Porsche Cayman S Die Alchemie stimmt

Bei Porsche arbeiten eher Alchemisten als Ingenieure - was sie anfassen, wird zu Gold. Stetig wachsen Absatz, Umsatz und Gewinn. Auch der neue Cayman S hat das Zeug zum Kassenschlager. Denn er ist mehr als nur eine Variante des Boxster mit festem Dach.

Von Stefan Anker


Porsche Cayman S: Knackiges Fahrgefühl, erstklassige Balance

Porsche Cayman S: Knackiges Fahrgefühl, erstklassige Balance

Es kommt immer darauf an, mit wem man redet. Michael Macht, Produktionsvorstand bei Porsche, strahlt vor allem Zufriedenheit aus, wenn er über den Cayman spricht. "Er bringt uns unserem Ziel ein gutes Stück näher, in wenigen Jahren insgesamt 100.000 Fahrzeuge jährlich zu verkaufen - wohlgemerkt: mit drei Baureihen." Und wer nachfragt, ob nicht der Cayman Kunden vom Boxster oder gar vom 911 weglocken könnte, sieht wieder dieses Siegerlächeln, diese Gewissheit, alles richtig gemacht zu haben: "Der Cayman S würde nie nachhaltig den Elfer oder unsere gesamte Profitabilität gefährden." Und: "Boxster und Cayman werden zusammen drastisch mehr verkaufen als der Boxster alleine."

Um das zu glauben, muss man das neue Auto selbst erleben - oder es von einem echten Könner erklären lassen. Walter Röhrl, Rallye-Legende der achtziger Jahre und heute Repräsentant und Testfahrer bei Porsche, lächelt auch, wenn er vom Cayman spricht. Nur anders. In Röhrls Zügen zeigt sich die Freude am Fahren eines reinrassigen Sportwagens mit Mittelmotor. "Immer wenn plötzliche Richtungswechsel gefragt sind, ist der Cayman sogar agiler als der 911." Grund dafür sei, dass der Mittelmotor des Cayman vor der Hinterachse, der Heckmotor im 911 aber dahinter liege.

Cayman-Heck: Starker Einzug, vollendete Rundungen

Cayman-Heck: Starker Einzug, vollendete Rundungen

Das zeigt sich auch in der Praxis auf kurviger Landstraße. Selbst engste Kehren nimmt der Cayman neutral und ohne das bei Sportfahrern verhasste Untersteuern - also das Geradeausschieben trotz eingeschlagener Vorderräder. Geht man am Kurvenausgang zu früh oder zu fest aufs Gas, schwänzelt der neue Porsche leicht mit dem Heck und ist oft schon mit leichtem Gegenlenken wieder auf Kurs zu bringen. Klappt das nicht, hilft immer noch das sportwagentypisch spät einsetzende PSM (Porsches ESP-Variante). Ein 911 fährt dagegen weniger leichtfüßig: Zwar bietet er dank höherer Last auf der Hinterachse mehr Kurvenhaftung - reißt die aber mal ab, dann drängt ein Elfer mit der Kraft von Thors Hammer nach außen und beschäftigt das PSM deutlich stärker. Ohne elektronische Fahrwerksregelung wäre ein Elfer in solchen Situationen "für Normalfahrer schwierig", wie Walter Röhrl sagt.

Gewiss, das sind Aspekte, die über die gewöhnlichen Kriterien zur Handhabung eines Autos hinausgehen. Aber sie müssen gewürdigt werden, wenn es sich ein Unternehmen leistet, den finanziellen Abstand zu den Produkten der Konkurrenz so groß zu halten, wie Porsche das tut. Vorstand Michael Macht sieht die Kunden für den Cayman S "vor allem vom Wettbewerb kommen - Nissan 350 Z, Audi TT, Mercedes SLK". Allerdings müssten Fahrer dieser Autos noch ein wenig sparen, um sich wirklich einen Cayman S leisten zu können. 59.825 Euro ruft Porsche für seinen Jüngsten auf, das sind nicht nur fast 25.000 Euro mehr als etwa beim Nissan; der Preis liegt sogar 7560 Euro über dem des Boxster S. Dabei sind doch geschlossene Autos sonst immer preiswerter als offene.

Fahrzeugschein
Hersteller: Porsche
Typ: Cayman S
Karosserie: Sportwagen/Coupé
Motor: Sechszylinder-Benziner-Boxer
Hubraum: 3.386 ccm
Leistung: 295 PS (217 kW)
Drehmoment: 340 Nm
Von 0 auf 100: 5,4 s
Höchstgeschw.: 275 km/h
Verbrauch (ECE): 10,6 Liter
CO2-Ausstoß: 251 g/km
Kraftstoff: Super Plus
Kofferraum: 410 Liter
Versicherung: 15 (HP) / 28 (TK) / 27 (VK)
Preis: 59.825 EUR
Porsche begründet die ungewöhnliche Preispolitik mit der aufwendigen Runderneuerung des Boxster-Konzeptes. So ist der Motor des Cayman mit Teilen aus dem 911-Aggregat aufgewertet worden - Zylinderkopf sowie die Nockenwellensteuerung "VarioCam Plus" stammen aus dem größeren Modell, außerdem sind nach Angaben von Projektleiter Hans-Jürgen Wöhler Kurbelwelle und Kolben für den Cayman völlig neu entwickelt worden. Federn, Dämpfer und Stabilisatoren sind sportlicher ausgelegt als beim Boxster, was auf die verdoppelte Steifigkeit der nunmehr geschlossenen Karosserie zurückzuführen ist. Wöhler: "Selbst starke Anregungen durch die Straßenoberfläche nehmen nur minimalen Einfluss auf die Karosseriestruktur und beeinträchtigen so die Fahrwerksgeometrie nicht."

Insgesamt zeigt der Cayman S - eine etwas schwächere Variante ohne "S" wird auch noch kommen - durchaus, dass es eine Lücke gab, wo man sie nie vermutet hätte, nämlich zwischen den Porsche-Modellen Boxster und 911, zwischen "heiß" und "am heißesten". Und nicht nur, weil seit gut zehn Jahren bei Porsche jeder Schuss ein Treffer ist, darf man annehmen, dass auch die Kunden die Lücke sehen und sich der Cayman S in die Reihe der Erfolge einordnet. Von 88.379 verkauften Autos im aktuellen Geschäftsjahr (plus 15 Prozent) will Macht auf gut 100.000 "in zwei, drei Jahren", und dann kommt 2009 noch der viertürige und viersitzige Panamera dazu. Dieser Wagen wird mit zirka 20.000 Einheiten pro Jahr veranschlagt und könnte Porsche zu einem Volumen von 120.000 Autos pro Jahr verhelfen - eine Kleinigkeit im Konzert der Konzerne, aber eine stattliche Zahl, wenn man das Preisniveau bedenkt. Und eine Versechsfachung seit dem Amtsantritt von Vorstandschef Wendelin Wiedeking 1993.

Fazit: Wenn im Redemanuskript von Vorstand Michael Macht steht, der ab November erhältliche Cayman S sei "ein Grund mehr, Porsche zu fahren", so darf man sich diesen Satz ohne Zweifel auch mit verschobenem Komma vorstellen. Dann wäre der Cayman S nämlich ein Grund, mehr Porsche zu fahren.



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