Peugeot 108 Top Da wäre noch eine Kleinigkeit

Fast alle Autos werden größer und größer, nur der Peugeot 108 macht da nicht mit: Der Knirps unter den Viersitzern trumpft in der Stadt groß auf - und überzeugt mit überraschenden Details.

Von Jürgen Pander

PANDER

Unter den viersitzigen Autos gehört der Peugeot 108 zu den Zwergen. Lediglich 3,48 Meter misst der Wagen, zwei Zentimeter weniger als ein Smart Forfour, sechs Zentimeter weniger als ein VW Up und neun Zentimeter weniger als ein Fiat 500. Alle anderen Autos werden immer größer und feister, so ein Winz-Vehikel geht da schnell mal unter. Weswegen der Peugeot 108 mit einigen gewitzten Details auf sich aufmerksam macht.

Ein Beispiel ist die Gestaltung der Ziffern der Außentemperaturanzeige. An denen hängen nämlich winzige, digitale Eiszapfen, sobald die Temperatur auf zwei Grad Celsius oder weniger fällt. Oder die Zeitanzeige: Die ist so programmiert, dass die Grafik auf dem 7-Zoll-Touchscreen aussieht, als sei auf dem Armaturenbrett eine klassische Klappzahlen-Uhr installiert. Und das zentrale Rundinstrument, das zugleich das Cockpit bildet, würde auch einem Motoroller Marke Vespa gut stehen. Schon auf den ersten Blick ist klar: Hier geht es um Stadtverkehr, um unkomplizierte Alltagsmobilität, um einen französisch-verspielten Zugang zum Auto.

Umso mehr gilt das für die von uns gefahrene Variante Peugeot 108 Top. Die heißt so, weil das Auto über ein 80 mal 76 Zentimeter großes Faltschiebedach aus Stoff verfügt, das nahezu die gesamte Dachfläche einnimmt. Die Luke lässt sich per Knopfdruck stufenlos öffnen und schließen und zwar bis zu einer Fahrgeschwindigkeit von 120 km/h. So macht Offenfahren sogar an einem sonnigen Wintertag Laune, sofern man eine Mütze dabeihat.

Wie heißt noch mal die Farbe?

Optisch setzen sich die Top-Modelle von den geschlossenen Typen durch verchromte Türgriffe und Außenspiegelkappen sowie getönte Scheiben im Fond und am Heck ab. Überhaupt das Styling: Peugeot sagt, man habe das Phänomen "Selfie" auf den 108 übertragen. Das klingt hip, ist aber nicht neu. Kunden, die Spaß an der Beschäftigung mit Nebensächlichkeiten haben, können beim 108 beispielsweise zwischen sechs "Designkits" und drei "Innenraum-Farbwelten" wählen. In unserem Testwagen war eine mattweiße Instrumententafel mit einer kupferfarbenen Mittelkonsole kombiniert (Aufpreis 100 Euro). Dazu trug der Wagen die Metallic-Lackierung "Aikinite Beige" für 450 Euro Aufpreis.

Wer der Autoknirps nach seinem persönlichen Geschmack aufpeppt, kann den Basispreis von 8890 Euro vergessen. Mit Stoffverdeck und in der Top-Ausstattung "Allure" kostet der Peugeot 108 mindestens 14.350 Euro; unser Testwagen, in dem außerdem ein schlüsselloses Zugangssystem, ein Lichtsensor und eine Rückfahrkamera verbaut waren, liegt bei 15.590 Euro Neupreis. Allerdings muss man festhalten: Peugeot-Mitarbeiter, die es schaffen, dem Käufer eines derart kurzen Autos mit einem Heck, das abfällt wie ein Wasserfall, eine Rückfahrkamera anzudrehen, sind wirklich Verkaufsgenies.

Der Motor röhrt wie ein brunftiger Hirsch

So vielfältig das Angebot bei Polsterstoffen, Dekorstreifen und Farbkombinationen auch ist, technisch herrscht maximale Standardisierung, zumal der Wagen ja gemeinsam mit den Modellen Citroën C1 und Toyota Aygo in einer Fabrik im tschechischen Kolin produziert wird. Als Motoren stehen ausschließlich Dreizylinder-Benziner zur Wahl, ein 1,2-Liter-Motor mit 82 PS und ein 1-Liter-Aggregat mit 69 PS. Letzteres wohnte auch im Motorraum unseres Testautos, und zwar die Variante mit Start-Stopp-Automatik und Fünfganggetriebe, die zugleich das sparsamste Triebwerk im Angebot ist.

