Porsche 911 Cabrio: Endlich ein Dach über dem Kopf

Von Tom Grünweg

Porsche 911 Cabrio: Offen gestanden Fotos
Porsche

Mit einem Porsche Cabrio fahren - für viele Menschen ist das ein Traum. Bislang leider einer, der zum Alptraum wurde, sobald das Verdeck hochgeklappt war. Beim neuen 911-Cabrio ist damit endlich Schluss.

Mal ganz ehrlich: Bisher stand man als frischluftversessener Porsche-Fan vor einer quälenden Grundsatzentscheidung. Entweder, man wollte ein schönes Auto - dann griff man zum klassischen 911. Oder man wollte unbedingt offen fahren - dann saß man im 911 Cabrio. Und das sah wirklich nur im offenen Zustand akzeptabel aus. War das Verdeck geschlossen, konnte man als Ästhet nur noch die Flucht ergreifen. Von der schlichten und gleichzeitig eleganten Linie des 911 war dann nichts mehr übrig. Stattdessen sah der Wagen aus, als hätte man ihm eine zu kleine und schlecht sitzende Mütze verpasst.

Doch das ist jetzt endlich anders - und deswegen geht es in diesem Fahrbericht vor allem um das, was Porsche nüchtern "Flächenspriegelverdeck" nennt, was aber nicht weniger ist als eine kleine Revolution. Es ist genau dieses Konvolut aus Magnesium, Stoff und Hydraulikleitungen, das den Reiz des neuen Modells ausmacht.

Erkennbar wird das schon beim ersten Blick auf das Auto, das im März zu Preisen ab 100.532 Euro in den Handel rollt. Denn zum ersten Mal sieht die Cabrio-Variante auch dann richtig gut aus, wenn das Dach geschlossen ist. Die Textilbahnen spannen sich tadellos übers Auto. Sähe man nur den Schattenriss, der Unterschied zwischen Coupé und Cabrio wäre kaum mehr zu erkennen.

Ein als Verdeck getarntes Hardtop

Möglich machen das jene Flächenspriegel. Wurden Cabrioverdecke bislang ähnlich wie ein Zelt an schmalen Stangen aufgezogen, setzt Porsche auf zwei breite Streben aus Magnesium, die in den Stoff eingenäht sind. Bei geöffnetem Verdeck werden die Teile zusammen mit der großen Heckscheibe wie ein Sandwich hinter der Rückbank gestapelt. Surrt das Dach auf Knopfdruck - das dauert 13 Sekunden und funktioniert bis Tempo 50 - nach oben, legen sich die zwei Magnesiumplatten bündig zwischen Front- und Heckscheibe.

So zeichnen sich, von außen betrachtet, weder Spriegel (so nennt man das Cabriogestänge) ab, noch entstehen irgendwelche Dellen. Und von innen streicht man mit den Fingern staunend über einen hart und formfest verkleideten Himmel. Kein Wunder, dass dieses Verdeck auch beim Fahren eine gute Figur macht und man selbst dann kaum ein Rauschen oder Pfeifen hört, wenn man über die linke Spur sticht. Solange man die aus dem 911-Coupé bekannten Sechszylinder-Boxermotoren mit wahlweise 350 oder 400 PS dabei nicht voll ausdreht oder das Spitzentempo von mehr als 300 km/h ausprobiert, klingt der Antrieb durch das Flächenspriegelverdeck beinahe enttäuschend weit weg.

Eigentlich fehlt nicht mehr viel zum versenkbaren Hardtop, wie der BMW Z4 oder der Mercedes SL eines tragen. Dass Porsche diesen Begriff trotzdem meidet wie der Teufel das Weihwasser, liegt am puristischen Image, das die Schwaben dem Elfer so gerne mit auf den Weg geben wollen.

Windschott statt Nackenföhn

Die massiven Klappdächer der Konkurrenz gelten nämlich zwar einerseits als komfortabel und besonders wetterfest, andererseits aber auch als schwer und sperrig - und damit als durch und durch unsportlich. Die Porsche-Lösung dagegen braucht nicht mehr Platz als früher, und schwerer als die klassische Konstruktion des Vorgängers ist das 36 Kilo wiegende neue Verdeck auch nicht.

Puristisch ist das neue 911-Cabrio trotzdem nicht, im Gegenteil: So kommod und komfortabel wie das neue Modell war bislang noch kein Cabrio aus Zuffenhausen. Da wäre es nur konsequent, wenn Porsche auch noch einen Nackenföhn in die Sitze gebaut hätte, wie man ihn zum Beispiel aus dem Mercedes SL kennt. Das aber verkniffen sich die Porsche-Leute. Sie tun das Gebläse als Extra für Warmduscher ab.

