Porsche Mission E Cross Turismo Zisch und weg

Das erste Elektroauto von Porsche ist noch gar nicht im Handel, da spielt die VW-Tochter schon weitere Versionen des Sportwagens Mission E durch. Die Studie Cross Turismo begeistert durch betörende Lautlosigkeit.

Porsche

Der erste Eindruck: So schick hätte der Panamera sein können. Der Porsche Mission E Cross Turismo ist eine sportliche Limousine mit einem Hauch Offroad-Optik - nicht so protzig wie ein Cayenne, nicht so klotzig wie ein Tesla Model X.

Das sagt der Hersteller: "Wir meinen es ernst mit der Elektromobilität", sagt Stefan Weckbach, der bei Porsche die Mission-E-Baureihe leitet. Er will die Akkuautos neben den klassischen Sportwagen und den Plug-in-Hybrid-Modellen zur dritten Säule im Sortiment machen und treibt die Planung zügig voran. Das Unternehmen rechnet schon in etwa fünf Jahren mit einem Verkaufsanteil von 25 Prozent für rein elektrisch angetriebene Modelle und investiert dafür sechs Milliarden Euro. Porsche sieht in dem Mission E Cross Turismo eine zeitgemäße Interpretation des SUV-Gedankens. Anders als in der elektrischen Sportlimousine Mission E, die Ende nächsten Jahres debütieren soll, können vier Personen im Cross Turismo Platz nehmen.

SPIEGEL ONLINE/Tom Grünweg

Das ist uns aufgefallen: Die frei stehenden Kotflügel neben der Haube prägen den Bug und im Interieur dominiert ein Sportwagenlenkrad - der Mission E Cross Turismo lässt an seiner Herkunft keinen Zweifel und gibt sich sofort als Porsche zu erkennen. Trotzdem ist alles ganz anders, als man es von 911er, Panamera oder Cayenne gewohnt ist. Schalter oder analoge Anzeigen zum Beispiel gibt es gar nicht mehr. Man sitzt jetzt vor einer vollkommen digitalen Cockpit-Landschaft und bedient das Fahrzeug nur noch über Touchscreens und Sensorfelder. Einzig links vom Lenkrad der Blinker und rechts davon der nach oben gerückte Getriebewählhebel erinnern an die Zeit, als Autofahren noch ein haptisches Vergnügen war.

Die Digitalisierung ist in diesem Fall stimmig, denn der Antrieb wirkt nicht minder virtuell. "Power of Silence", nennt Projektleiter Weckbach den Moment nach dem Kickdown, wenn die zwei Elektromotoren mit zusammen 600 PS das Auto nach vorne katapultieren, ohne dass dabei auch nur ein Mucks zu hören wäre - außer einem milden Surren, das Rauschen der Reifen und das Pfeifen der Luft - zisch und weg.

Das Erlebnis ist surreal, aber deshalb nicht minder wirklich. Gut drei Sekunden benötigt der Bote aus der Porsche-Zukunft für den Sprint von 0 auf 100. Und so engagiert, wie er danach beschleunigt, glaubt man das Spitzentempo jenseits der 250 km/h unbesehen. Ebenso die eine vielversprechende Rundenzeit auf der Nordschleife. Denn zumindest bei der ersten Ausfahrt in den Hollywood Hills erweist sich der Wagen trotz seines Formats als ausgesprochen handlich und trotz seines Gewichts von deutlich mehr als zwei Tonnen als sehr agil. Der Schwerpunkt liegt dank des Akkus unter dem Wagenboden extrem niedrig, die Kraftverteilung zwischen den Achsen ist variabel und die Hinterachse lenkt mit - so wird das Großkaliber beherrschbar.

Nicht nur Antrieb und Bedienkonzept im neuen Cross Turismo punkten, sondern auch das Platzangebot. Teils mag das den dünnen Showcar-Sitzen geschuldet sein, die weder großartig gepolstert, noch verstellbar sind. Doch obwohl die Studie - flache Silhouette, hohe Bodenfreiheit - vergleichsweise zierlich aussieht, bietet sie innen überraschend viel Platz und die Hinterbänkler fühlen sich besser aufgehoben als in jedem anderen Porsche.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Porsche Mission E Cross Turismo - mit unserem 360-Grad-Foto:

Was noch auffällt bei der ersten Fahrt mit dem millionenschweren Einzelstück, ist der hohe Reifegrad. Normalerweise darf man derartige Studien oft nur rollen und mit Samthandschuhen anfassen. Der Mission E Cross Turismo hingegen fährt fast wie ein fertiges Auto. Kein Wunder, denn es steckt schon reichlich künftige Serientechnik aus dem Modell Mission E in dem Prototypen. Und wo die Designer bei Studien gerne in Traumwelten abheben, bewahrten sie in diesem Fall die Bodenhaftung. Denn nicht nur die witzige Ladeklappe, die sensorgesteuert wie eine Schiebetür unter den Kotflügel surrt, auch die digitale Cockpitlandschaft - fast alles, was man an der Studie entdeckt, wird einem im Serienauto wieder begegnen, sagt Weckbach.

