Peugeot 308 Fast wie der Golf

Französische Autos fielen früher durch fluffige Fahrwerke und mollige Sitze auf. Vorbei. Der neue Peugeot 308 bietet ein radikal reduziertes Interieur - und ein starkes Lenkgefühl. Das merkt man beim Preis.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Die Klage, dass Autos einander immer ähnlicher werden, ist nicht neu. Schon 1924, als der Opel 4 PS auf den Markt kam, war der im Prinzip eine Kopie des zwei Jahre zuvor vorgestellten Citroën 5CV. Einziger Unterschied: Statt gelb wie der Citroën war der Opel grün lackiert, was dem Auto den Spitzamen "Laubfrosch" einbrachte und der deutschen Sprache angeblich die Redewendung "dasselbe in Grün".

Oberflächlich betrachtet ist auch ein Peugeot 308 eine Art VW Golf in Grün. Beide Kompaktwagen haben nahezu identische Abmessungen, beide sprechen exakt die gleiche Kundschaft an.

Wenn man jedoch etwas genauer hinsieht beim Peugeot, findet man durchaus Eigenheiten, die ihn deutlich vom Wolfsburger Dauerbrenner unterscheiden. Bei den beiden Analog-Anzeigen (Tacho und Drehzahlmesser) links und rechts außen im Cockpit, bewegen sich die Zeiger gegenläufig und damit aufeinander zu. Klar ist das nur eine hübsche Spielerei, aber eingefallen ist sie eben Peugeot.

Jürgen Pander

Etwas anders geartet ist auch die Raumaufteilung. Mit 2,62 Metern ist der Radstand des Peugeot 308 um fünf Zentimeter kürzer als der des VW Golf. Hört sich pillepalle an, schlägt sich allerdings in einem eher beengten Fond sowie andererseits im mit 420 Liter größten Kofferraumvolumen dieser Klasse nieder (VW Golf: 380 Liter).

Und dann, dieser Unterschied ist für Fahrerin oder Fahrer am bedeutsamsten, gibt es auch im Peugeot 308 das für die Marke inzwischen typische i-Cockpit. Also ein kleines, etwas tiefer gesetztes Lenkrad und zugleich etwas höher positionierte Anzeigeninstrumente, sodass der Blick auf diese über den Lenkradkranz hinweg geht (und nicht untendurch, wie normalerweise). Auch hier geht es jeweils nur um ein paar Zentimeter, doch der daraus resultierende Unterschied ist verblüffend. Man hat den Wagen einfach anders im Griff; das Fahren, insbesondere das Lenken, macht richtig Laune - ähnlich wie in einem Autoscooter.

Achtung, Einschränkung: Der Effekt schlägt vermutlich ins Gegenteil um, wenn man deutlich größer oder kleiner gewachsen ist als die breite Masse. Dann nämlich kann es sein, dass einem der Peugeot 308 einfach nicht passt und sich auch nicht passend machen lässt.

Neu im Motorraum: Dreizylinder-Benziner mit 130 PS

Ganz neu in der 308-Modellreihe ist die Motorvariante "1.2 Pure Tec". Genau so eine Maschine steckte in unserem Testauto. Ein Dreizylinder-Benziner mit 1,2 Liter Hubraum und einer Leistung von 130 PS. Der offizielle Durchschnittsverbrauch liegt bei 5,2 Liter, mit knapp 6 Liter Verbrauch laut Bordcomputer kamen wir über die Runden. Peugeot hat die Maschine mit einem neuen Turbolader ausgestattet, der Einspritzdruck beträgt nun bis zu 250 bar und es gibt eine neue Sauerstoffsonde im Motor, mit deren Hilfe sich das Luft-Kraftstoff-Gemisch exakter variieren lässt. Zudem ist bei Autos mit diesem Motor serienmäßig ein wartungsfreier Benzinpartikelfilter an Bord.

Was von der Technik bei Fahrerin oder Fahrer ankommt? Ein manchmal etwas aufdringliches Brummeln des Dreizylinders, eine ordentliche, jedoch keineswegs übertriebene Kraftentfaltung und genau das richtige Maß an Agilität, um locker im normalen Straßenverkehr mitzuschwimmen. Neben dem Motor überzeugte das ebenfalls neue Sechsgang-Schaltgetriebe mit einer geschmeidigen Handhabung. So weit erfüllt der Peugeot 308 den Standard in dieser Klasse, besonders ist dagegen, das muss nochmals erwähnt werden, das Lenkgefühl.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Peugeot 308 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das i-Cockpit ist nicht nur deswegen eine feine Sache. Es hilft auch, den Peugeot 308 aus der Menge der Kompaktwagen herauszuheben, und es ist zugleich der einzige Höhepunkt in einem ansonsten radikal reduzierten Interieur.

