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Porsche Boxster E: Rasanter Stromschlucker

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Wenn VW, Smart oder Opel ein Elektroauto bauen, steht die CO2-Senkung im Vordergrund. Das interessiert Porsche zwar auch, doch auch bei grünen Themen wollen die Zuffenhausener nicht auf Rasanz verzichten. Und so geriet der elektrische Boxster nicht nur sehr schnell, er klingt auch so.

Porsche Boxster E: Zisch und weg! Fotos

Das Auto ist flott. Die Dynamik ist allerdings das Einzige, was dieser spezielle Boxster mit den Serienmodellen gemein hat. Die Sonderlackierung im grellen Orange von Hochvolt-Kabeln abgeleitet weist darauf hin: Dieses Auto ist eines von dreien, die Porsche für einen Flottenversuch in Stuttgart auf Elektroantrieb umgerüstet hat.

Dass der Zweisitzer trotzdem so ähnlich klingt, als habe er einen Boxermotor an Bord, liegt an der Technik. "Der Motorsound gehört ganz klar zum Fahrerlebnis", sagt Entwickler Günther Höchsmann. "Deshalb verfügt der Wagen über einen Soundgenerator mit Lautsprechern nach innen und außen." Die künstliche Beschallung gehört zum Testprogramm. Irritierenderweise klingt der virtuelle Motor, der im Leerlauf brabbelt und bei Vollgas brüllt, eher nach einem amerikanischen V8 als nach einem schwäbischen Sechszylinder-Boxer. "Wir experimentieren noch", räumt Projektleiter Michael Dimitrov ein.

Die Idee für ein Elektroauto von Porsche gibt es schon länger, grünes Licht und ein kleines Budget für so ein Fahrzeug jedoch erhielten die Ingenieure erst im vergangenen Sommer. Zum Jahreswechsel stand das erste Auto für die praktische Erprobung bereit. Unter anderem mit einem fast sieben Zentner schweren Lithium-Eisen-Phosphat-Akku, der exakt in die vorhandenen Motorlager passt und inklusive der Flüssigkeitskühlung eine Eigenentwicklung ist.

Der Stromspeicher verfügt über eine Kapazität von 29 kWh, von denen 26 kWh genutzt werden können. Das ist für eine Batterie ein hervorragender Wert und macht bei behutsamer Gangart eine theoretische Reichweite von 170 Kilometern möglich. Doch räumen die Entwickler ein, dass der Akku bei sportlicher Fahrweise auch schon nach einer halben Stunde leer sein kann. "29 kWh entsprechen gerade einmal der Energie von 2,8 Litern Superbenzin", sagt Dimitrov.

Zum Vergleich: Der Serien-Boxster hat einen 64-Liter-Tank. Die Größe relativiert sich allerdings ein wenig, wenn man den besseren Wirkungsgrad eines Elektromotors in Rechnung stellt.

Während der Akku eine Eigenentwicklung ist, stammen andere Teile aus den Regalen des VW-Konzerns. Etwa der 122 PS starke Elektromotor, der auch beim E-Golf zu Einsatz kommt. Er treibt bei den ersten beiden Prototypen die Hinterräder an, bei einem dritten Fahrzeug gibt es je eine dieser Maschinen an Vorder- und Hinterachse.

Extreme Beschleunigung - und ein innovatives Anzeigesystem

Knapp 250 PS und 540 Nm, ein Spurtvermögen von 5,5 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100, eine Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h und eine Reichweite von 170 Kilometern - selbst wenn der Prototyp diese Zielvorgaben noch nicht ganz erreicht, ist Fahrspaß auf der ersten Spritztour garantiert. Denn zumindest beim Ampelspurt lässt man mit dem E-Boxster nicht nur das benzingetriebene Pendant, sondern auch den Porsche 911 stehen. Mit diesem Beweis sind die Zuffenhausener allerdings recht spät dran. Dass saubere Autos auch rasant sein können, ist seit dem Tesla Roadster keine Überraschung mehr.

Deshalb geht es den Entwicklern beim Boxster E noch um ein paar andere Dinge. So tüfteln sie zum Beispiel am idealen Anzeigekonzept für ein Elektrofahrzeug, das bei einer realistischen Reichweite von vielleicht 100 Kilometern und Ladezyklen von neun Stunden detaillierter sein sollte als eine klassische Tankuhr. Porsche unterscheidet etwa zwischen der Reichweite auf der Landstraße und in der Stadt. "Da wird häufiger gebremst, deshalb wird der Motor öfter zum Generator, speist mehr Strom zurück in die Akkus und die Reichweite steigt", erläutert Dimitrov.

Während unserer Testfahrt beträgt der Unterschied zwischen Stadtverkehr und Landstraße bis zu 20 Kilometern oder 25 Prozent. Und auch den Preis für Komfort kann man auf dem Bordcomputer nachlesen: So reicht zum Beispiel schon das Ausschalten der Klimaanlage, um zehn Kilometer zusätzlicher Fahrstrecke zu gewinnen. Die gleichen Berechnungen gibt es für die Innenraum- und die Sitzheizung sowie für die Verdeckbetätigung. Denn mit offenem Dach steigt der Luftwiderstand und die Reichweite schrumpft.

