Peugeot 3008 Hybrid 4: Antriebspaarung für Pfennigfuchser

Peugeot bringt dem Hybrid das Dieseln bei. Erstmals spannen die Franzosen im 3008 jetzt einen Stromer und einen Selbstzünder zusammen. Das Knauser-Duo funktioniert beim ersten Test tadellos und ist ungeheuer sparsam, doch hat die Technik einen Haken: Der Preis ist sehr hoch.

Peugeot 3008 Hybrid 4: Knauseriges Antriebs-Doppel Fotos

Ja, es gibt Autohersteller, die beim Hybridantrieb noch zögerlicher waren als die deutschen. Die Franzosen zum Beispiel. Citroën, Peugeot oder Renault konnten der Kombination aus Stromer und Verbrenner bislang wenig abgewinnen. Doch zumindest die im PSA-Konzern vereinten Marken Peugeot und Citroën schwenken jetzt um und setzen sich sogar an die Spitze der Sparer. Denn im Peugeot 3008, jenem ungewöhnlichen Zwitter aus Großraumlimousine und Geländewagen, tritt ab Ende Oktober der weltweit erste Dieselhybridantrieb in einem Serienauto an.

Weil das Zusammenspiel von E-Motor und Selbstzünder die mit Abstand effizienteste Motorpaarung ist, sinkt der offizielle Durchschnittsverbrauch der modischen Familienkutsche auf 3,8 Liter und macht sie zum sparsamsten Van überhaupt. Konventionelle Fahrzeuge wie der VW Touran können da selbst in der knauserigen Blue-Motion-Variante (Durchschnittsverbrauch 4,5 Liter) nicht mithalten; und sogar der deutlich kleinere Toyota Prius mit Benzin-Hybrid verbraucht noch einen Zehntelliter mehr.

Was den Peugeot betrifft, so steckt der Vierzylinder-Diesel mit zwei Liter Hubraum und 163 PS ganz normal unter der Haube. Die E-Maschine wiederum leistet maximal 37 PS und ist in die Hinterachse integriert. Sie erhält ihre Energie von einem Nickel-Metall-Hydrid-Akku im Souterrain des Kofferraums, den der japanische Elektronikkonzern Sanyo beisteuert. Obwohl es, anders als bei den meisten Hybridmodellen, keinerlei mechanische Verbindung zwischen den beiden Motoren gibt, klappt das Zusammenspiel reibungslos. Nur wer genau auf die bunten Grafiken der Bordcomputers blickt und die neue Anzeige anstelle des bisherigen Drehzahlmessers beobachtet, erkennt überhaupt, welche Antriebskonfiguration gerade aktiv ist.

Im Duett sind beide Motoren richtig kraftvoll

Sofort spürbar ist hingegen der gewaltige Schub der beiden Motoren. Drückt man aufs Gaspedal, gehen insgesamt 450 Nm Drehmoment ans Werk und wuchten den 3008 Hybrid 4 vehement voran. Obwohl die Elektrokomponenten im Heck das Leergewicht auf mehr als 1,8 Tonnen treiben, braucht der Fünfsitzer lediglich 8,5 Sekunden, um auf Tempo 100 zu beschleunigen. Auf der Landstraße allerdings lässt der Elan nach, und auf der Autobahn ist bei 191 km/h Schluss. Außerdem trübt das automatisierte Schaltgetriebe mit dem merkwürdig geführten Designer-Schaltknubbel die Freude, weil es eben doch nicht so sanft und sauber arbeitet wie eine Automatik.

Machen die beiden Motoren im Doppelpack das Auto zum Sprinter, wird der Wagen im Stadtverkehr zum Schweiger. Denn sobald man den Fuß vom Gas nimmt und das Tempo unter 70 km/h fällt, meldet sich der Diesel automatisch ab und allein der Elektromotor schiebt den Wagen durch die Stadt. Bis zu drei Kilometer stromert man auf diese Weise still und sauber voran und genießt die verdutzen Blicke der vom leisen Auto überraschten Passanten. Um so lauter wirkt dann der eigentlich sonst so kultivierte Dieselmotor, wenn er mit zunehmendem Tempo oder schwindenden Stromreserven wieder zugeschaltet wird.

