Peugeot 508 SW: Eleganter Lademeister

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Wenn schon ein großes Auto aus Frankreich, dann einen Kombi. Bereits beim Peugeot 407 lag der SW-Anteil über 60 Prozent. Und beim Nachfolger 508 dürfte er weiter steigen. Denn "Le Lademeister" ist groß und praktisch - und bekommt zur IAA noch einen trendigen Ableger.

Peugeot 508 SW: Bourgeois mit kleinen Schrullen Fotos
Tom Grünweg

Je nobler die Autos, desto schwerer der Verkauf. Das ist die leidige Regel, mit der alle Importmarken in Deutschland anzukämpfen haben. Doch es gibt eine Nische, in der sie zumindest halbwegs punkten können. Die großen, preiswerten Familienkombis: Während man zum Beispiel eine Citroen C5 Limousine fast nie zu Gesicht bekommt, fährt einem der "Break" immerhin gelegentlich durchs Bild. Und beim Peugeot 407 war das nicht anders. Dort lag der Anteil der SW genannten Kombis in Deutschland zuletzt bei 64 Prozent.

An den vor ein paar Monaten eingeführten Nachfolger 508 knüpfen die Franzosen sogar noch höhere Erwartungen. Er hat mit einem Schlag den bisherigen 407 und das einstige Flaggschiff 607 ersetzt und ist vor allem als SW eine buchstäblich große Nummer: Weil Länge und Radstand um jeweils knapp zehn Prozent gestreckt wurden, bietet der Peugeot spürbar mehr Platz auf allen Plätzen. Man sitzt vorne und hinten selbst mit knapp 1,90 Metern bequem, und der Kofferraum fasst 560 Liter.

Wenn der Platz nebst der Geheimfächer im Souterrain nicht reicht, hilft der Klappmechanismus der geteilten Rückbank, der sich mit zwei Fingern bedienen lässt und eine ziemlich ebene Ladefläche schafft, die dann fast 1,6 Kubikmeter Raum bietet. So macht der 508 sogar dem Kleinlieferwagen Partner Konkurrenz. Dazu gibt es ein Design, das genauso elegant aber lange nicht mehr so effekthascherisch ist wie früher: Der riesige Kühlerschlund ist einem diskreteren Grill gewichen, die Scheinwerfer sind auf ein normales Format geschrumpft und die Silhouette wirkt schlank und sportlich. Selbst das mächtige Heck mit der großen Klappe haben die Designer geschickt kaschiert: Statt klobig wirkt der SW nun kräftig und knackig.

Nervige Macken

Soweit, so gut. Auf den ersten Blick ist der 508 SW damit ein echter Herausforderer für Kofferträger wie den Opel Insignia Sportstourer, den Ford Mondeo Turnier und vielleicht sogar den VW Passat Variant. Zumal der Kombi-Aufschlag lediglich 1050 Euro beträgt und das günstigste Modell mit 24.100 Euro in der Liste steht. Doch gerade, wenn man mal ein, zwei Wochen damit durch den Alltag kutschiert, fallen ein paar kleine aber deshalb nicht minder nervige Macken auf.

Warum zum Beispiel gibt es zwar ein riesiges Glasdach mit elektrischer Jalousie, aber keine motorisch bewegte Heckklappe? Warum kann man hinten den halben Hausstand einladen, findet vorne aber nicht mal eine vernünftige, griffgünstige Ablage fürs Handy, den Haustürschlüssel oder das Portemonnaie? Und warum gibt es einerseits ein Navigationssystem mit Telematik-Paket und automatisiertem Notruf, aber andererseits keines von den lieb gewordenen Assistenzsystemen für Vielfahrer? Verkehrszeichenerkennung, Abstandsregelung, Totwinkel-Warner und Spurwechselhilfe bietet die Konkurrenz schon eine Fahrzeugklasse früher an. Da sind die Option auf ein eher hausbackenes Head-Up-Display, Massagesitze und Kurvenlicht nur ein schwacher Trost.

Unter der kräftig konturierten Haube bieten die Franzosen derzeit die Wahl zwischen zwei Benzinern und vier Dieseln, die ein Leistungsspektrum von 112 bis 204 PS abdecken. Wir waren zwei Wochen mit einem 2,0-Liter-Diesel unterwegs, der mit 140 PS und einem Grundpreis von 28.600 Euro ungefähr in der goldenen Mitte liegt. Der Motor klingt beim Kaltstart ziemlich kernig, gibt aber nach dem Warm-Up das kultivierte Kraftpaket für Vielfahrer ohne gehobene Ansprüche. Mit maximal 320 Nm erwischt man an der Ampel immer einen guten Start und mit einem Sprintwert von 10,1 Sekunden von 0 auf Tempo 100 werden Überholvorgänge auf der Landstraße nicht zur Geduldsprobe.

