Porsche Boxster: Billiger wird's nicht

Von Jürgen Pander

Derzeit stellt Porsche in Pörtschach am Wörthersee den neuen Boxster vor. Allabendlich verkünden die Verantwortlichen bei der Pressekonferenz, es werde "auch in Zukunft kein Porsche-Modell geben, das billiger ist als der Boxster". Und der kostet Minimum 43.068 Euro.

Porsche Boxster : Die Neuauflage des Retters

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Anfangs wurde er belächelt. Von einigen zumindest. Kann ein Auto wie der Boxster ein echter Porsche sein? Die Frage ist längst beantwortet, und zwar mit Ja. Wäre es 1996, als der erste Boxster vorgestellt wurde, tatsächlich schief gegangen, sähe die Sportwagenwelt heute anders aus. "Der Boxster hat dafür gesorgt, dass Porsche bei den Geschäftszahlen wieder die Kurve gekriegt hat", sagt Anton Hunger, der Sprecher des Unternehmens. Das Modell habe die wirtschaftliche Gesundung der Traditionsmarke "überhaupt erst ermöglicht".

Nach gut 160.000 verkauften Boxster-Modellen der ersten Generation fragt jetzt keiner mehr, ob der neue Wagen überhaupt ein echter Porsche sei. Zugleich machen die Zuffenhausener klar: Dieses Auto wird nicht mehr unterboten. Wer Porsche fahren möchte, muss mindestens zum Boxster greifen - oder es eben lassen. Ab 27. November wird der Neue bei den Händlern stehen, in der Standardversion und als Boxster S zum Preis von 51.304 Euro. Die S-Version verfügt über größere Räder, Sechsgang-Getriebe, einen dritten Lufteinlass in der Frontschürze, ein Doppel-Auspuffendrohr, sowie 40 PS mehr Leistung und 50 Newtonmeter mehr Drehmoment.

Boxster-Innenraum: Es fehlt an Raffinesse

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Klar, das klingt verlockend, aber man braucht es nicht. Der Standard-Boxster ist eigentlich schon sportlich genug, wie wir auf gut 300 Kilometern kreuz und quer durch Kärnten erfahren konnten. Der Wagen hat Biss, faucht und grollt mit zunehmender Drehzahl und bewegt sich sowohl geschmeidig als auch nachdrücklich durch Kurven und Serpentinen, über Kuppen und Geraden. Jedes PS (es gibt 240 davon) muss lediglich 5,4 Kilogramm Auto bewegen - das macht die Sache buchstäblich babyleicht. Das Hantieren auf dem Fahrersitz macht richtig Laune: Lenken, Schalten, Gasgeben, Kuppeln und Bremsen passieren fast automatisch. Das Auto umfängt einen regelrecht, man wird eingefasst von den straffen Wangen der Sportsitze und fährt auf Anhieb drauflos, als hätte man nie etwas anderes getan.

Fahrzeugschein
Hersteller: Porsche
Typ: Boxster
Karosserie: Cabrio/Roadster
Motor: Sechszylinder-Benziner-Boxer
Hubraum: 2.687 ccm
Leistung: 240 PS (176 kW)
Drehmoment: 270 Nm
Von 0 auf 100: 6,2 s
Höchstgeschw.: 256 km/h
Verbrauch (ECE): 9,6 Liter
CO2-Ausstoß: 228 g/km
Kraftstoff: Superplus
Kofferraum: 280 Liter
Versicherung: 12 (HP) / 25 (TK) / 25 (VK)
Preis: 43.068 EUR
Das ist Porschefahren anno 2004. Der neue Boxster ist ein durch und durch ausgewogenes Auto. Ein Sportwagen mit dreilagigem Faltverdeck, das sich bis Tempo 50 in zwölf Sekunden auf Knopfdruck öffnet oder schließt. Lediglich zum Ent- oder Verriegeln ist noch ein Handgriff nötig. Die Windgeräusche stören kaum, der Motorklang untermalt das Dahinschnurren - aber auch bei 150 km/h ist noch ein Gespräch im Auto in Normallautstärke möglich. Man könnte sich zum Beispiel darüber unterhalten, wie hübsch die beiden üppig geschwungenen Kotflügel den Blick nach vorne einrahmen. Oder diskutieren, ob es sich lohnt, für 20 Liter mehr Gepäckvolumen (150 Liter vorne, 130 Liter hinten) auf ein Notrad zu verzichten und dafür nur noch ein Reifenpannenset an Bord zu haben.

Das Schwierigste am neuen Boxster ist es, ihn überhaupt als solchen zu erkennen. Gewiss, Porsche-Kenner werden das auf den ersten Blick sehen. Aber allzu viele Merkmale gibt es nicht, mit denen sich das neue Modell vom bisherigen unterscheidet. Die jetzt runden Frontscheinwerfer sind noch der auffälligste Unterschied. Dazu kommen diverse Kleinigkeiten an der Karosserie, die nun wuchtiger und straffer wirkt. "80 Prozent der Boxster-Bauteile sind neu", sagt Projektleiter Hans-Jürgen Wöhler. Die Gleichteilquote zwischen neuem Boxster und neuem 911er liegt bei etwa 55 Prozent. Die Ingenieure und Designer in Zuffenhausen halten es offenbar für ganz selbstverständlich, dass Porsche-Fahrzeuge sich nur noch im Millimeterbereich verändern. "Dinge nähern sich dann der Vollkommenheit, wenn es immer schwerer fällt, ihnen etwas hinzuzufügen", erklärt Unternehmenssprecher Hunger.

Offen und sicher: Der erste Roadster mit Kopfairbags

Offen und sicher: Der erste Roadster mit Kopfairbags

Etwas haben die Entwickler dann doch noch gefunden: Der Boxster ist der weltweit erste Roadster mit Kopfairbags und damit insgesamt sechs Luftsäcken, die im Falle eines Unfalls das Verletzungsrisiko der Insassen reduzieren sollen. Die Kopfairbags stecken in den Türverkleidungen und funktionieren laut Porsche auch bei geöffnetem Verdeck. Naja, und dann gibt es jede Menge Dinge, mit denen sich der Boxster zusätzlich aufwerten lässt. Keramikbremsen für 7830 Euro zum Beispiel oder die elektronische Fahrwerkssteuerung PASM für 1508 Euro oder das ästhetisch empfehlenswerte Dreispeichen-Lenkrad für 423,40 Euro. Wie eingangs schon erwähnt: Billiger als 43.068 Euro wird's auf keinen Fall.

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