Diesmal ist es das Kunstwort Flexdoors. So nennt Opel das Türkonzept des neuen Minivans Meriva, das die Besonderheit hat, dass die vorderen Türen konventionell vorne angeschlagen sind, die hinteren jedoch hinten. Salopp gesagt klappen beide Türen wie ein Scheunentor auf, um Zugang zum Innenraum zu gewähren. Das sieht nicht nur ungewöhnlich aus, es macht das Einsteigen in den Fond tatsächlich bequemer und einfacher. Das Aussteigen natürlich auch - und das Hantieren an dort zu befestigenden Kindersitzen oder das anschließende Reinsetzen und Festgurten der Kleinen sowieso.
"Wir wollten Flexibilitätschampion werden", sagt Klaus Nüchter, der Entwicklungschef der Baureihe Meriva. Das wollen viele, doch Opel ist dem Ziel mit dem neuen Meriva durchaus ein Stück näher gekommen. Denn die hinten angeschlagenen Fondtüren sind - wir haben das mehrfach ausprobiert und dabei auch den Selbstversuch in engeren Parklücken gemacht - eine prima Idee und eine echte Erleichterung beim Ein- oder Aussteigen. Sonst gibt es das nur noch beim Rolls-Royce Phantom - und mit Einschränkung beim Mini Clubman sowie dem Mazda RX-8, denn deren hintere Türen sind zwar auch hinten angeschlagen, lassen sich aber nicht separat öffnen, sondern nur, wenn zuerst die vordere Tür aufgeklappt wird.
Beim neuen Meriva gibt es jedoch nach wie vor eine B-Säule, und so kann jede Tür unabhängig geöffnet oder geschlossen werden. Noch in den dreißiger Jahren war dieses Öffnungslogik Standard im Automobilbau, später jedoch gerieten die hinten angeschlagenen Portale als "Selbstmördertüren" in Verruf und wurden abgeschafft. Erst seit 2006 erlaubt die EU-Richtlinie EC 101R, das Fondtüren hinten angeschlagen werden dürfen - die Rolls-Royce-Modelle mit dieser Lösung wurden zuvor mit Sondergenehmigungen zugelassen.
Begeisterte Reaktionen auf die neuartigen Fondtüren
Die erste Generation des Opel Meriva kam 2003 auf den Markt und wurde seither rund 1,2 Millionen mal verkauft. Bereits im Frühjahr 2005 begann die Arbeit am jetzt vorgestellten Nachfolgemodell, und zunächst sah es so aus, als bekäme der Wagen hinten Schiebetüren. Dann jedoch baute die Entwicklungsabteilung einen Prototypen mit hinten angeschlagenen Türen und jedes Wochenende nahm ein anderer Mitarbeiter den Wagen mit nach Hause, um die neue Konfiguration zu testen. "Jeden Montag gab es lobende Worte", erinnert sich Baureihenchef Nüchter, "und so war die Entscheidung für die Portaltüren praktisch gefallen."
Ab 12. Juni kommt der neue Meriva in den Handel. Mit den neuen Flexdoors und dem ebenfalls neuen Flexrail, bei dem es sich um ein Schienensystem anstelle der Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen handelt, auf dem diverse Ablageboxen und eine Armauflage beliebig positioniert werden können. Generell an Bord sind die schon aus der ersten Meriva-Generation bekannte Flexspace-Sitze, die größtmögliche Variabilität im Fond gewähren. Und wer möchte kann für 590 Euro Aufpreis auch den Flexfix-Fahrradträger dazu bestellen, der im Heckstoßfänger sitzt und bei Bedarf wie eine Schublade nach hinten ausgezogen wird.
Die große Freiheit in einem kompakten Auto
Das Auto ist eine Art Flex-o-mat: 32 Staufächer, ein enormer Verstellbereich des Fahrersitzes und die Auswahl aus sechs Farb- und Ausstattungsvarianten. "Das gab es bei Opel noch nie", sagt Designer Kurt Beyer. Der Meriva überzeugt in punkto Variabilität unbedingt. Doch offenbar blieb vor lauter Konzentration auf die Flexibilität der Karosserie und der Einrichtung für ein paar andere Dinge, nicht mehr ganz so viel Aufmerksamkeit übrig.
Auf einer ersten Testfahrt waren wir mit dem Wagen mit dem 1,4-Liter-Turbo-Benziner mit 120 PS unterwegs (17.270 Euro), jener Motorisierung also, für die Opel den größten Zuspruch hierzulande erwartet. Die Maschine hinterließ einen etwas trägen Eindruck. Auch die Lenkung vermittelte ein eher zähes Gefühl und das Fünfgang-Schaltgetriebe kann man sich auch knackiger vorstellen. Klar, der Meriva ist weder Sportwagen noch Mittelklasse-Limousine, doch so genial das Konzept des Autos ist, so durchschnittlich erschien bei unserem Testmodell das Fahrgefühl.
Start mit Benzinmotoren, die Diesel folgen im Herbst
Neben dem von uns gefahrenen 120-PS-Motor gibt es den Meriva auch mit 1,4-Liter-Benzinern, die entweder 100 oder 140 PS leisten. Im Herbst dann wird das Motorenportfolio durch fünf Dieselaggregate ergänzt, die ein Leistungsspektrum von 75 bis 140 PS abdecken. Dann wird das Angebot auch durch ein Sechsgang-Automatikgetriebe für die Version mit 1,7-Liter-Selbstzünder und 100 PS erweitert. Im kommenden Jahr sind eine Autogas-Variante geplant und es wird eine Start-Stopp-Automatik im Meriva Einzug halten.
Gut gelungen ist übrigens auch das Design. Das Auto sieht rundum wohlproportioniert und ausgewogen aus, wurde im Vergleich zum eher sachlich-geradlinigen Vorgängermodell sehr viel flotter und modischer und trägt die inzwischen obligatorischen Opel-Merkmale wie etwa den sichelförmigen Schwung an der Flanke. Besonders schick ist das Heck geworden - und von hinten wird man das Auto in Kürze wohl sehr oft sehen.
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- Dienstag, 20.04.2010 – 15:04 Uhr
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| Hersteller: | Opel |
|---|---|
| Typ: | Meriva (2010) |
| Karosserie: | Van/Kleinbus |
| Motor: | Vierzylinder-Turbobenziner |
| Getriebe: | Fünfgang-Schaltgetriebe |
| Antrieb: | Front |
| Hubraum: | 1.364 ccm |
| Leistung: | 120 PS (88 kW) |
| Drehmoment: | 175 Nm |
| Von 0 auf 100: | 11,5 s |
| Höchstgeschw.: | 188 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 6,1 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 143 g/km |
| Kofferraum: | 400 Liter |
| umgebaut: | 1.500 Liter |
| Preis: | 17.270 EUR |
Opel Meriva
Einsteigen: ...ja, und zwar hinten, weil man diese Bewegung sonst nur bei einem Rolls-Royce machen kann.
Aussteigen: ...wenn man auf ein knackig-erfrischendes Fahrgefühl wert legt.
Umsteigen: ...aus Mercedes B-Klasse, Renault Scénic, Skoda Roomster oder VW Golf Plus.
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