Autogramm Porsche 911 Elfer mit Pfiff

Unter der Haube des Porsche 911 ist eine Revolution geschehen: Der Saugmotor wurde rausgeschmissen und durch einen Turbo ersetzt. Ein Sakrileg? Im Gegenteil. Der neue Antrieb passt viel besser zu diesem Auto.

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Porsche

Der erste Eindruck: Ewige Ikone. Ja, der Neunelfer ist über die Jahre in die Breite gegangen. Aber seien wir ehrlich - das geht doch vielen von uns so.

Das sagt der Hersteller: "Jede neue 911-Generation überzeugt durch gleichzeitige Performance- und Effizienzsteigerung im Vergleich zum Vorgänger." Das stimmt. Doch um diesem Anspruch gerecht werden zu können, war bei der Überarbeitung des Modells 991 eine drastische Änderung nötig.

"Wir hatten unsere Grenzen erreicht", sagt der Entwicklungsleiter der Porsche-Boxermotoren, Thomas Brandl, und meint damit die Optimierung des Saugmotors. Denn mehr Leistung ist bei diesem Antriebskonzept nur durch höhere Drehzahlen und größeren Hubraum möglich - aber das hätte einen steigenden Spritverbrauch zur Folge gehabt. "Deshalb", sagt Brandl, "gab es keine andere Lösung als den Turbo."

So haben die Entwickler erstmals seit mehr als 50 Jahren ein Ladedruck-Aggregat in den Basis-Elfer gesetzt. Bei Turbomotoren wird Luft durch eine Turbine verdichtet und in die Brennkammern der Zylinder gepresst. Der zusätzliche Sauerstoff sorgt für eine effizientere Verbrennung des Kraftstoff-Luft-Gemischs.

In Zahlen ausgedrückt: Der neue 911 Carrera hat 20 PS mehr als sein Vorgänger (370 PS) und verbraucht laut offiziellen Angaben auf dem Papier 0,8 Liter weniger Sprit auf hundert Kilometer (7,4 Liter). Der neue 911 Carrera S hat ebenfalls 20 PS mehr (420 PS) und verbraucht einen Liter Super Plus weniger auf hundert Kilometer (7,7 Liter).

Das ist uns aufgefallen: Sorry, liebe Romantiker - aber der Elfer schlüpft jetzt noch mehr in die ihm zugedachte Rolle. Denn der Turbo hat großen Anteil daran, dass der Sportwagen alltagstauglicher wird. Genau das ist der 911 ja längst: Ein Auto für die Pendler von zu Hause zur Anwaltskanzlei, ein technisch hochentwickeltes Fahrzeug, mit dem Eltern ihre Kinder zur Privatschule bringen. Stadtmobil und Statussymbol zugleich. Eher dem Komfort verpflichtet als der Kompromisslosigkeit.

Kleines Beispiel gefällig? Die Karosserie beim neuen Modell ist zwar um einen Zentimeter abgesenkt worden. Gleichzeitig lässt sich das Auto jetzt aber auf Knopfdruck an der Vorderachse um drei Zentimeter anheben - damit man auch weiterhin bei der Garagenauffahrt nicht am Boden schrammelt.

Weil der Turbo wie ein Schalldämpfer wirkt, wird das bei hohen Drehzahlen porschetypische Motorkreischen etwas leiser. Wer möchte, kann das kompensieren, denn ebenfalls auf Knopfdruck öffnen sich die Auspuffklappen, und sobald der Fuß vom Gas geht, bollert es laut. Aber der gekünstelte Krach passt einfach nicht zum 911 Carrera. Er klingt dann unecht, wie ein Mensch mit verstellter Stimme.

Der Elfer hat das eigentlich nicht nötig. Denn natürlich ist er, den vielen Zugeständnissen an die Bequemlichkeit zum Trotz, ein Sportwagen mit Klasse. Bei der Testfahrt auf einer steilen Bergstrecke lässt er sich präzise um die Kurven zirkeln. Keine Spur von einem Turboloch beim Beschleunigen aus den Kehren heraus.

Die größte Befürchtung der Sauger-Fraktion ist ja, dass durch den Turbo das Ansprechverhalten des Wagens leidet und der Elfer nicht mehr so präzise am Gas hängt. Hier kommt die Entwarnung, Freunde der Drehzahlen: Sobald man den Fuß auf dem Pedal senkt, spürt man auch beim neuen 911 unmittelbar den Schub.