Für die Langstrecke ist der stärkere Diesel besser

Nur wer viel und weit auf der Autobahn fährt, ist mit einem stärkeren Diesel vielleicht besser bedient. Denn bis der große Kombi sein Spitzentempo von 210 km/h erreicht hat, braucht man einen langen Atem. Und selbst dann muss man die linke Spur schnell wieder für die Kombis aus der Business-Klasse räumen. Dafür allerdings punktet die 140 PS-Maschine an der Tankstelle: Offiziell und auf dem Prüfstand mit 5,0 Litern zufrieden, reichen ihr im Alltagsbetrieb gute sechs Liter - zumal man angesichts des etwas teigigen Sechsgang-Getriebes ohnehin lieber gleich im größeren Gang bleibt. Und selbst mit vielen schnellen Streckenabschnitten bekommt man die Anzeige auf dem Bordcomputer nicht über 7,5 Liter.

Dass es noch deutlich sparsamer geht, wollen die Franzosen mit ihrem Hybrid4-Antrieb beweisen, der seine 508-Premiere auf der IAA feiert. Er kombiniert den nächst stärkeren Diesel (163 PS) mit einem 37 PS starken Elektromotor an der Hinterachse, kann ein paar Kilometer rein elektrisch fahren und simuliert so auf Kurzstrecken sogar einen Allradantrieb. Der Verbrauch soll damit im Prüfzyklus auf 4,2 Liter sinken.

Eingebaut ist der Hybrid in einer weiteren Modellvariante, die den Kombianteil noch einmal erhöhen dürfte: Dem 508 RXH. Wie Audi Allroad und Volvo XC 70 hebt er sich von den konventionellen Modellbrüdern durch eine stärker konturierte Karosserie und eine robuste Beplankung ab. Außerdem leistet er sich ein wenig von der Extravaganz, die den 407 einst auszeichnete. Zwar reißt auch er das Maul nicht mehr so weit auf, doch sollen nun je drei senkrechte LED-Leisten an die scharfen Krallen einer Raubkatze erinnern.

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Motorisch betriebene Heckklappe?
jierdan 11.07.2011
Wer zum Henker braucht denn sowas? Das ist doch peinlich, sowas zu fordern. Solchen Menschen ist wohl selbst der Weg zum Kühlschrank zu weit...
2. Gebe Ihnen völlig recht!
Mülheimer 11.07.2011
Zitat von jierdanWer zum Henker braucht denn sowas? Das ist doch peinlich, sowas zu fordern. Solchen Menschen ist wohl selbst der Weg zum Kühlschrank zu weit...
Ich gebe Ihnen völlig recht. Beim Lesen habe ich gedacht der Autor ist ziemlich übergeschnappt, wer braucht denn so etwas? Ich fahre seit vielen Jahren Kombis, weil es wirklich praktische Autos sind und habe so etwas noch nie vermisst. Aber wer weiß, vielleicht hat der Autor zu Hause eine Toilette wo ihm der Hintern elektrisch abgewischt wird.
3. Auf Thema antworten
chrome_koran 11.07.2011
Zitat von jierdanWer zum Henker braucht denn sowas? Das ist doch peinlich, sowas zu fordern.
Warum? Nur weil Sie keinen Zweck darin sehen? Im Übrigen wird die motorisch betriebene Heckklappe bei anderen Fabrikaten angeboten - und bestellt. Würde sie nicht bestellt, gäbe es sie nicht als Option. Angebot und Nachfrage - schon mal davon gehört?
4. ...
ergoprox 11.07.2011
Zitat von jierdanWer zum Henker braucht denn sowas? Das ist doch peinlich, sowas zu fordern. Solchen Menschen ist wohl selbst der Weg zum Kühlschrank zu weit...
Genau wie die Verkehrszeichenerkennung, der Tote-Winkel-Assi, EInpark-Assi und Abstands-Radar. Kaum ist es in *wenigen* deutschen Modellen überhaupt erhältlich (wenn auhc zu teilweise abartigen Aufpreisen), schon wird so getan, als wenn es unverzichtbar wäre...Gesabbel.
5. Designierte Verwechselbarkeit
someone.else 11.07.2011
Was Sie da unter Macken versammeln, sind Dinge, die die meisten Käufer kaum vermissen werden. Oder wer bestellt denn bei den Konkurrenzprodukten die ganzen Gimmicks, wenn's nicht die Firma zahlt? Schade finde ich, dass es (zunächst) keinen modernen sparsamen Diesel gibt. Und vor allem finde ich es schade, dass das unverwechselbare Design des 407SW komplett aufgegeben wurde zugunsten eines Einheitsdesigns, das gewissermaßen den 'Mittelwert' aus 4-5 Konkurrenzprodukten darstellt und dementsprechend verwechselbar geworden ist.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Peugeot
Typ: 508 SW
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.997 ccm
Leistung: 140 PS (103 kW)
Drehmoment: 320 Nm
Von 0 auf 100: 10,1 s
Höchstgeschw.: 210 km/h
Verbrauch (ECE): 5,0 Liter
CO2-Ausstoß: 130 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 560 Liter
umgebaut: 1.598 Liter
Versicherung: 18 (HP) / 24 (TK) / 25 (VK)
Preis: 28.600 EUR

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