Aus Leipzig berichtet Roman Büttner
Porsche steht unter Druck. Die Stuttgarter müssen den Verbrauch ihrer Autos senken, und zwar möglichst rasch. Mit gutem Beispiel soll nun ausgerechnet die neue Generation des sportlichen Geländegängers Cayenne voran gehen. "Wir haben die Umweltverträglichkeit des neuen Modells dramatisch verbessert", verspricht Porsche-Chef Michael Macht bei der Fahrvorstellung des Wagens im Werk in Leipzig.
Im Klartext bedeutet das: Drei der fünf zur Markteinführung am 8. Mai verfügbaren Modelle verbrauchen im Normzyklus weniger als zehn Liter Kraftstoff. Außerdem ist das SUV im Vergleich zum Vorgänger um 180 Kilogramm leichter geworden. Allerdings wird dieser Vorteil im Cayenne S Hybrid, mit dem SPIEGEL ONLINE unterwegs war, durch schwere Akkus, Elektromotoren und Elektronik gleich wieder eliminiert.
Der Hybridantrieb kann letztendlich nicht überzeugen. Zwar arbeiten das herkömmliche Aggregat mit 333 PS und der 47 PS starke Elektromotor im normalen Betrieb gut zusammen. Im Elektromodus, der Geschwindigkeiten von 60 km/h ohne den Verbrenner ermöglicht, zeigt sich jedoch das Manko der E-Maschine: Der Motor ist viel zu schwach.
Wer an einer Ampel rein elektrisch starten möchte, begibt sich auf eine Schleichfahrt und wird so zu einem ärgerlichen Verkehrshindernis - bis man Tempo 50 erreicht, vergeht eine gefühlte Ewigkeit. Tritt der Fahrer das Gaspedal weiter durch, um im Verkehrsfluss mit zu schwimmen, schaltet sich rasch der 3-Liter-V6 hinzu. Positiv ist: Der Fahrer merkt davon nichts, einziges Indiz ist der in die Höhe schnellende Drehzahlmesser.
Rekuperation beim Segeln
Gleitet man in der Stadt oder auf der Autobahn entspannt dahin - die Porsche-Verantwortlichen sprechen von Segeln - schaltet sich der Verbrenner wieder ab und ein Teil der Bewegungsenergie wird genutzt, um die Batterie zu laden. Wie bei Hybridmodellen üblich, geschieht das auch beim Bremsen.
Wer in dem Auto eine moderne Lithium-Ionen-Batterie erwartet, wird enttäuscht. Porsche setzt auf die bewährte Nickelmetall-Hydridtechnik. Ein Lithium-Ionen-Speicher dürfte frühestens zum Facelift in zwei oder drei Jahren verfügbar sein. Weil diese Akkus eine höhere Energiedichte haben, sollte sich dann auch die Performance auch im Elektromodus verbessern.
Nach Angaben des Herstellers verbraucht der Cayenne S Hybrid im Schnitt 8,2 Liter Sprit. Das ist für ein Auto mit einem Gewicht von 2240 Kilogramm durchaus bemerkenswert, in Wahrheit jedoch ein kaum zu erreichender Idealwert. Schließlich zeichnet sich jeder Porsche durch eine gewisse Sportlichkeit aus. Bei unsere Testfahrt konnten wir mit 9,9 Litern gerade eben die 10-Liter-Marke unterbieten.
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Diese Merkmale haben die Porsche-Gestalter beim neuen Cayenne jetzt stärker betont. Dadurch wirkt das Auto länger und flacher, auch wenn es tatsächlich in die Höhe gewachsen ist - wenn auch nur um sechs Millimeter.
Auch im Innenraum hat sich einiges getan. Das Zündschloss ist jetzt wie bei allen anderen Modellen links neben der Lenksäule angeordnet und im Zentrum des Cockpits blickt der Fahrer nun auf einen großen Drehzahlmesser. Das soll ebenfalls die Sportlichkeit unterstreichen. Darüber hinaus verläuft die Mittelkonsole nun schräg nach oben, und die Luftausströmer sind senkrecht platziert und nicht mehr waagerecht.
Überzeugend im Gelände
Trotz aller optischen Leichtigkeit ist der neue Cayenne noch immer ein Koloss. Das merkt man vor allem bei der Fahrt mit dem Hybrid. Die insgesamt 380 PS des Antriebssystems reichen für einen Standardsprint auf 100 km/h in 6,5 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 242 km/h. Natürlich sind das vollkommen ausreichende Werte, wirken aber gegen die 4,7 Sekunden und 278 km/h des Cayenne Turbos vergleichsweise harmlos.
Dafür überzeugt das Fahrwerk in allen Varianten des Cayenne - auf der Straße und im Gelände. Er liegt satt auf dem Asphalt und vermittelt dem Fahrer stets ein sicheres Gefühl, auch wenn die Lenkung etwas direkter sein könnte. Dank zahlreicher Assistenzsysteme wie einer speziellen Abstimmung des Achtgang-Automatikgetriebe im Offroad-Modus, optimaler Kraftverteilung zwischen den Räder und Bergabfahrhilfe sind die Geländefähigkeiten des Autos nicht nur ein Lippenbekenntnis des Herstellers. Der Cayenne erklimmt Steigungen von bis zu 80 Prozent, meistert Schräglagen von bis zu 45 Grad. Problematisch wird es bei allzu steilen Böschungen. Dann setzt der Cayenne schnell auf, was teure Reparaturen zur Folge hat.
Am dem 78.636 Euro teuren SUV ist vieles neu, doch eines hat er mit seinem Vorgänger gemein: Die Frage nach dem Sinn eines solchen Autos. Wohl kaum ein Kunde wird die Kletterkünste voll ausschöpfen und nur selten die Steigfähigkeiten bis an die Grenzen ausloten. Um die Kleinen in den Kindergarten zu fahren oder einen Pferdeanhänger von der Koppel zu ziehen, braucht man keinen Porsche. und auch wer auf der Rundstrecke auf Rekordjagd gehen möchte, wird dies wohl kaum in einem SUV machen.
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