Autogramm Peugeot 508 Oh, là, là

Kein SUV und nicht von einem deutschen Hersteller - für ein neues Auto sind das hohe Hürden auf dem hiesigen Markt. Doch bei einer ersten Ausfahrt begeisterte der Peugeot 508 das Publikum am Straßenrand.

Peugeot

Der erste Eindruck: Oh, là, là - das ist eine Limousine, bei der man den Mund vor Staunen aufreißt und nicht, weil man vor Langeweile gähnen muss.

Das sagt der Hersteller: Peugeot-Generaldirektor Jean-Philippe Imparato weiß, dass es der neue 508 nicht leicht haben wird. Das Segment der Mittelklasse-Limousinen erlebte in den vergangenen zehn Jahren - attackiert von immer neuen Karosserievarianten und SUV - einen Niedergang. Dass es zuletzt auf niedrigem Niveau stagnierte, sei allein den deutschen Premiumherstellern zu verdanken, räumt der französische Manager ein. Doch für Imparato ist das kein Grund zur Aufgabe, sondern ein Ansporn. "Nach unserer SUV-Offensive mit den Modellen 2008, 3008 und 5008 haben wir die Vision einer großen Limousine mit dem gleichen Ehrgeiz umgesetzt und wollen den Markt mit einem Angebot aufmischen, das mit den Besten mithalten kann."

SPIEGEL ONLINE/Tom Grünweg

Das ist uns aufgefallen: Mit der fließenden Form eines fünftürigen Coupés, rahmenlosen Seitenscheiben und dem schräg abfallenden Heck macht der 508 eher auf VW Arteon als auf Passat und geht sogar als Alternative zum Mercedes CLS durch. Doch er sieht nicht nur von außen ganz anders aus als konventionelle Konkurrenten wie Ford Mondeo, Mazda 6 oder Renault Talisman. Auch im Innenraum verfolgt Peugeot einen anderen Weg. Das sogenannte i-Cockpit steht für ein ungewöhnlich kleines Lenkrad und für weit nach oben gerückte, digitale Instrumente. Die Kombination soll die Ablenkung des Fahrers minimieren und den Blick auf die Straße fördern - und zugleich der Agilität dienlich sein.

Tatsächlich kann der Fahrer gut übers Lenkrad schauen, nichts unterbricht die Blickachse nach draußen. Das kleine Lenkrad ist zu Beginn allerdings gewöhnungsbedürftig, weil es in einem derart großen Auto sitzt. Doch nach ein paar Minuten passt es plötzlich, und man freut sich daran, dass man in Kurven weniger kurbeln muss und entsprechend flotter ums Eck kommt.

Zumal der 508 durchaus ein Fahrerauto ist - erst recht in der etwas sportlicheren GT-Ausprägung. Zwar beherrscht die adaptive Federung auch die sanfte Gangart, die viele bei französischen Fabrikaten schätzen. Den 508 macht sie - in Kombination mit Massagesitzen samt AGR-Siegel (Aktion gesunder Rücken) - zu einer soliden Langstrecken-Limousine. Doch wenn der Wagen im Sportmodus unterwegs ist, spannt er spürbar die Muskeln an und lässt sich von der Konkurrenz nicht abwimmeln.

Zum i-Cockpit gehören nicht nur die hohen Instrumente und das kleine Lenkrad, sondern dazu zählt auch ein großer Touchscreen rechts davon und eine Schalterleiste darunter. Weil die Tasten offenbar auch mit noch so viel Digitalisierung nicht gänzlich entfallen können, hat Peugeot sie wundervoll inszeniert. Statt normaler Schalter gibt es feine, glänzende Tasten in Klavieroptik, sogenannte Toggle Switches. Da kann einem jeder Touchscreen gestohlen bleiben.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Peugeot 508 - mit unserem 360-Grad-Foto:

Eine um bis zu 70 Kilo leichtere Konstruktion mit entsprechend gesteigerter Fahrdynamik und ein Ambiente beinahe auf Audi-Niveau - der neue Peugeot 508 ist ein gelungener Wurf. Doch profitiert man vor allem in der ersten Reihe vom Generationswechsel, die Hinterbänkler eher nicht. Denn Peugeot hat mit dem Trend gebrochen, und das neue Modell nicht größer, sondern zugunsten der schöneren Form ein wenig kleiner gemacht. Dazu kommt die flache Dachlinie und das schräge Heck, schon muss man im Fond den Kopf ein wenig einziehen.

