Von Tom Grünweg
Platz 14 in Deutschland und Platz 7 in Europa in der Kompaktklasse - echte Erfolgsmodelle bieten bessere Resultate. Der Peugeot 308 aber kann sich einfach nicht richtig durchsetzen, obwohl die Baureihe vor knapp vier Jahren mit großen Ambitionen startete. Das Vorgängermodell verkaufte sich besser. Und selbst im Heimatland Frankreich wurde der 308 vom Konkurrenzmodell Renault Mégane vom ersten Platz im Kompaktsegment verdrängt.
Pascal Dubois gibt sich dennoch optimistisch. Schon von Berufs wegen, denn er ist Produktmanager des Peugeot 308. "Wir liegen derzeit bei rund 930.000 verkauften Exemplaren seit der Markteinführung und damit genau im Plan", sagt der Franzose. Und nun gibt es - wie eigentlich immer zur Hälfte der Laufzeit eines Automodells - ein so genanntes Facelift für Fünftürer, Kombi und Cabrio der Baureihe. Alle drei renovierten Varianten kommen in Deutschland ab 7. Mai in den Handel, zu kaum veränderten Preisen. Das billigste Schrägheck-Modell kostet künftig 17.050 Euro, der SW genannte Kombi ist 1200 Euro teurer und das Klappdach-Cabrio kostet mindestens 25.950 Euro.
Äußerlich zu erkennen sind die Neuerungen nur von vorn: Dort zeigen die neuen Modelle neben den LED-Bögen des Tagfahrlichts, eine etwas stärker konturierten Motorhaube und den spitzer geformten Scheinwerfern vor allem einen veränderten Kühlergrill. Aus dem bislang weit aufgerissenen Schlund ist eine Schnute geworden, die selbst mit dem nun serienmäßigen Chromrahmen eher dezent aussieht. Dazu gibt's jetzt Aluräder für alle Modellvarianten, eine neue Chromleiste am Heck und innen etwas mehr Pep. "Es kommen nun edlere Bezugsstoffe zum Einsatz, es gibt etwas mehr Chromschmuck und neue Klavierlack-Konsolen", sagt Dubois.
Die wichtigste Neuerung steckt unter der Haube. Die Motoren, vier Diesel von 92 bis 163 PS sowie vier Benziner von 98 bis 200 PS, blieben gleich. Doch den meistverkauften Diesel, den 1,6-Liter-Selbstzünder mit 122 PS, kombiniert Peugeot nun immer mit einer Start-Stopp-Automatik. Die allerdings folgt einem anderen Prinzip als die verstärkten Anlasser der Konkurrenz: sie ist nämlich über einen Zahnriemen mit dem Motor verbunden. Der wirkt erstens dämpfend, so dass die lästige Rüttelei beim Wiederanlassen entfällt, und vor allem hat die Peugeot-Lösung dank spezieller Hochleistungs-Kondensatoren (so genannte Supercaps) als Energiespeicher mehr Kraft und startet den Vierzylindermotor schneller. Statt in 0,8 Sekunden ist das Anlassen des Modells e-HDI in 0,4 Sekunden erledigt.
Wird bei Schleichfahrt ausgekuppelt, geht der Motor aus
Während andere Systeme den Motor tatsächlich erst bei Stillstand abschalten, wird der Peugeot-Antrieb schon viel früher in die Pause geschickt. Sobald der Fahrer bei weniger als 20 km/h den Gang heraus und den Fuß von der Kupplung nimmt, herrscht Ruhe unter der Haube. Das läppert sich: Schon beim Durchqueren eines Dorfes zeigt der Bordcomputer schnell eine so genannte Eco-Zeit von 2:34 Minuten - so lange wurde also im Vergleich zu einem herkömmlichen Auto kein Sprit verfeuert. Monsieur Dubois sagt, das System ermögliche eine Kraftstoffersparnis von 15 Prozent. Die Prüfstand-Werte sind nicht ganz so imposant: Der dort ermittelte Durchschnittsverbrauch liegt bei 4,4 Liter - ein Vorteil von 0,2 Liter gegenüber dem bisherigen Motor ohne Start-Stopp-Automatik.
Es geht aber noch sparsamer: mit dem so genannten EGS6-Getriebe. Ist die automatisierte Handschaltung an Bord, geht der Verbrauch des 112 PS starken Vierzylinders auf 4,0 Liter zurück. Doch erlaubt sich das Getriebe derart lange Schaltpausen, dass man schnell die Nerven verliert. "Ja, das wissen wir mittlerweile auch", sagt ein genervter Peugeot-Mitarbeiter. "Deshalb gibt es auch bei uns eine Automatik mit Doppelkupplung - in zwei Jahren."
A propos richtig knausern. Wer radikal sparen möchte, sollte noch ein paar Wochen warten. Denn im Sommer fährt ein nochmals optimiertes Modell des 308 vor, mit reduzierter Bodenfreiheit, speziellen Leichtlaufreifen, veränderter Motorsteuerung und Luftklappen im Kühler. "Damit sinken der Verbrauch auf 3,7 Liter und der CO2-Ausstoß auf 98 g/km. Da kann kein Konkurrent mithalten", sagt Dubois.
Die Motoren sind bekannt, moderne Assistenzsysteme nicht verfügbar
Die neue Start-Stopp-Automatik ist tatsächlich eine Wucht. Das retuschierte Fahrzeuggesicht sieht gut aus, und die Preisanpassung war so moderat, das sich bei den teureren Modellen aufgrund der leicht verbesserten Ausstattung sogar ein Kundenvorteil von bis zu 600 Euro gegenüber der bisherigen Preisliste ergibt. Doch eine tief greifende Modellpflege ist das natürlich nicht. Alle Motoren sind bekannt, lediglich der Zweiliter-Diesel hat jetzt 150 statt zuvor 140 PS; und Assistenzsysteme wie ein Abstandswarner, eine Überwachung des toten Winkels oder ein Spurführungssystem sind gar nicht erst verfügbar.
Entsprechend bescheiden sind die Verkaufserwartungen der Franzosen - zumindest für Deutschland. Hierzulande wurden im vergangenen Jahr rund 15.500 Exemplare des 308 verkauft, in diesem Jahr sollen es 17.000 werden. Das dürfte für einen Platz unter den Top-Ten kaum reichen. In Frankreich sind die Ansprüche höher. Produktmanager Dubois: "Nach der Modellpflege wollen wir den Mégane wieder von der Spitze verdrängen."
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