Von Jürgen Pander
Die bisherige 911er Baureihe 996 war erfolgreich wie noch keine vor ihr. Mehr als 160.000 Exemplare verkaufte Porsche seit deren Premiere vor sieben Jahren. Ab 17. Juli fährt nun die sechste Generation des Porsche 911 Carrera vor, intern 997 genannt. Keiner mag es sagen, aber alle wissen es: Wenn nichts wirklich Dramatisches passiert, wird der neue 911er den gerade aufgestellten Absatzrekord wiederum verbessern.
So ist das bei Porsche seit einigen Jahren: Ganz gleich wie es bei anderen Marken oder in der Autoindustrie insgesamt läuft, die Zuffenhausener fahren vorneweg. Damit das Unternehmen nicht in die "Erfolgsfalle tappt", will Vorstandschef Wendelin Wiedeking "die Messlatte eben noch ein Stück höher legen". Was das heißt, ist beim neuen Porsche 911 zu sehen. Der Wagen ist inzwischen so fest im kollektiven Automobilfundus verankert, dass er nur noch millimeterweise verändert werden kann - beim Design und bei der Technik. Aber es sind entscheidende Millimeter.
Das neue Modell wurde im Vergleich zum Vorgänger beispielsweise um drei Millimeter gekürzt. Das erkennt kein Mensch. Und doch nimmt man wahr, dass der Wagen jetzt bulliger und muskelbepackter wirkt. Viele kleine Details lösen diesen Eindruck aus: Eine um 38 Millimeter breitere Karosserie, waagerechte Lüftungsschlitze am Heck, Außenspiegel mit filigranen Doppelholmen, massive Bügeltürgriffe und Räder, die aus dem Auto zu quellen scheinen. "Außenhautbündig", nennt Designer Matthias Kulla diese kompakt-kraftmeiernde Anordnung. Die reaktivierten Rundscheinwerfer dagegen bringen eine klassische Note in die Gesamtoptik.
"85 Prozent der Teile des neuen 911 sind neu", sagt Wiedeking. Aber zugleich müsse gerade dieses Auto so viel "Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit wie möglich bieten". Das ist der Grund, warum die 911-Evolution nur millimeterweise vorankommt. Es gelte, die seit 1963 bestehende Grundform "zu pflegen und behutsam weiterzuentwickeln", beschreibt Baureihenleiter August Achleitner seinen Job.
| Hersteller: | Porsche |
| Typ: | 911 Carrera |
| Karosserie: | Coupé |
| Motor: | Sechszylinder-Benziner-Boxer |
| Hubraum: | 3.596 ccm |
| Leistung: | 325 PS (239 kW) |
| Drehmoment: | 370 Nm |
| Von 0 auf 100: | 5 s |
| Höchstgeschw.: | 285 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 11 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 261 g/km |
| Kofferraum: | 135 Liter |
| Versicherung: | 14 (HP) / 29 (TK) / 27 (VK) |
| Preis: | 75.200 EUR |
In der 232 Seiten dicken Betriebsanleitung, die das Handschuhfach fast komplett ausfüllt, heißt es gleich am Anfang überschwenglich über den Wagen: "Er ist mehr 911 als alles seine Vorgänger. Er ist einer der vernünftigsten Sportwagen der Welt." Man muss ja nicht gleich ausflippen, doch in seiner Klasse setzte der neue 911er durchaus die Eckpunkte. Der bekannte 3,6-Liter-Boxermotor leistet jetzt fünf PS mehr und tritt souverän und druckvoll an wie eh. In keinem anderen Auto funktioniert Schnellfahren so würdevoll und elegant. Vielleicht ist auch das ein Resultat aus nunmehr 41 Jahren Erfahrung mit dieser Baureihe.
Gut gelungen ist auch das neue Interieur des 911er, das nun geradliniger und moderner aussieht. Die Lenksäule lässt sich nun zweifach verstellen, die neuen Sitze geben besseren Halt und serienmäßig sechs Airbags bedeuten eine verbesserte passive Sicherheit. Ein aktives Dämpfungssystem bietet Porsche erstmals für den 911 an, es kostet 1508 Euro Aufpreis und eröffnet dem Fahrer die Möglichkeit, zwischen einer komfortablen und einer besonders straffen Abstimmung zu wählen.
Serienmäßig installiert ist dieses PASM-Fahrwerk (Porsche Active Suspension Management) beim Modell 911 Carrera S. Diese äußerlich vom normalen 911er nur am Heckschriftzug und an zwei Doppelauspuff-Endrohren zu unterscheidende Version ist für besonders enthusiastische Porschefans gedacht. Der Sechszylinder-Boxer wurde auf 3,8 Liter Hubraum aufgebohrt, die Leistung kletterte auf 355 PS (261 kW) und das Drehmoment auf 400 Newtonmeter. Vor allem aber ist der Carrera S, der knapp 10.000 Euro mehr kostet, 293 km/h schnell. Das bringt 911-S-Fahrern den entscheidenden Kick, wenn ihnen mal wieder ein BMW M3 oder ein Mercedes SL AMG auf die Pelle rückt. Denn: Tradition verpflichtet.
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