Autogramm Peugeot 308 GT Ein klares Unentschieden

Auf dem Papier ist der neue GT die sportliche Speerspitze der 308-Baureihe. Doch in der Praxis bleibt der Wagen blass, es fehlt an Leidenschaftlichkeit. Das offenbart sich vor allem bei einem Blick unter die Haube

Peugeot

Der erste Eindruck: Keine Spoiler, keine Schweller, kein Schnickschnack - während andere Kompakt-Kraftmeier à la GT oft aussehen, als seien sie in einen Kessel Zaubertrank gefallen, gibt der neue Peugeot 308 GT den Biedermann.

Das sagt der Hersteller: Projektleiter Jean-Phillippe Lamy nennt den 308 ein "hervorragendes Gesamtpaket" und spricht vom GT als der Krönung der Kompaktauto-Baureihe. Der sei ein "äußerst dynamisches Fahrzeug" und wie geschaffen für "anspruchsvolle Kunden und Automobilliebhaber, die nach Exklusivität und Dynamik suchen". Weil dem Auto wirkliche Highlights fehlen, hört man eben Marketingfloskeln.

Dass der GT trotz der Ambitionen einen dezenten Auftritt pflegt, deutet Peugeot-Sprecher Ulrich Bethscheider-Kieser als stringente Strategie, die schon beim 208 GTI begonnen wurde. Eleganz statt Effekthascherei, nennt er diesen Ansatz. Im übrigen bittet er um etwas Geduld, denn Peugeot werde noch einmal nachlegen. Will heißen: ein deutlich stärkerer 308 GT soll noch folgen.

Das ist uns aufgefallen: So lahm, wie er aussieht, ist der GT gar nicht. Mit 205 PS und 285 Nm maximalem Drehmoment geht es sogar ordentlich zur Sache. Vor allem bringt der Peugeot die Motorleistung überraschend sauber auf die Straße. Ohne Dauerfeuer der ESP-Lampe und ohne wimmernde Reifen stürmt das Auto auf der Geraden rasant davon (von 0 auf 100 in 7,5 Sekunden, Spitze 235 Stundenkilometer) und lässt sich in Kurven eng an der Ideallinie führen. Dabei hilft das ungewöhnlich kleine und vergleichsweise tief positionierte Lenkrad, das man dank dieser Konstellation besser greifen und leichter bewegen kann.

Echtes Herzrasen verursacht der 308 GT leider nicht. Auch nicht, nachdem man die "Sport"-Taste auf dem Mitteltunnel gedrückt hat. Dann wird zwar die Servo-Unterstützung der Lenkung reduziert, das Gaspedal sensibler, die Instrumentenbeleuchtung glimmt rot und aus den Lautsprechern dröhnt ein etwas peinlicher Sythesizer-Sound - doch insgesamt bleibt ein eher verhalten-unentschlossener Eindruck zurück.

Was der 308 GT bei Auftritt und Antritt vermissen lässt, soll die Fahrwerksabstimmung wieder wettmachen. In der irrigen Annahme, dass hart gleichzusetzen sei mit sportlich, haben die Entwickler den GT so straff gefedert, dass vor allem die hinteren Sitze zur Strafbank werden. Auf Komfort, normalerweise ein Domäne französischer Autos, muss man in diesem Fall also auch verzichten.

Das muss man wissen: Der 308 GT mit dem 1,6 Liter großen Turbo-Benziner kommt ab 5. März in den Handel; der Einstiegspreis liegt bei 29.950 Euro. Diese Summe wird es dem Auto nicht leichter machen. Denn die Konkurrenz ist attraktiver eingepreist. Einen VW Golf GT mit 220 PS gibt es ab 29.575 Euro, der neuen Ford Focus ST mit 250 PS unter der Haube wird ab 28.850 Euro angeboten. Und Skoda Octavia RS (220 PS) sowie Seat Leon Cupra (265 PS) sind nur wenig teurer als der neue Peugeot.

Die Peugeot-Verantwortlichen lassen sich davon jedoch nicht entmutigen und drängen gleich mit einer ganzen GT-Familie auf den Markt. Neben dem normalen Schrägheckmodell 308 GT gibt es für 1150 Euro Aufpreis auch eine Kombi-Version und darüber hinaus ist auch eine Diesel-Variante verfügbar. Die kostet mindestens 32.000 Euro und wird von einem 2,0-Liter-Vierzylinder (180 PS, 400 Nm) mit Sechsgang-Automatik angetrieben.

Das werden wir nicht vergessen: Die Enttäuschung über die bislang sportlichste Variante des 308 gipfelt im Blick in den Motorraum. Dass dort ein lediglich 1,6 Liter großes Triebwerk steckt, mag man in Zeiten des Downsizings verschmerzen, schließlich gibt es ja Turbolader. Doch wer den Motor eines Sportmodell so lust- und lieblos unter die Haube stopft, dem nimmt man das Gerede von Leidenschaft und Rasanz einfach nicht ab.

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insgesamt 30 Beiträge
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Seite 1
hansmaus 24.01.2015
1.
Mir gehts immer anders herum, wenn ich diese billigen Plastikabdeckunge auf den motoren sehe schäme ich mich schon fast ein bischen fremd. Was soll das?
monolithos 24.01.2015
2. Die Praxisrelevanz einer Motorabdeckung
Eieiei ... Hauptkritikpunkt an dem Auto ist die Optik (!) des normalerweise verborgenen Motors, der seine Sache immerhin gut macht? Was soll diese Aussage denn? Zur Abdeckung des Motors ist die Motorhaube da. Wenn die hochgeklappt wird, soll der Motor zugänglich sein. Ein weitere Abdeckung ist dann nur noch Ballast. Naja, immerhin bemüht sich der Herr Autor zu begründen, warum er eine Vorliebe dafür hat Motorräume zu fotografieren.
oesi_in_de 24.01.2015
3. oder so
die nicht vorhandene Motorabdeckung stört mich nun gar nicht, aber dass Tacho und Drehzahlmesser gegenläufig anzeigen stört mich massiv. aber wenn Grundzüge der Ergonomie verletzt werden ist das nicht erwähnenswert. ist in Vergleich zum Plastik im Motorraum auch nebensächlich.
ms66 24.01.2015
4.
"Enttäuschender Anblick: Wer die Motorhaube öffnet, blickt auf den 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner. Der macht seine Sache gut, allerdings ist die Maschine ohne ein Anzeichen gestalterischen Willens dort untergebracht." ... Haha, der ist gut. Ich würde eher: endlich haben Sie es kapiert, diese dämlichen Plastikabdeckungen, die nur verbergen sollen, dass darunter veraltete Technk steckt, sind hier glücklicherweise weggelassen worden. Was soll der Blödsinn: "gestalterische Absicht" im Motorraum. Oh, Mann.
MyQ 24.01.2015
5. Text und Bilder nicht Synchron..
In den Bildern ist der Wagen korrekt als GT beschrieben, im Artikel als GTi.. Der GTi mit 1.6 + 260PS kommt aber noch. Das legt den Gedanken nahe, dass der Autor sowohl keine Ahnung hat als auch, dass er den Wagen gar nicht gefahren ist, sondern lediglich den "angepassten" Text verfasst hat. Man weiß ja nicht, welcher Automobilhersteller momentan die Meisten Anzeigen schaltet...
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