Peugeot 508 Die Gute-Miene-Limousine

Die französische Region Limousin gab einer Rinderrasse den Namen und einem Kutschentyp. Und als die Vehikel Motoren bekamen und zu Autos wurden, nahmen sie den Namen Limousine einfach mit. Französische Fabrikate dieser Bauart sind noch heute manchmal etwas Besonderes - so wie der Peugeot 508.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Wer mit kleinen Kindern zu einer großen Autoreise startet, sollte sich auf einiges gefasst machen. Quengeln, Kreischen und andere Katastrophen gehören einfach dazu, wenn sehr junge Menschen sehr lang in Kindersitze geschnallt werden, die ähnlich viel Bewegungsfreiheit zulassen wie ein Schraubstock. Die Grundproblematik einer solchen Fahrt ist bekannt und wurde schon oft beschrieben. Hier jedoch soll es darum gehen, dass es auch auf das Auto ankommen kann, ob eine solche Reise Freude macht oder zum Fiasko wird.

Wagen der Wahl war ein Peugeot 508. Die Limousine, nach dem Ende des Peugeot 607 der repräsentativste Pkw im Angebot des französischen Herstellers, lässt längst vergessen geglaubte Limousinen-Tugenden wieder aufleben. Während viele Autos dieses Typs längst zu viertürigen Sportwagen mutiert sind, mit Fahrwerken, die sich auf Knopfdruck bretthart einstellen lassen, mit Motoren, deren PS-Zahl mindestens das Doppelte, wenn nicht gar das Dreifache des IQ-Werts der Fahrer beträgt - während also viele Limousinen eigentlich gar keine echten Limousinen und damit Reisewagen mehr sind, versucht der Peugeot 508 genau das zu sein: ein samtenes, watteweiches Gefährt, das etwaige Missstimmungen von vornherein dämpft und federt und wegdimmt. Eine Gute-Miene-Limousine also.

Im Fall der eingangs erwähnten großen Tour mit der Familie wirkte der Wagen sogar auf die Knirpse im Fond beruhigend und - ein Glück für alle Eltern auf der Autobahn - auf die Rückbankbesatzung einschläfernd. Die Abroll- und Windgeräusche auch bei flottem Tempo sind minimal, die Platzverhältnisse großzügig, die Ausstattung ist üppig. Letzteres gilt zumindest für die Variante Allure, die dritte von insgesamt vier Ausbaustufen, mit denen der Peugeot 508 zum Komfortschlitten aufgerüstet werden kann.

Mit dem 1,6-Liter-Benzinmotor, der 156 PS leistet, sowie einem Sechsstufen-Automatikgetriebe kostet das Auto 30.550 Euro. Damit ist der so ausstaffierte Wagen deutlich teurer als das Einstiegsmodell mit 120 PS und Grundausstattung für 23.050 Euro, aber eben auch wesentlich bequemer und zuvorkommender. An Bord sind beispielsweise Tempomat, Multifunktions-Lederlenkrad, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, elektrische Feststellbremse, Einparkhilfe, Vordersitze mit ausziehbarer Oberschenkelauflage sowie ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem. Braucht man alles nicht zwingend, ist aber dennoch angenehm und macht das Leben mit dem Auto entspannter.

Ein guter Motor, doch er könnte sparsamer sein

Der Motor mit 156 PS ist der stärkere der beiden Benziner im Angebot, daneben gibt es noch vier Dieselaggregate mit einem Leistungsspektrum von 112 bis 204 PS. Der Benziner jedoch passt durch seine Laufruhe und unaufdringliche Charakteristik prima zu dem Auto. 7,1 Liter Durchschnittsverbrauch gibt Peugeot für das Modell mit Automatikgetriebe an (für die Variante mit Handschalter sind es 6,4 Liter), unser Testwagen genehmigte sich im gemischten Betrieb, der auch längere, zügige Autobahnetappen einschloss, 8,2 Liter. Das ist kein doller Wert, aber für Pkw dieses Kalibers durchaus üblich. Der Peugeot 508 setzt in dieser Hinsicht weder nach oben noch nach unten einen Maßstab.

Aber schon in Sachen Auftritt, denn das Auto trägt als erstes Modell das neue, viel lässigere Design der Marke, das sich wohltuend von den mitunter grotesk überzeichneten Modellen aus den Jahren zuvor abhebt. Peugeot setzt nicht mehr auf den schnellen Effekt übergroßer Scheinwerfer oder albern gebogener und zugespitzter Rückleuchten, sondern vertraut auf klassische Formen und fließende Linien. Das ist keine schlechte Kurskorrektur.

