Camping-Bus Campster Der Billig-Bulli

Wer einen Camping-Bus sucht, landet meist beim VW California. Doch mittlerweile gibt es gute Alternativen. Eine der jüngsten heißt Campster - der Citroën Space-Tourer begeistert nicht nur durch seinen Preis.

Jürgen Pander

Von Jürgen Pander


Der Motor knistert noch und das Aufstelldach hat sich kaum entfaltet, da steht schon der Mann vom Wohnwagen nebenan vor der geöffneten Schiebetür und fragt, ob er denn "mal gucken" dürfe, denn "dat Ding" würde ihn interessieren. Klar darf er. So haben wir gleich einen fachkundigen Kommentator, während wir die Klappstühle und das Ballspiel für die Kinder aus dem Kofferraum holen, die Rückbank nach hinten schieben und zwei Bierchen aus der Kühlbox angeln. Camper-Glück in Vollendung sozusagen.

Der Mann, ehemals VW-Bus-Besitzer, nun Wohnwagen-Eigner, fragt ausdauernd, doch wir können nach dem ersten Tag (und vor der ersten Nacht) im Campster nur bedingt Auskunft geben. Technisch entspricht der Wagen dem Citroën Space-Tourer, zur Campingausstattung gehören Aufstelldach mit zwei Schlafplätzen, Küchenblock mit Spüle und Gaskocher, eine Kühlbox, Drehsitze, Klapptisch, diverse Schubladen und Staufächer sowie ein zweites Doppelbett im Erdgeschoss, denn die verschiebbare Sitzbank lässt sich umklappen.

Jürgen Pander

Grundsätzlich entspricht der Campster damit dem Standard im Segment der Campingbusse, Vergleichbares bieten auch VW California Coast, Mercedes Marco Polo, Ford Nugget oder Adria Active. Allerdings haben sich die Experten vom oberbayerischen Wohnmobil-Spezialisten Pössl ein paar Besonderheiten einfallen lassen (dazu später mehr).

Vor allem aber ist der Campster erfreulich günstig im Vergleich zu den Konkurrenten. 37.999 Euro kostet das Basismodell mit 95-PS-Dieselmotor, 42.599 Euro das uns zur Verfügung gestellte Modell mit der 180-PS-Spitzenmotorisierung samt Sechsgang-Automatik. Vergleichbare VW-Bus-Typen sind gut 10.000 Euro teurer.

Und es ist keineswegs so, dass der Campster nach rund 1500 Kilometern und sechs Nächten einen billigen Eindruck hinterließ - eher im Gegenteil: Da schepperte nix, da klapperte nix. Allerdings merkt man, dass der Wagen das erste Pössl-Modell in diesem Format (Länge 4,95 Meter) ist - mit verblüffend cleveren Details ebenso wie mit wunderlichen Schrullen.

Gute Idee: Der Küchenblock lässt sich herausnehmen

Fangen wir mit dem Positiven an: Der komplette Küchenblock lässt sich, nachdem zwei große Befestigungsschrauben gelöst sind, durch die serienmäßige, zweite Schiebetür auf der linken Seite im Nu ausbauen - sodass man vor dem Campster kochen oder spülen kann und dann drinnen mehr Platz hat (siehe Video). Außerdem ist das praktisch, wenn man den Wagen als Ganzjahresauto nutzt. Dann kann der Küchenblock in der Garage bleiben, und der Campster beispielsweise als Siebensitzer oder Kleinlaster unterwegs sein.

Die Staufächer sind leicht zugänglich, das separat zu öffnende Heckfenster praktisch und generell begeistert das angenehme Handling des rundum übersichtlichen Fahrzeugs. Außerdem ist die Serienausstattung üppig, Musik- und Klimaanlage, Berganfahrhilfe und Tempomat, Nebelscheinwerfer, Kurven- und LED-Tagfahrlicht sowie ABS, ESP und Müdigkeitswarner gehören unter anderem dazu.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Campster - mit unserem 360-Grad-Foto:

In die Kategorie "Das lässt sich besser machen" gehört beispielsweise der Teppichbelag im Wohnbereich; ein Kunststoffbelag, der sich rasch abfegen lässt, wäre praktischer. Neben einem pflegeleichten Boden wünscht man sich auch eine Verdunkelungsmöglichkeit der Fenster (gibt es nur im Zubehörhandel) sowie eine Lichtquelle für die Schlafplätze unterm Klappdach.

Wenig durchdacht ist auch die Lösung, den Sicherheitsgurt für den Außenplatz auf der Rücksitzbank am Holm hinter der Schiebetür anzubringen, und nicht direkt am Sitz. Fährt man nämlich zu viert wie wir, dann muss die Sitzbank, damit die Gurte korrekt anliegen, weit nach vorne gerückt werden. Dadurch wiederum entsteht eine Lücke zwischen Heckablage und Rücksitzlehne, in der beim ersten Bremsen alles hineinrutscht, was dort hinten verstaut war.

