Peugeot Traveller Le Bülli

Der Multivan von Volkswagen ist ein Kassenschlager und auch als Gebrauchter nicht billig. Zum Glück gibt es günstigere Alternativen wie den Peugeot Traveller. Der stammt zudem vom Pkw ab - das hat Vorteile.

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Von Jürgen Pander


Autos, die Passanten anlocken, sind normalerweise sehr teuer, sehr schnell oder zumindest auffallend lackiert. Nichts von alledem trifft auf den Peugeot Traveller zu, und dennoch interessierten sich während unserer Probefahrten so viele Menschen für das Auto wie sonst kaum für einen Testwagen.

Die Gespräche begannen meist damit, dass die Neugierigen fragten, ob sie mal genauer schauen dürften, denn sie hätten gerade das dritte (einmal auch: das vierte) Kind bekommen. Ein wirklich großes Auto sei also gefragt, und der VW Bus, der sei ja schon toll, aber auch gebraucht noch sauteuer.

Das stimmt. Jedoch ist auch der Peugeot Traveller nicht unbedingt ein Schnäppchen. Die Basisvariante des Traveller mit 95-PS-Turbodiesel kostet 35.650 Euro. Jetzt lächeln Kenner natürlich erst einmal, denn der einfachste VW Multivan mit 84-PS-Turbodiesel wird ab 29.999 Euro angeboten. Doch der Basis-Bus ist deutlich schlichter ausgestattet als das Einstiegsmodell von Peugeot.

Das von uns gefahrene Testauto, ein Peugeot Traveller mit dem stärksten verfügbaren Dieselmotor (177 PS) und der Topausstattung namens "Allure" steht ab 50.360 Euro beim Händler. Das ist ein Wort, doch VW verlangt für ähnlich ausstaffierte Multivan-Typen noch mehr - und manche Extras werden bei den Wolfsburgern gar nicht erst angeboten.

Serienmäßig fährt die "Allure"-Variante beispielsweise mit zweiteiligem Glasdach über dem Fond vor, ebenso mit farbigem Head-up-Display, Lederausstattung, beheizbaren Massagesitzen vorn und zwei elektrischen Schiebetüren, die sich per angedeutetem Fußtritt unters Auto öffnen oder schließen lassen. Letztere Funktion bietet kein aktuelles Konkurrenzmodell in diesem Segment.

Jürgen Pander

Anders als der VW Multivan, der ein zur Großraumlimousine umgemodeltes Nutzfahrzeug ist, fährt der Peugeot Traveller als extra großer Pkw vor. Das Auto basiert, wie die baugleichen Modelle Citroën Spacetourer und Toyota Proace und deren Nutzfahrzeug-Ableger, auf der PSA-Plattform EMP2, auf der unter anderem auch der neue Peugeot 5008 oder der kommende DS7 Crossback aufbauen. Das hat einerseits mit dem Ausnutzen von Synergieeffekten zu tun, bedeutet aber zugleich ein sehr kommodes, handliches Fahrgefühl. Der Traveller lässt sich angenehmer durch den Stadtverkehr und über Landstraßen chauffieren als mancher SUV.

Angenehmes Fahrgefühl, sinnvolle Extras

Das liegt an der famosen Übersichtlichkeit, am feinen Lenkgefühl und an der komfortablen Sechsgang-Automatik, die in den Modellen mit dem stärksten der vier Turbodieselmotoren serienmäßig an Bord ist. Man fährt den Traveller, hat man sich erst einmal an die Dimensionen gewöhnt, die vor allem auf engen Straßen und bei hohem Verkehrsaufkommen etwas mehr Umsicht erfordern, völlig entspannt und stressfrei. Selbst das Einparken funktioniert dank Sensoren an Front und Heck problemlos. Zudem gibt es als Extra eine 180-Grad-Heckkamera, die beim Rückwärtsfahren das Hinterteil des Kleinbusses aus der Vogelperspektive in den zentralen Bildschirm projiziert, und so ein präzises Rangieren ermöglicht.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Peugeot Traveller - mit unserem 360-Grad-Foto:

Peugeot Traveller 2017 360 Grad Innen
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Peugeot Traveller 2017 360 Grad Innen

Die Pkw-Variante Traveller, neben der Peugeot auch noch das Shuttle-Modell Traveller Business sowie den Kastenwagen Expert anbietet, kann mit 5, 7 oder 8 Sitzplätzen eingerichtet werden, die sich wiederum auf Schienen im Fahrzeugboden in einem bestimmten Bereich justieren lassen. Der von uns gefahrene Fünfsitzer bietet bei normaler Bestuhlung ein Ladevolumen von 2381 Litern. Wer die hinteren Sitze ausbaut - was einen Kraftakt und vier zupackende Hände erfordert - kann den Laderaum auf 3958 Liter Volumen vergrößern. Dazwischen ist praktisch jede Konfiguration möglich, sodass auch Familien mit drei oder mehr Kindern bequem auf Urlaubsreise gehen können.

Neben dem opulenten Platzangebot, das auch in anderen Kleinbussen dieser Größe vorhanden ist, überzeugt der Traveller auch im Innenraum durch eine moderne Pkw-Anmutung. Das fängt beim Teppichboden an, setzt sich mit den bequemen Ledersitzen fort und reicht bis zur optisch ansprechend gestalteten Armaturentafel. Das Smartphone lässt sich umstandslos mit dem Bordsystem koppeln, es gibt zwei Handschuhfächer, mehrere andere großzügige Ablagen, Klapptische an den Rückseiten der Vordersitzlehnen, Leseleuchten für alle Plätze und zwei Klimaanlagen, eine für vorne und eine für die Insassen im Fond.