Das muss man wissen: Der Peugeot 508 kommt ab Oktober in den Handel und startet zu Preisen ab 31.250 Euro zunächst als Limousine. Im Frühjahr reicht Peugeot dann auch wieder einen Kombi nach, der ähnlich elegant wird und deshalb fast schon als Shooting Brake durchgeht.

Aufgebaut auf der neuen Konzernplattform EMP2, nutzt der 508 aus anderen Peugeot-Modellen bekannte Motoren. Die verfügen zum Teil über viel Leistung, aber nur wenig Hubraum. Bei den Benzinern gehört ein 1,6-Liter-Turbo mit 180 oder 225 PS zum Angebot, bei den Dieseln ein 1,5 Liter mit 130 oder ein 2,0 Liter mit 163 oder 177 PS. Geschaltet wird von Hand mit sechs oder automatisch mit acht Gängen; angetrieben wird allein die Vorderachse. Im kommenden Jahr startet der 508 als erster Peugeot mit Plug-in-Hybridantrieb - und zusätzlich elektrisch angetriebener Hinterachse.

Wie es sich für ein Flaggschiff gehört, lässt sich Peugeot bei der Ausstattung nicht lumpen. So gibt es den 508 nicht nur mit LED-Scheinwerfern vorn und hinten, sondern als erstes Modell der Marke bietet er in der langen Liste an Assistenzsystemen zum Beispiel auch ein Nachtsichtgerät.

Das werden wir nicht vergessen: Die Menschentrauben, die sich bei diversen Stopps um den 508 versammelten. Das kennt man von Sportwagenmodellen, aber mit einem Peugeot ist das schon lange nicht mehr passiert.

Fahrzeugschein
Hersteller: Peugeot
Typ: 508 GT
Karosserie: Limousine
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.598 ccm
Leistung: 225 PS (165 kW)
Drehmoment: 300 Nm
Von 0 auf 100: 7,3 s
Höchstgeschw.: 250 km/h
Verbrauch (ECE): 5,7 Liter
CO2-Ausstoß: 131 g/km
Kofferraum: 487 Liter
umgebaut: 1.537 Liter
Gewicht: 1.495 kg
Maße: 4750 / 1859 / 1403
Preis: 45.600 EUR
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insgesamt 60 Beiträge
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huckzuck 18.06.2018
1. Limousinen gibt es, weil es Märkte außerhalb Europas gibt.
Die Anstrengungen im Bereich der Limousinen werden unternommen, weil es Märkte außerhalb Europas gibt, in denen diese Bauform nun mal sehr beliebt ist. Ansonsten gelungenes eigenständiges Design, auch wenn das Cockpit nunja wie oft bei Franzosen, etwas überdesignt ist.
Cpt. Haddock 18.06.2018
2. Servicewüste Peugeot
Unsere Nachbarn fahren zum ersten und wohl auch letzten mal Peugeot. Die Erzählungen aus der Servicewüste Peugeot sind als Zuhörer immer spannend, nur nicht für denjenigen, der sie erleben darf. Durch die Reduktion der Servicestandorte findet quasi eine Monopolisierung des Serviceangebots statt, die sich auf die Qualität des Services auswirkt. Ein Blick in die Autoforen zeigt, das dieses keine Ausnahme zu sein scheint. Viele Autohersteller sind dabei die Anzahl der Vertragshändler und -werkstätten zu reduzieren, mit ähnlichen Konsequenzen. Image hin oder her, wenn der Service nicht vernünftig funktioniert, ist spätestens bei der nächsten Anschaffung die Marke für den Käufer verbrannt.
Mertrager 18.06.2018
3. werbung ohne. sachverstand
werbung ohne. sachverstand
spiegkom 18.06.2018
4. Durchschnitt
Front: akzeptabel (wie bei vielen PKW's), Seite: schwach, Heck: durchschnittlich, Cockpit: eine Katstrophe. Fazit: nichts besonders.
DerBlicker 18.06.2018
5. leider völlig unpraktisch
Der Kofferraum ist klein, hinten kann wegen dem heruntergezogenen Dach niemand sitzen. Ein Skoda Kodiaq ist 5 cm kürzer, hat aber doppelt so viel Platz. Da fragt man noch, warum die Leute lieber SUV kaufen? Limousinen sind innen eng und außen lang, also gerade in der Stadt total unpraktisch.
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