Peugeot Bipper Keine Witze mit Namen!

Der Blick in die Bilanz macht Peugeot-Deutschland-Chef Olivier Dardart wenig Freude. Wenigstens tröstet der Erfolg der leichten Nutzfahrzeuge über das Minus von fast 20.000 Pkw-Zulassungen im vergangenen Jahr hinweg. Und jetzt kommt ja auch das neue Modell Bipper.


Es fehlt zwar der Sex-Appeal und prestigeträchtige Preise kann man dafür auch nicht einheimsen - doch ist der deutsche Peugeot-Chef Olivier Dardart im Augenblick sicher froh um jedes leichte Nutzfahrzeug im Portfolio. Denn während der Pkw-Absatz im vergangenen Jahr bei Peugeot, wie bei fast allen Importeuren, dramatisch einbrach, konnten die Franzosen mit Autoverkäufen an Handel, Handwerk und Gewerbe kräftig punkten. In Europa, zusammen mit der Konzernschwester Citroën schon Marktführer, wächst der Marktanteil der Löwenmarke in diesem Segment auch in Deutschland stetig.

Mit einer Verdopplung der Zulassungszahlen auf 7221 Exemplare der Modelle Partner, Expert und Boxer haben die Franzosen 3,14 Prozent Marktanteil geschafft und wollen jetzt noch weiter wachsen. "2008 wird das Jahr der Transporter", sagt denn auch Peugeot-Sprecher Gordian Heindrichs und weist auf allerlei Neuheiten hin. So kommt im Sommer die nächste Generation des Partners in den Handel, die ähnlich wie der Hauptkonkurrent Renault Kangoo eine Nummer größer wird.

Aus diesem Grund bleibt nicht nur das bisherige Modell weiter im Programm, sondern auch am unteren Ende wird die Angebotspalette erweitert. Dort geht im Februar ein Leichttransporter mit dem ulkigen Namen Bipper an den Start. Konzipiert als kleiner und wendiger Stadtlieferwagen rollt er in den Spuren legendärer französischer Vehikel wie dem gewerblich genutzten Renault R4 oder der Kasten-Ente Acadiane. Während diese tollen Kisten allerdings immer wieder auch privat genutzt wurden, soll das beim neuen Bipper mit Rücksicht auf den Peugeot 1007 unterbleiben.

Obwohl Peugeot für Netto-Preise ab 9990 Euro nur einen Zweisitzer mit Kasten anbietet, sparen die Franzosen nicht an den sonst für teurere Fahrzeuge reservierten Worthülsen: Von "unwiderstehlichem Design", einer "Komfortkabine" und einem "Fahrverhalten wie im Pkw" ist die Rede, wenn sie ihr jüngstes Auto anpreisen. Das ist ein bisschen weit hergeholt. Der Bipper hat ein ganz sympathisches Gesicht, man kann in ihm ordentlich sitzen und vor allem den ganzen Kleinkram verstauen, den man in einem Berufsleben auf Rädern so mit sich herumschleppt.

Die Grundbedürfnisse sind erfüllt

Außerdem befördert das Auto Fahrer plus Last flott und sogar relativ sicher von A nach B, und wer die Musik ein wenig lauter dreht, hört auch das Brummen des Dieselmotors nicht mehr. Doch mal ehrlich: Wer interessiert sich bei einem Kastenwagen für Design oder Komfort? Große Fenster für eine gute Übersicht, ein ergonomischer Sitz für den gesunden Rücken und für die Sicherheit serienmäßig ein Trenngitter zum Laderaum - und auf Wunsch vier Airbags ?, damit sind die Grundbedürfnisse befriedigt. Wer mehr will, kann immerhin Klimaanlage, CD-Radio und Freisprecheinrichtung bestellen.

Viel wichtiger sind die Nehmerqualitäten, die bei dem kleinen Auto überraschend groß sind: Gut zugänglich durch eine asymmetrische Flügeltür am Heck und je nach Modell ein oder zwei Schiebetüren an der Seite, bietet der in der Türkei montierte Bipper Platz für eine Euro-Palette oder bis zu 2,5 Kubikmeter Ladung, die immerhin 610 Kilo wiegen darf. Wer für 100 Euro den modularen Beifahrersitz bestellt, der bekommt nicht nur einen fahrenden Schreibtisch, sondern kann den Platz des Sozius auch ganz im Boden versenken und so das Ladevolumen auf 2,8 Kubikmeter vergrößern. Gleichzeitig steigt damit die maximale Ladelänge von 1,50 auf 2,50 Meter.

Kompakt, wendig und ziemlich knauserig

In Fahrt bringen den mit einem Wendekreis unter zehn Metern in der Stadt unschlagbaren Bipper zwei 1,4-Liter-Motoren. Der Benziner im Basismodell leistet 73 PS, schafft 157 km/h und verbraucht im Mittel 6,9 Liter. Und der netto knapp 1200 Euro teurere Diesel bringt es mit 68 PS, dem flinken Griff zum weit nach oben im Cockpit gerückten Schaltknauf und viel Geduld auf 152 km/h. Für Eiltransporte ist das sicher nichts. Doch für sparsame Unternehmer wird der Diesel mit einem Verbrauch von 4,5 Litern schnell zum König der Kostenkiller.

Zwar gibt es derzeit ? abgesehen von der Schwestermarke Citroën ? keinen anderen Anbieter mit einer derart neuen und umfangreichen Auswahl an kompakten Lademeistern. Doch so ganz zufrieden ist Peugeot-Nutzfahrzeugchef Patrice Ramage noch nicht. "Seit wir uns 1994 neu aufstellten, haben wir erst einmal Europa im Visier gehabt. Doch wenn wir jetzt den Aktionsradius ausweiten wollen, dann brauchen wir noch einige Modelle mehr", sagt Ramage und wünscht sich vor allem einen Pickup. Nicht dass Ramage Peugeot auf den US-Markt bringen wollte. Doch in Lateinamerika und Nordafrika haben die Franzosen noch eine Rechnung offen. Allein aus der Baureihe 504 haben sie dorthin mehr als 800.000 Pritschenwagen geliefert, deren Fahrer längst auf Ersatz warten.



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