3,8 Liter gibt Peugeot als Durchschnittsverbrauch an, allerdings für das Basismodell, das 915 Kilogramm wiegt und auf 14-Zoll-Rädern rollt. Die uns zur Verfügung gestellte Variante dürfte rund hundert Kilogramm schwerer gewesen sein und war, als Teil des Top-Ausstattungspakets, mit 15-Zoll-Rädern bestückt. Jedenfalls kamen wir auf einen Durchschnittsverbrauch von 5,9 Liter, was keineswegs besonders sparsam ist für ein Auto dieser Klasse.

Dafür ist der Motor auffallend laut. Beim Anfahren kriegt man erst einmal einen Schreck: "Mist, Auspuff kaputt!" schießt es dem 108-Novizen durch den Kopf. Doch schnell wird klar, dass die rustikale Knatterkulisse sowohl dem Dreizylinder, als auch der ultrakompakten Bauweise ohne viel Dämmmaterial geschuldet ist. Der Vorteil des Krawalls: Man ist sofort hellwach, und das kann beim Autofahren nie schaden.

Ein Auto, das sich wohlfühlt im Verkehrsgewühl

Überhaupt sammelt der Peugeot 108 beim Fahren die meisten Pluspunkte. Weil er überaus agil und extrem wendig ist. Man ahnt, wenn man mit dem Knirps fröhlich durch den Berufsverkehr surft, dass die Peugeot-Ingenieure mit diesem Auto einen Wusler für verstopfte Städte schaffen wollten. Schließlich liegen die Entwicklungszentren der Marke am Rande von Paris, und dort macht Autofahren - wenn überhaupt - nur mit sehr übersichtlichen und beweglichen Knirpsmobilen Spaß.

Für Stadtbewohner also bedeutet der Peugeot 108 angemessenes Vorwärtskommen. Und die Alltagstauglichkeit ist auch okay. Der Kofferraum fasst 196 Liter, die Rücksitzlehne ist zweigeteilt und lässt sich umklappen, was ein maximales Stauvolumen von 780 Liter ergibt. Das ist in Ordnung für ein Auto dieses Formats. Die Abmessungen des Wagens, das sollte man vielleicht auch noch erwähnen, können durchaus auch zum Spritsparen beitragen. Denn während die Größeren noch mit dem Parkplatzsuchverkehr beschäftigt sind, ist der 108 längst in eine Lücke geschlüpft.

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insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
rennflosse 17.03.2016
1. Gesichtslos?
Die Front wirkt, als habe Peugeot sich nach den Exzessen der Vergangenheit noch nicht entschieden, wie das Gesicht eines Peugeot einmal aussehen soll. Bei Renault war das einige Jahre auch so, nun hat man aber ein Design gefunden
nicht_schon_wieder 17.03.2016
2. Turbo?
Früher hatte der Einliter-Dreizylinder (von Daihatsu) des 108 keinen Turbo und trotzdem 69 PS. Sicher, dass das jetzt der Fall ist? Denn wenn nicht, wäre das sehr peinlich...
flovo 17.03.2016
3. Der 1.0 hat KEINEN Turbo
Das ist schlichtweg falsch. Das ist im Kern derselbe (Toyota/Daihatsu-) Motor wie im Peugeot 107 seit 2005. Der andere Motor ist eine Eigenentwicklung von PSA und für den Aygo nicht verfügbar.
mansiehtnurmitdemherzengu 17.03.2016
4. Verbrauchswunder?
Warum wohl ist da eine Start-Stopp-Automatik verbaut? Damit im NEFZ-Fahrzyklus daraus ein Sparmobil wird. Bei der Preisgestaltung ist diese Bezeichnung natürlich nicht gerechtfertigt.
GSYBE 17.03.2016
5.
...von 5,9 Liter, was keineswegs besonders sparsam ist für ein Auto dieser Klasse." Wie meinen Sie das? Verglichen mit Fahrzeugen vor dem VW-Betrugsskandal oder danach?
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