In unserem Testwagen wurde das fast schon triste Ambiente ein wenig aufgepeppt, weil das Auto mit dem "GT-Line-Paket" für 2500 Euro Aufpreis ausgestattet war. Dazu gehören beispielsweise schwarze Außenspiegelkappen, ein Kühlergrill mit "Rennflaggenmuster", ein roter "Peugeot"-Schriftzug auf der Fahrzeugnase und innen eben ein schwarzer Dachhimmel, Aluminium-Pedale, 3D-Navigationssystem, schwarze Kunstleder-Stoff-Sitzbezüge mit roten Ziernähten sowie eine passend gestaltete Türinnenverkleidung. Kurzum: Es geht auch schick anstatt schlicht, aber das kostet eben extra.

Der Peugeot 308 steht ab 18.950 Euro zum Verkauf, der Wagen mit dem neuen 1,2-Liter-Dreiliter-Benziner kostet ab 22.500 Euro und unser Testauto mit "Allure"-Ausstattung und zusätzlichem "GT-Line-Paket" sogar 26.800 Euro. Auch preislich also bewegt sich der 308 in einem Rahmen wie der VW Golf. Bleibt die Frage, welcher der beiden nun das empfehlenswertere Auto ist? Da hilft nur reinsetzen, fahren - und dann abwägen. Zumindest diese Chance hat der Peugeot 308 verdient.

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insgesamt 43 Beiträge
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mori1982 25.07.2018
1. Ganz klar der 308
Für Vielfahrer ist der Golf unbrauchbar. Meine Erfahrung und auch von Freunden die im Außendienst arbeiten, sind dass der Golf bei längerer Fahrt auf den Rücken geht. Die Sitze sehen schick aus, aber was nutzt es wenn man ständig Schmerzen hat. Der Tempomat bremst ständig das Auto ab, wenn man zB langsamere links überholen will oder jemand auf den Verzögerungsstreifen fährt, er erkennt nicht das es sich um eine andere Spur handelt. Der 308 wirkt in der iberen Hälfte des Fahrzeugraums wertig, darunter ehr sehr einfach. Die Mittelkonsole ist mir ein Rätsel, zentral eine Chromspange mit einem scheinbaren Lautstärkeregler der aber nur an und aus kann. Die gnze Menüführung, Mehrfachbelegung der Knöpfe am Lenkrad und das Navi/soundsystem/sonstiges sind gewöhnungsbedürftig. Der Touchscreen bzw die Menüs darin wirken total unaufgeräumt. Muss mn sich erstmal dran gewöhnen. Die Sitze sind viel besser als im Golf und erfährt nach meiner Meinung leiser und angenehmer.
2cv 25.07.2018
2. zumindest beim Navigationssystem...
2.500 Euro für ein wenig mehr Optik auszugeben, ist gewagt. Denn was der Artikel leider unterschlägt, ist das als "i-Cockpit" nett vermarktete, aber in der Usability unterirdisch schlechte Touchscreen Bedienelement, das nun wirklich nur rudimentär mit dem iPhone verglichen werden kann. So viel Ablenkung vom Strassenverkehr habe ich selten erlebt, jeder aber auch jeder Handgriff muss beobachtet werden, nichts erfühlbar, teils mindestens 2 Level tief verschachtelt. Ich rate dringend jedem potentiellen Kunden, das vorher auf der Strasse *beim* Fahren auszuprobieren, und diverse Funktionen zu erproben . 3D macht das nicht besser. Danke, nein. Bitte mehr Drehknöpfe und haptisch erfühlbare Schalter!
breizh44 25.07.2018
3. Komfort
Wenn ich einen Golf mit brettharten Sitzen und Fahrwerk will, dann kaufe ich keinen Peugeot. Ich liebe den Komfort, der "molligen" Sitze meines alten 405, und da ich nicht Alain Prost heiße, reicht deren Seitenhalt allemal. Sein Fahrwerk ist einfache Spitze, weiche Federung und doch exzellente Straßenlage, ganz ohne elektronische Helferlein. Schade, daß Peugeot so etwas heute nicht mehr bietet.
werner-xyz 25.07.2018
4. Tja
und genau wegen diesem Schwachsinn: "Achtung, Einschränkung: Der Effekt schlägt vermutlich ins Gegenteil um, wenn man deutlich größer oder kleiner gewachsen ist als die breite Masse. Dann nämlich kann es sein, dass einem der Peugeot 308 einfach nicht passt und sich auch nicht passend machen lässt." ist Peugeot bei mir raus. Mag ja nett sein, aber wenn man wie ich über extrem lange Beine verfügt, kommt man mit der Verstellung des Lenkrads nicht hin. Ob das sinnvoll ist eine ganze Gruppe von Leuten daran zu hindern ein Fahrzeug zu kaufen, nur weil man ein unbedingt es anders machen muss wie der rest? Manchmal heißt anders nicht unbedingt besser.
friespeace 25.07.2018
5. Immer diese Einschränkung
Ich fahre seit einem Jahr den 5008 mit besagtem iCockpit. Ich bin 1,95m. Und es funktioniert wunderbar.
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