Die Regie des Zusammenspiels beider Motoren führt die Elektronik eigentlich ganz allein; und sie macht das so gut, dass der Bordcomputer am Ende einer relativ zügig absolvierten Testfahrt einen Verbrauch von nur knapp mehr als fünf Liter ausweist. Der Fahrer kann jedoch auch selbst bestimmen, welcher Motor den Antrieb übernimmt: per Drehschalter auf dem hohen Mitteltunnel. Über diesen kann vom Automatik-Modus in den Batteriebetrieb oder in das Sportprogramm mit dauerhafter Doppeltraktion gewechselt werden. Außerdem gibt es noch den AWD-Modus. Schließlich verwandelt die Technik dem 3008 mit der elektrisch angetriebenen Hinterachse in einen Allradler. Für eine längere Geländepassage wird der Strom zwar nicht reichen, beim Anfahren im Winter jedoch hilft dieser Antriebsmodus allemal.

Auch BMW und Mercedes wollen Diesel-Hybrid-Modelle lancieren

Dass Peugeot als erster und bislang einziger Hersteller auf diese Technik setzt, hat einen einfachen Grund: Anders als die Japanischen, amerikanischen oder deutschen Marken sind die Franzosen weder in den USA noch in Japan im Rennen, wo Hybridautos zwar gefragt, Diesel-Pkw aber nach wie vor schier unverkäuflich sind. Dennoch wird der Konzern mit dem Konzept, das auch in der Limousine 508 und im neuen Crossover-Modell 508 RXH zum Einsatz kommen wird, nicht lange allein bleiben. Zum einen wird Konzernschwester Citroën die identische Technik einsetzen, zum anderen haben auch BMW und Mercedes bereits Hybridautos mit Dieselmotoren angekündigt. Auch in München und in Stuttgart weiß man längst, dass es kaum eine genügsamere Kombination gibt.

Was den Siegeszug des sparsamen Doppels jedoch bremst, ist der hohe Preis der Technik - einfach weil der Diesel der teurere Verbrennungsmotor ist. Das macht auch Peugeot zu schaffen, das Modell 3008 Hybrid 4 wird ab 34.150 Euro angeboten. Damit ist die Hybridversion rund 12.000 Euro teurer als das gleiche Auto mit dem kleinsten Benziner und 6000 Euro teurer als das billigste Dieselmodell der Baureihe. Auch der stärkste Diesel mit der besten Ausstattung ist noch etwa 2500 Euro billiger - eine Differenz, die sich erst nach mehr als 100.000 Kilometer amortisiert. Werden sich die Kunden darauf einlassen? Die Peugeot-Leute geben sich jedenfalls überzeugt davon: "Geld", sagt ein Entwickler, "ist nicht alles. Ein Hybridauto fährt man auch aus Überzeugung."

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Fahrzeugschein
Hersteller: Peugeot
Typ: 3008 Hybrid 4
Karosserie: Van/Kleinbus/Großraumlimousine
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 1.997 ccm
Leistung: 163 PS (120 kW)
Leistung (E-Motor): 37 PS (27 kW)
Drehmoment: 300 Nm
Von 0 auf 100: 8,5 s
Höchstgeschw.: 191 km/h
Verbrauch (ECE): 3,8 Liter
CO2-Ausstoß: 99 g/km
Kofferraum: 377 Liter
umgebaut: 1.186 Liter
Versicherung: 16 (HP) / 20 (TK) / 20 (VK)
Preis: 34.150 EUR

Schnellcheck

Peugeot 3008 Hybrid 4

Einsteigen: ...weil es keine sparsamere Antriebskombination gibt und das Zusammenspiel reibungslos klappt.

Aussteigen: ...weil der Diesel plötzlich wieder laut und ruppig klingt, wenn man vorher stumm dahin gestromert ist - und wegen des hohen Preises.

Umsteigen: ...aus allen Dieselmodellen in dieser Klasse und aus Hybridautos wie Toyota Prius oder Honda Jazz.

Die IAA
Die IAA ist vom 15. bis 25. September jeweils von 9 bis 19 Uhr geöffnet.

Während der Publikumstage vom 17. bis 25. September kostet eine Tageskarte 13 Euro, an den Wochenenden jeweils 15 Euro. Für ein Kurzbesuch ist in der zweiten IAA-Woche täglich ab 15 Uhr ein günstigeres Feierabendticket für 8 Euro erhältlich.

Schüler, Auszubildende und Studenten zahlen 7,50 Euro für einen ganzen IAA-Tag (Feierabendticket: 4,50 Euro). Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt.

Wer Warteschlangen an der Tageskasse umgehen will, kauft die Eintrittskarten am besten online und zahlt per Kreditkarte oder Lastschrift.

Die Automesse ist gut per Bahn erreichbar: Die S-Bahnlinien 3, 4, 5 und 6 halten ebenso am Messegelände (Station "Messe"), wie die U-Bahnlinie 4 und die Straßenbahnlinie 16. Wer mit dem Auto anreist, folgt von der Autobahnabfahrt "Frankfurt West/Messe" der Beschilderung IAA.


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