Ein elektrisch angetriebener Serien-Porsche ist vorerst nicht vorgesehen

Eine Serienfertigung des elektrischen Boxsters schließt Projektleiter Dimitrov vorerst aus. Und selbst der Technologietransfer in den teilelektrischen Supersportwagen 918 Spyder wird sich in Grenzen halten. Denn der fast 800.000 Euro teure Hybrid-Renner bekommt nicht nur andere Motoren, sondern auch Lithium-Ionen-Akkus. "Aber als rollendes Labor ist der Boxster E für uns unbezahlbar", sagt ein Entwickler. Dabei geht es auch um durchaus alltägliche Dinge. Etwa, dass ein Elektroauto ohne Kupplung am Berg zum Beispiel kaum anfahren kann oder dass man einen Stromer nicht abschleppen darf, weil sonst die Motoren kaputt gehen.

Zwar gehört der Batterie-Bolide zu einem öffentlichen Förderprojekt, doch fahren werden den Wagen in den nächsten Monaten vor allem Porsche-Mitarbeiter. Sie sollen im Alltagseinsatz und bei der Pendelei zum Arbeitsplatz Erfahrungen sammeln. Dass der Wagen in fremde Hände kommt, ist zunächst nicht geplant, doch mindestens einem Externen würden die Porsche-Leute das Auto gerne mal vorübergehend überlassen: dem künftigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Vielleicht, so die stille Hoffnung, ließe sich der Grünen-Politiker vom machbaren Einklang zwischen flottem Fahren und geringem CO2-Ausstoß ja überzeugen.

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insgesamt 50 Beiträge
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1. Wieso CO2-Einsparung
mauimeyer 09.05.2011
Zitat von sysopWenn VW, Smart oder Opel ein Elektroauto bauen, steht die CO2-Senkung im Vordergrund.*Das interessiert Porsche zwar auch, doch auch bei grünen Themen*wollen die Zuffenhausener nicht auf*Rasanz verzichten.*Und so geriet der elektrische Boxster nicht nur*sehr schnell, er klingt auch so. http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,760793,00.html
Bei diesem Hype von E-Autos lasse ich ja vieles gelten - aber nicht CO2 Einsparung! Ein Porsche mit E-Motor ist wie eine Quarz-Uhr! Nichts "Wertiges" mehr! Austauschbar und damit ohne Zukunft! Wetten? Kauri
2. Wenn irgendwann mal...
net_worker 09.05.2011
Zitat von mauimeyerBei diesem Hype von E-Autos lasse ich ja vieles gelten - aber nicht CO2 Einsparung! Ein Porsche mit E-Motor ist wie eine Quarz-Uhr! Nichts "Wertiges" mehr! Austauschbar und damit ohne Zukunft! Wetten? Kauri
...eine Fahrt in die Innenstadt von z.B. München nur noch mit einem rein elektrischen Antrieb erlaubt ist oder mit einer hohen City-Maut wie z.B. in London belegt wird, dann s(t)inkt auch der Wert eines Porsche, der nur einen Verbrennungsmotor hat, rapide ab. Dann kann man nämlich nicht mehr einfach so auf der Maximilianstraße entlangbrettern. Auch mit einem elektrischen Antrieb bleibt ein Porsche ein Stück Qualität aus dem Schwabenland. Um dahin zu kommen müssen Tesla, Fisker und Co. noch viele Hausaufgaben machen.
3. Was hat Wertigkeit mit der Antriebsart zu tun?
Jörg Starkmuth 09.05.2011
Zitat von mauimeyerBei diesem Hype von E-Autos lasse ich ja vieles gelten - aber nicht CO2 Einsparung! Ein Porsche mit E-Motor ist wie eine Quarz-Uhr! Nichts "Wertiges" mehr! Austauschbar und damit ohne Zukunft! Wetten? Kauri
Was bitte soll an einer Dreckschleuder "wertiger" sein als an einem modernen, leistungsstarken und nebenbei noch sauberen Motor? Bei Wertigkeit geht's doch wohl um (reale und gefühlte) Qualität und nicht um die Art der eingesetzten Technologie. Schließlich ist ein Verbrenner heute ebenso alltäglich und unspektakulär, wie ein E-Motor es in absehbarer Zeit sein wird. Und bei E-Motoren wird es ebenso Standard- und High-end-Modelle geben. Oder glauben Sie, dass man im Jahr 2023 in einen Porsche den gleichen Motor einbauen wird wie in einen Polo? Wohl kaum.
4. CO2-Quatsch
bunterepublik 09.05.2011
Ich kapier diesen E-Hype nicht....Wie kann man mit Strom CO 2-Einsparen??? schon allein die Stromerzeugung mit Kohle, Gas etc....dann die Speicherung und die Verluste im E-Auto....ist doc h alles wahnsinn
5. Batteriekapazität in kWh?
nebiflor 09.05.2011
Seit wann wird Batteriekapazität in kWh gemessen? Die Kilowattstunde ist immer noch die Einheit für Energie bzw. Arbeit.
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Prototypen-Info

Porsche Boxster E

Karosserie: Roadster

Antrieb: Elektromotor

Leistung: 245 PS / 180 kW

Vmax: >200 km/h

0-100: 5,5 Sek.

Reichweite: 170 km

Akkutyp: Lithium-Eisen-Phosphat-Zellen

Akkukapazität: 29 kWh

Ladezeit: 9 Std.


Prototypen-Schnellcheck

Porsche Boxster E

Kommt bald: Elektonantrieb für Plug-In-Hybrid-Modelle. Erst beim 918 Spyder, danach wohl bei Panamera und Cayenne.

Kommt später: Ein rein elektrisch angetriebener Porsche - der fährt frühestens 2020 vor.

Kommt hoffentlich nie: Der virtuelle Motorsound. Entweder echt oder gar nicht.



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