Der erwähnte Knopf fürs garagenauffahrttaugliche Anheben der Karosserie steht also für die gezüchtigte Facette dieses Wagens; es gibt aber auch einen Schalter, der das wildere Wesen des neuen 911 verdeutlicht: den Response Button. Er befindet sich direkt am Lenkrad. Drückt man ihn, steht für 20 Sekunden mehr Ladedruck zur Verfügung, die Motorsteuerung wird auf Beschleunigung optimiert und man schießt mit Extra-Boost davon.

Alltag mit Ekstase auf Abruf - das passt ganz gut zum Elfer.

Das muss man wissen: Gleichzeitig mit den Coupé-Varianten kommt auch das neue 911 Cabrio auf den Markt. Die Preise liegen zwischen 96.605 Euro und 123.856 Euro.

Sowohl im Porsche 911 Carrera als auch im 911 Carrera S steckt ein Sechszylinder-Boxermotor mit drei Liter Hubraum im Heck. Die höhere Leistung des S-Modells ergibt sich aus einem größeren Turbolader.

20 Kilo mehr als der Vorgänger wiegt der neue 911. Das liegt vor allem am Turboantrieb und dem Ladeluftkühler, die im Vergleich zum Saugermotor aus mehr Teilen bestehen und damit schwerer sind. Trotz der zusätzlichen Kilos ist der neue Neunelfer im Sprint von 0 auf Tempo 100 schneller geworden: Der Carrera braucht im besten Fall 4,2 Sekunden, der Carrera S 3,9.

Der Basis-Elfer lässt sich sowohl mit Handschaltung als auch mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) bestellen. Auch beim PDK können die Gänge wie beim Vorgängermodell manuell ausgewählt werden - allerdings haben die Entwickler etwas Entscheidendes verändert: Jetzt muss man den Wählhebel zum Hochschalten nach vorne drücken und zum Runterschalten nach hinten ziehen. Davor war es umgekehrt. Grund dafür, heißt es bei Porsche, sei die Anpassung an die Rennsportmodelle.

Das werden wir nicht vergessen: Die Fahrt bei offenem Fenster und die kurze Verwunderung, woher denn das Pfeifen kommt. Tinnitus? Nein - der Turbolader.



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insgesamt 213 Beiträge
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Seite 1
chr.reinhard 07.11.2015
1.
Porsche ist seit mehreren Jahren tot.
der_neue_Student 07.11.2015
2. mein Senf
Zitat: n Zahlen ausgedrückt: Der neue 911 Carrera hat 20 PS mehr als sein Vorgänger (370 PS) und verbraucht laut offiziellen Angaben auf dem Papier 0,8 Liter weniger Sprit auf hundert Kilometer (7,4 Liter). Der neue 911 Carrera S hat ebenfalls 20 PS mehr (420 PS) und verbraucht einen Liter Super Plus weniger auf hundert Kilometer (7,7 Liter). Mal 'ne Frage. Schaut ihr euch nur den Katalog an? Warum nicht die Gurke einen oder zwei Tage ausleihen. So fahren, wie man sich das mit einem Porsche vorstellt und dann einfach melden ja wir haben so um die 20 Liter auf 100 km verbraten und es hat Spass gemacht.
ramuz 07.11.2015
3. Oh Gott....
.. wo war ich denn dann letzte Woche??
spon-44v-irg0 07.11.2015
4. Wo ist die Story?
Porsche baut doch schon immer Hammer Turbos......nun auch endlich bei den Einsteigermodellen.....
b.toennies 07.11.2015
5. Also etwas mehr Tiefgang und Details...
hätte ich mir schon gewünscht... Saugmotor, Turbo ??? Wenn mich nicht alles täuscht gibt es das "normale" Topmodell "Porsche 911 4s Turbo" schon seit Jahren mit nem Turbolader. Saugmotor steht eigentlich eher im Gegensatz zum Direkteinspritzer ??? aber beide Einspritzprinzipien kann man mit einem Turbo auf die Sprünge helfen. Den Übergang haben vom Sauger zum Direkteinspritzer haben BMW und Mercedes schon ca. 2010 vollzogen als Sie "leider" die letzten humbraumstarken Saugmotoren (5Liter 8 Zylinder) aus dem Programm genommen haben. Saugmotor bedeutet eigentlich auch das man den noch problemlos auf LPG umrüsten kann - wäre jetzt ein neuer Aspekt sich für einen Porsche zu interessieren ;-)
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