Details jedoch sind misslungen. Wird beispielsweise die Kofferraumklappe nach einem Regenguss geöffnet, ergießt sich ein regelrechtes Rinnsal von der Kante der Klappe ins Gepäckabteil - und alles was sich dort befindet. Eigentlich sollte so etwas irgendjemandem während der Entwicklung mal auffallen, und dann natürlich auch abgestellt werden.

Das Head-Up-Display kann man sich sparen

Ebenfalls missraten ist das Head-Up-Display, das es in Kombination mit einer JBL-Musikanlage im sogenannten Multimedia-Paket für 930 Euro Aufpreis gibt. Ist es an Bord, kann sich der Fahrer die momentane Geschwindigkeit auf die Frontscheibe spiegeln lassen. Allerdings ist die Anzeige derart tief platziert, dass es schon fast kein Unterschied ist, ob man auf die Leuchtziffern oder gleich auf den Tacho schaut. Und weil wir gerade beim Kritisieren sind: Auch die Schaltpaddel zur manuellen Steuerung des Automatikgetriebes am Lenkrad sind kein Gewinn. Sie sollen ein Begehr erfüllen, dass in einer derart klassisch-gediegenen Mittelklasse-Limousine überhaupt nicht aufkommt - nämlich das nach unbedingter Sportlichkeit und Dynamik. Schnell fahren kann man mit dem Peugeot 508 auch so.

In diesem Jahr, so ließ Peugeot beim Marktstart des Autos in Deutschland im März verlauten, sollen insgesamt 11.500 Exemplare der Baureihe 508, die aus Limousine und Kombi besteht, zwischen Flensburg und Freiburg verkauft werden. Bis Ende Juli, also in den ersten fünf Verkaufsmonaten des Autos, waren es laut Kraftfahrt-Bundesamt rund 4600. Fünf weitere Monate bleiben der Limousine noch, um neue Freunde des gepflegten Familienautos zu finden.

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insgesamt 15 Beiträge
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rennflosse 08.08.2011
1. Weggesehen
Vom Innenraum abgesehen ist das Auto von außen potthässlich und steht damit in einer seit Jahren anhaltenden unseligen Tradition von Peugeot. Der Hersteller hat es wirklich verstanden, seine gesamte Modellpalette optisch zu ruinieren. Dabei haben die viele Jahre gut aussehende Autos gebaut, wie z.B. den 404, den 504, den 205, den 306 und viele andere.
Sledge.OC 08.08.2011
2. .
Was bedeuten denn die Anzeigen auf Bild 4? 85°C Wassertemperatur und 0° Öltemperatur?
Achim 08.08.2011
3. dreifach
»Während viele Autos dieses Typs längst zu viertürigen Sportwagen mutiert sind, mit Fahrwerken, die sich auf Knopfdruck bretthart einstellen lassen, mit Motoren, deren PS-Zahl mindestens das Doppelte, wenn nicht gar das Dreifache des IQ-Werts der Fahrer beträgt« Die Formel PS > IQ x 3 funktioniert aber auch bei manchen Kleinwagen ...
TheSchuetzendorf 08.08.2011
4. Keine Evolution
Was mir die französischen Autos verleidet ist das ständige Vollkommen-Neu-Erfinden des Rads. Solche Dinge wie das in der Kofferraum tropfende Wasser und der sehr unaufgeräumte Motorraum sind bei den deutschen Herstellern durch behutsame Fortentwicklung oft längst ausgemerzt. Im Gegensatz zu Renault hat Peugeot immerhin noch eine "Linie", man erkennt einzelne Baureihen und kann das Auto der Marke zuordnen. Aber nachdem ich miserable Erfahrungen mit Sitzen, der Anordnung der Aggregate im Motorraum und den Materialien machen durfte haben sich französische Autos für mich bis auf weiteres erledigt. Die Kofferraumauskleidung auf dem Foto lässt wieder einmal schlimmstes erahnen - das sieht aus wie bei einem Japaner aus den 90ern. Den Mehrpreis, den die deutschen Anbieter verlangen kann man sich schnell an solchen Punkten zusammenrechnen. Der Wertverlust gibt dem Gedanken an so ein Auto den Rest.
herrschmeisshirn 08.08.2011
5. .
Bei meiner 2006er Passat Limousine ist bei Regen auf dieselbe Art Wasser in den Kofferraum getropft.
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