Prämiertes Design und dazu parkhaustauglich

Optisch bietet diese Fahrzeugklasse nur wenig Spielraum, den jedoch haben die Peugeot-Designer clever genutzt und ein durchaus gefälliges, eigenständiges Auto mit durchweg beherzt gegliederten Blechflächen gestaltet. Zumindest der Jury des Designpreises Red Dot Award gefiel der Traveller, denn das Auto erhielt diese Auszeichnung kurz nach seinem Debüt im vergangenen Jahr.

Unter den vier Dieselmotorisierungen mit 95, 115, 150 und 177 PS Leistung sind vermutlich die beiden mittleren Varianten die vorteilhaftesten. Der 177-PS-Motor unseres Testautos jedenfalls wirkte wie ein Muskelpaket im falschen Körper - wer will mit so einem Auto auch nur ansatzweise sportlich fahren? Und vor allem: warum? Peugeot gibt den Durchschnittsverbrauch mit 5,7 Litern je 100 Kilometer an, wir erreichten im Testbetrieb einen Mittelwert von 6,8 Litern. Darauf ungefähr dürfte es auch im Alltag hinauslaufen, was angesichts von Format, Form und Motorisierung des Autos in Ordnung geht.

A propos Format: Mit 1,90 Meter Höhe (mit 17 Zoll Serienbereifung) ist der Traveller ein besonders flacher Vertreter der Gattung Kleinbus. Das klingt erst mal ein wenig bedrückend. Mangelt es etwa an Kopffreiheit? Ist das Raumgefühl womöglich dürftig? Keineswegs. An Bord des Traveller fällt die vergleichsweise niedrige Bauweise gar nicht auf. Erst beim Perspektivwechsel wird man überhaupt darauf aufmerksam. Wenn man beispielsweise den Wagen im Parkhaus abgestellt hat und bemerkt, dass über dem Dach noch eine Handbreit Luft ist bis zur Betondecke. Mit einem VW Multivan, mit 16-Zoll-Serienbereifung 1,97 Meter hoch, wäre es hier richtig eng geworden - oder die Höhenkontrolle am Eingang hätte Alarm geschlagen und die Einfahrt von vornherein gestoppt. Es kann also auch ein Vorteil sein, etwas tiefer zu stapeln.

Fahrzeugschein
Hersteller: Peugeot
Typ: Traveller 2.0 180 Allure
Karosserie: Van
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.997 ccm
Leistung: 177 PS (130 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Höchstgeschw.: 170 km/h
Verbrauch (ECE): 5,7 Liter
CO2-Ausstoß: 151 g/km
Kofferraum: 798 Liter
umgebaut: 3.958 Liter
Gewicht: 1.730 kg
Maße: 4956 / 1920 / 1877
Preis: 50.360 EUR
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insgesamt 82 Beiträge
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Seite 1
varesino 09.05.2017
1. Realitätsverlust bei Herrn P. und der Autoindustrie
3-4 Kinder, 35 bis 50000 Euro auf der hohen Kante um dann einen Bus voller Spielereien zu kaufen. Die 50000 kann eine Familie sicher besser einsetzen als für einen Autokauf. Ein Bus für Kinder muss innen abwaschbar sein. Wenn ein PKW zum Bus mutiert wird sich das in einer reduzierten Zuverlässigkeit bemerkbar machen. Achslasten, etc.. Die Bodenfreiheit bei diesem Bus ist bemerkenswert, bestimmt ganz toll an Rampen und Buckeln. Bitte kennzeichnet solchen M... einfach als Werbung und alles wird gut.
spon_2937981 09.05.2017
2. Risiko
Tolles Auto, dafür interessierte ich mich vor Kurzem auch. Aber leider (wie alle Fahrzeuge dieser Klasse mit Ausnahme des kleineren Nissan NV200) ausschließlich als Diesel erhältlich und damit ein unkalkulierbares Risiko...
benirras 09.05.2017
3. Ams
www.auto-motor-und-sport.de/vergleichstest/vw-multivan-und-peugeot-traveller-im-vergleichstest-11666574.html
warum_nicht? 09.05.2017
4. = suv
Abmessungen wie ein SUV, gleiche Verbrauchs- und Parkraumproblematik wie ein SUV, da sollte doch der gleiche Shitstorm losbrechen. Mal sehen, was der Tag so bringt. Um den allgemeinen Verbrauch zu reduzieren, sollten Autos nicht höher als 1.30 m sein dürfen! Ist auch besser für die Fahrstabilität.
brotherandrew 09.05.2017
5. Mich ...
... reißt das Fahrzeug nicht vom Stuhl. 8 Sitzplätze dürfen nicht so viel kosten. Und Diesel käme für mich ohnehin nicht in Frage, weil ich auch künftig in Städte fahren muss und die Umwelt nicht derart belasten will, sondern nur ein Benziner (einfacher Sauger) mit zusätzlich LPG oder CNG. Das Ganze darf als Gebrauchter mit maximal drei Jahren Alter und normaler Kilometerleistung nicht mehr als 15.000 bis 20.000 EURO kosten.
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