Patsch! Und wieder war eine Sicherung durchgebrannt

Für die Kühlbox bietet Pössl zwei Lösungen an. Entweder wird sie im Schrank neben dem Küchenblock installiert (empfehlenswert), oder sie ist herausnehmbar zwischen den Vordersitzen platziert (so in unserem Testauto, nicht empfehlenswert). Dadurch gewinnt man zwar im Wohnbereich ein zusätzliches Staufach, muss aber umständliche Umbauarbeiten in Kauf nehmen, wenn man die beiden Vordersitze umdrehen möchte, um im Auto eine Vierer-Sitzgruppe zu bilden. Zudem zickte im Testwagen die Stromversorgung der Kühlbox, die man bei Kühlbedarf regelmäßig umstecken muss, je nachdem, ob das Auto fährt oder steht. Der 12-Volt-Anschluss für den Betrieb auf dem Campingplatz ist derart sensibel, dass uns gleich zweimal die Sicherung durchbrannte.

Für alle Autos, aber für Camping-Busse im Besonderen, gilt ja, dass sich nach einer Gewöhnungsphase das Meiste zurechtruckelt. So war es letztlich auch mit dem Campster nach einer Woche Intensivtest - und einem Durchschnittsverbrauch über die gesamte Strecke durch allerdings weitgehend flaches Land von exakt sieben Liter. Da gibt es nichts zu meckern, zumal nach Citroën-Aussage der Großteil der Stickoxide von einem SCR-Katalysator unschädlich gemacht wird (der Tank für die Harnstoff-Lösung reicht für zirka 15.000 Kilometer Fahrt).

Für Menschen, die den Neukauf eines Camping-Busses in Erwägung ziehen, ist der Campster auf jeden Fall einen genaueren Blick wert. Die Mängel, die uns aufgefallen sind, ließen sich ohne großen Aufwand beheben. Vielleicht wäre danach der Preisvorteil gegenüber dem VW California nicht mehr ganz so groß, der im Prospekt 10.000 Euro beträgt. Aber auch vier, sechs oder acht Tausender weniger wären ja kein übles Argument.

Fahrzeugschein
Hersteller: Citroën, Pössl
Typ: Campster 2.0 Blue HDI
Karosserie: Campingbus
Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Front
Hubraum: 1.997 ccm
Leistung: 177 PS (130 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Höchstgeschw.: 170 km/h
Verbrauch (ECE): 6,2 Liter
CO2-Ausstoß: 163 g/km
Maße: 4950 / 1920 / 1990
Preis: 42.599 EUR
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insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
sk82paradise 19.06.2018
1. Ein wahres Schnäppchen
38.000 Euro für ein Basismodell soll ein toller Preis sein?! Finde ich jetzt nicht... Ich habe vor 10 Jahren eine 30-qm-Wohnung für 35.000 Euro gekauft (wohlgemerkt in guter Lage und nicht zwangsersteigert), das war billig. Als klassischer Vertreter der Mittelschicht, finde ich solche Artikel verstörend, da ich mir so eine Karre nicht leisten kann und will.
thenovice 19.06.2018
2. Naja...
... die 10k ? sind ja nur die halbe Wahrheit... Der VW wird - auch wenn ich ihn mir niemals kaufen würde, da zu teuer - einen sehr viel höheren Wiederverkaufswert haben. Und die langfristige Haltbarkeit stelle ich beim Citroen eher in Frage als bei einem VW... Die getesteten Neuwägen sollten ja immer problemlos funktionieren (Was ja hier auch nicht gegeben ist), aber wie sieht das nach einer Laufleistung von mehreren 100.000km aus? Last but not least.... Wer kauft mir die Kiste in 7-10 Jahren ab? Die Nachfrage nach dem Citroen dürfte überschaubar sein.
RacingGreen 19.06.2018
3. Der Campster wurde doch schon letzte Saison vorgestellt
Wieviel wurden von den Dingern eigentlich schon verkauft? Mir ist noch kein Campster begegnet (ausser in Düsseldorf aufem Caravan Salon). Und wenn hier vom Preisunterschied zum California gesprochen wird ... wurde dann der realistische Preis, also ReImport Preis des California, herangezogen? Das Problem mit der geflogenen Sicherung ist übrigens nicht die Schuld des Campsters, sondern liegt daran dass der Stecker der Kühlbox nach der amerikanischen Norm und die hinteren 12V Steckdosen nach DIN Norm ausgeführt sind. Die beiden sind nur bedingt kompatibel
hisch88 19.06.2018
4.
Ich hab mir leider für unter Euro 39.000 (Basispreis € 36.XXX) nur den Citroen Roadcamp (5.4 m lang, Euro 6) mit WC / Dusche von Pössl gekauft. So komm ich um das Vergnügen mit dem VW Bulli oder dem hier dargestellten Campster (Billig-Bulli) mich in der Natur zu erleichtern und das Papier unter einem Stein zu verstecken oder in den Busch zu werfen und trotzdem werde ich mir trotz dieser großartigen und speziellen Naturverbundenheit kein Fahrzeug mehr ohne diese "Nasszelle" kaufen.
norbertbrummer 19.06.2018
5. 42599,-€...
... sind nicht billig.
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