Das muss man wissen: Noch ist allerdings unklar, ob der Mission E Cross Turismo überhaupt in Serie geht. Das sei leider noch nicht entschieden, sagt Projektleiter Weckbach. Der Mission E mit einer Akku-Speicherkapazität von 90 kWh für mehr als 500 Kilometer Normreichweite und mit 800-Volt-Ladetechnik (in 15 Minuten lässt sich Strom für 400 Kilometer zapfen) kommt Ende 2019 auf den Markt. Irgendwann danach könnte also auch ein Auto wie der Mission E Cross Turismo folgen. "Wir testen gerade die Reaktion in den Märkten", sagt Weckbach. Ausgerechnet in den USA, so hört man, sei die Reaktion verhalten. Den Amerikanern sehe der Cross Turismo zu wenig nach SUV aus, erklärt Weckbach. Falls es jedoch grünes Licht für das Auto gibt, könnte alles sehr schnell gehen. Die Technik steckt weitgehend in der Bodenplattform, auf die lediglich eine neue Karosserie gesetzt werden müsste.

Porsche-Designchef Michael Mauer ist durchaus optimistisch, dass das Auto auf die Straße kommt. Er kann den Cross Turismo zwar nicht alleine abnicken, sagt aber: "Wir haben in den letzten Jahrzehnten keine Studie gezeigt, die es nicht in die Serie geschafft hat." Ein Grund, warum das diesmal anders sein sollte, ist nicht erkennbar.

Das werden wir nicht vergessen: Das Sensorfeld zum Starten, das dort platziert ist, wo seit jeher das Porsche-Zündschloss sitzt - nämlich links vom Lenkrad.

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insgesamt 39 Beiträge
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Cascara LF 14.06.2018
1. E-Auto für Reiche
Schon wieder so ein E-Luxusvehikel. Nach Tesla, Jaguar, BMW etc. nun auch ein teurer E-Sportwagen von Porsche. Alles schön, alles gut. Nur, wann kommen die deutschen Hersteller mal auf die Idee, ein alltagstaugliches E-Auto mit großer Reichweite und zu einem vergleichbar moderaten Preis für die breite Masse der autofahrenden Bevölkerung zu bauen?
redneck 14.06.2018
2.
Kann Tesla schon lange und zuverlaessig. Der VW mit Porschelabel ist technisch unter aller Sau und lahm.
geradsteller 14.06.2018
3. „ betörende Lautlosigkeit“
Habe den Eindruck, man muss den Menschen wieder etwas einreden. Lautlosigkeit ist kein Sound, ist keine Emotion, und ist nicht betörend, es ist Stille, und die finde ich im Wald oder unter Wasser. Dafür u dort brauche ich kein Auto. Leser veralbert.
auchmalwassagen14 14.06.2018
4. So so, aha
"Das erste Elektroauto von Porsche ist noch gar nicht im Handel, da spielt die VW-Tochter schon weitere Versionen des Sportwagens Mission E durch." Schon in der Überschrift wird das grundsätzliche Problem beschrieben, besser kann man so einen Artikel nicht beginnen - herrlich! Weiter: "Noch ist allerdings unklar, ob der Mission E Cross Turismo überhaupt in Serie geht." Überraschung. Aber der Mission E kommt ja auch schon Ende 2019, also keine Panik, scheint ja alles im perfekten zeitlichen Rahmen stattzufinden. Ein Hoch auf uns. Interessant auch, wie Autos aus dem eigenen Land gehyped werden - warum auch immer - und andere einfach keine Chance haben. Aber Hauptsache das Selbstbewusstsein stimmt und das Sensorfeld zum Starten des Wagens befindet sich links vom Lenkrad. Welch ausgesprochen hübsche Hommage, mir fehlen die Worte.
siegwart-kk 14.06.2018
5. Und schon wieder Fehlentwicklung.
Da wird von Porsche eine E Auto Studie gebaut die im realen also sollte sie denn gebaut werden kein Mensch braucht. Und ja klar 600 PS und Reichweite eines Verbrenners. Also wird schon gelogen bevor der Mist beim Händler steht. Ach oder ich vergaß wenn man sich wie die Teslas in den Windschatten von nem LKW hängt könnte es passen mit der Reichweite. Da ist dann jeder abgerockte alte Opel Corsa besser.
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