Doch dieser Verzicht macht aus dem luxuriösen Sonnenschein-Sportler noch lange keinen Rennwagen für Allwetter-Piloten. Schließlich gibt es für die frische Generation neuerdings ein Windschott, das sich auf Knopfdruck sogar elektrisch aufstellt.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch bei ausgefahrenem Windschott, voll aufgedrehter Klimaanlage und angeschalteter Sitzheizung bleibt der Porsche 911 ein Sportwagen. Selbst mit dem verlängerten Radstand und der breiteren Spur, dem Doppelkupplungsgetriebe und zahlreichen elektrischen Assistenzsystemen fährt das Cabrio sportlicher, schneller und schärfer, als die Mehrheit seiner Besitzer es auszuprobieren wagen werden. Zum ersten Mal macht es dabei aber auch geschlossen eine gute Figur.

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insgesamt 25 Beiträge
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    Seite 1    
1. Alptraum
Hamberliner 09.02.2012
Zitat von sysopMit einem Porsche Cabrio fahren - für viele Menschen ist das ein Traum. Bislang leider einer, der zum Alptraum wurde, sobald das Verdeck hochgeklappt war. Beim neuen 911-Cabrio ist damit endlich Schluss. Porsche 911 Cabrio: Endlich ein Dach über dem Kopf - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,813864,00.html)
Aus der Sicht des Publikums (nicht des Besitzers) besteht bei einem Cabrio der ästhetische Alptraum, das aller-ekligste darin, dass der Besitzer zu dämlich, ungeschickt oder schnöselig zu sein scheint, das Verdeck mit Handarbeit auf- und zuzuklappen und stattdessen - bsiuuuu - ein Elektromotor seine Arbeit verrichtet wie im elektrisch verstellbaren Duschsitz eines Schwerbehinderten. Dass man bei einem KfZ die technische Funktionalität der Einzelkomponenten, warum also nicht auch die Spriegel eines Cabrio-Verdecks, von außen sieht kann der Ästhetik doch nur förderlich sein. Wozu sonst sind bei Porsche die Bremszangen knallrot, wozu sonst verzichtet man bei Motorrädern gern auf Verkleidungen, wozu sonst schwärmen Flugzeug-Oldtimer-Liebhaber von Sternmotoren, wozu sonst verbauen Architekten gern gläserne Aufzüge.
2. Dass die massiven
dani216 09.02.2012
Zitat von sysopMit einem Porsche Cabrio fahren - für viele Menschen ist das ein Traum. Bislang leider einer, der zum Alptraum wurde, sobald das Verdeck hochgeklappt war. Beim neuen 911-Cabrio ist damit endlich Schluss. Porsche 911 Cabrio: Endlich ein Dach über dem Kopf - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Auto (http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,813864,00.html)
Klappdächer sperrig sind. ist klar. Dagegen sind sie nur in der Sprachregelung von Porsche 'unsportlich'. Da veräppelt Porsche seine Kunden aber gehörig. In Wirklichkeit ist im 911 kein Platz für ein massives Klappdach. Wo sollte das auch hin bei dem Heckmotor?
3.
LeToubib 09.02.2012
Zitat von sysop[...] Und das sah wirklich nur im offenen Zustand akzeptabel aus. War das Verdeck geschlossen, konnte man als Ästhet nur noch die Flucht ergreifen. Von der schlichten und gleichzeitig eleganten Linie des 911 war dann nichts mehr übrig. Stattdessen sah der Wagen aus, als hätte man ihm eine zu kleine und schlecht sitzende Mütze verpasst [...]
Ich finde, da muss man durch, wenn man ein offenes Auto haben möchte: Mein Engländer hatte, als er 1962 das erste Mal auf den Markt kam, nicht einmal ein Klappverdeck, erst ab dem Mk II bekam eines. Sofort wurde gelästert, das schöne "Dior-Modell" wäre jetzt mit einer Küchenschürze verschandelt worden! Nichts Neues also ...
4. Das wird wohl eher
knieselstein 09.02.2012
Zitat: "Da wäre es nur konsequent, wenn Porsche auch noch einen Nackenföhn in die Sitze gebaut hätte, wie man ihn zum Beispiel aus dem Mercedes SL kennt. Das aber verkniffen sich die Porsche-Leute. Sie tun das Gebläse als Extra für Warmduscher ab." den dann anfallenden Linzenzgebühren als der Verteidigung sportlicher Werte gelegen haben ;-)
5. gelungen
bluemetal 09.02.2012
Ein ziemlich cleverer und gelungener Schachzug von Porsche, ein faltbares Hardtop mit Stoffbezug.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Porsche
Typ: 911 Cabrio
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: Sechszylinder-Boxer-Direkteinspritzer
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsautomatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 3.436 ccm
Leistung: 350 PS (257 kW)
Drehmoment: 390 Nm
Von 0 auf 100: 4,8 s
Höchstgeschw.: 284 km/h
Verbrauch (ECE): 8,4 Liter
CO2-Ausstoß: 198 g/km
Kofferraum: 135 Liter
Preis: 104.042 EUR


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