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25. Februar 2006, 08:57 Uhr

Porsche 911 GT3

Drehen, bis das Licht kommt

Porsche lässt es beim Genfer Autosalon richtig krachen. Neben dem neuen 911 Turbo zeigen die Zuffenhausener dort auch den neuen 911 GT3, das stärkste Stück der Baureihe mit Saugmotor. Auch dieses Auto stellt seinen Vorgänger weit in den Schatten.

Vielleicht ist es ganz gut, dass in 50 oder 60 Jahren der letzte Tropfen Benzin verbrannt sein wird. Denn wo käme zum Beispiel eine Firma wie Porsche hin, wenn es immer so weiterginge wie bisher? Zu Autos mit 600, 700, 1000 oder noch mehr PS? Vermutlich ja. Denn die eherne Regel des Fortschritts im Sportwagenbau heißt ganz simpel: mehr. Diesen Grundsatz befolgt auch der neue 911 GT3, der in der kommenden Woche beim Genfer Salon präsentiert wird.



"Das Kürzel GT3 steht bei der Elfer-Baureihe für puren, unverfälschten Fahrspaß", umwirbt Porsche sein neues Modell. Und der Spaß hat es fürwahr in sich: Der 3,6-Liter-Boxer-Saugmotor im neuen Modell leistet jetzt 415 PS (305 kW) und lässt damit laut Auskunft aus Zuffenhausen alle anderen Seriensportwagen mit Straßenzulassung hinter sich. Wie andere auch setzen die Porsche-Entwickler auf die Magie der Drehzahl: Der neue Motor lässt sich bis auf 8400 Umdrehungen pro Minute hochjubeln - was entscheidend ist für die Kraftentwicklung.

Neben weiteren Modifikationen am Ansaugsystem, am Zylinderkopf und an der Abgasanlage erhielt das neue Gefährt ein überarbeitetes Sechsganggetriebe. Damit der Fahrer beim Sortieren der Gänge den Überblick behält, gibt es nun im Cockpit eine "Hochschaltanzeige". Sobald die ideale Drehzahl für den Wechsel in den nächsthöheren Gang erreicht ist, blinkt eine Lampe im Drehzahlmesser auf. Dann wird es Zeit, zum Schaltknüppel zu greifen.

Wer dies behende schafft, kann das Auto in lediglich 4,3 Sekunden von 0 auf Tempo 100 beschleunigen. Bis Tempo 160 vergehen gerade mal 8,7 Sekunden. Und erst bei 310 km/h ist Schluss mit der Beschleunigungsorgie. Exakt so schnell fährt übrigens auch der neue Porsche Turbo, der allerdings ein paar Zehntelsekunden rascher vom Fleck kommt als der GT3. Die Minimalabstände - aus Sport-Ergebnislisten hinlänglich bekannt - werden nun also auch für Sportwagenhersteller zunehmend relevant.

Damit der gestärkte Boxermotor seine Kraft nicht durch das Verbrennen von Gummi verpulvert, gibt es eine elektronisch geregelte Traktionskonstrolle, die den 19-Zoll-Rädern exakt so viel Drehmoment zuführt, wie sie gerade vertragen. Wer auf der Rennstrecke mit Drifts glänzen möchte, kann dieses Hilfssystem abschalten. Außerdem gibt es erstmals im GT3 ein aktives Fahrwerk, das dem Geschmack des Fahrers und den Bedingungen unter dem Auto angepasst werden kann.

Ab Mai wird der neue Porsche GT3 ausgeliefert. In Deutschland wird das Auto 108.083 Euro kosten - rund 25.000 Euro weniger, als man für den 911 Turbo hinlegen muss. Oder anders gerechnet: Jede Zehntelsekunde, die der Turbo beim Standardsprint schneller ist, lässt sich Porsche mit rund 6000 Euro bezahlen. So funktioniert Marktwirtschaft manchmal auch.

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