Porsche Panamera Diesel: Sparsamer Luxus-Sportler

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Porsche und Diesel - beim Geländewagen Cayenne ist diese Kombination inzwischen gängig. Nun pflanzen die Zuffenhausener auch dem Modell Panamera einen Ölbrenner ein. Der Verbrauch sinkt dadurch signifikant. Nur: Wer will schon ohne Stopp von Berlin nach Bologna fahren?

Porsche Panamera Diesel: Sparen mit großer Geste Fotos

Porsche, ausgerechnet Porsche. Jahrelang versuchten die Schwaben, der Autowelt mit immer neuen Leistungsrekorden zu imponieren. Es wurde mit PS-Werten geprotzt und mit Rundenzeiten auf der Nürburgring-Nordschleife. Und jetzt? Sprechen die Porsche-Verantwortlichen plötzlich mit Vorliebe über Verbrauch und CO2-Ausstoß. Zunächst war das der Fall beim Panamera Hybrid, der erst vor wenigen Wochen als als sparsamster Porsche bislang gefeiert wurde. Jetzt ist dieser Superlativ schon wieder hinfällig, denn der neue Panamera Diesel verbraucht noch weniger Kraftstoff.

Der 3-Liter-Selbstzünder leistet für einen Porsche noch einigermaßen standesgemäße 250 PS und schluckt, mit speziellen Sparreifen bestückt, im Durchschnitt 6,3 Liter (ohne Spritsparpneus sind es 6,5 Liter). Außerdem ist das Dieselmodell mit einem Grundpreis von 80.183 Euro auch noch 26.000 Euro günstiger als die Hybridvariante und damit für die allermeisten vermutlich die bessere Wahl.

Technisch war die Dieselfizierung der sportlichen Reiselimousine eine einfache Übung. Weil der Panamera unter dem Blech eng mit dem SUV-Modell Cayenne verwandt ist, konnten die Schwaben den in beiden Fällen von der Konzernschwester Audi zugelieferten V6-Dieselmotor ohne nennenswerte Umbauten einsetzen und machten dabei gleich noch eine freudige Entdeckung: Dank einer anderen Abgasführung stieg die Leistung ohne Zutun der Ingenieure um 5 auf 250 PS. Dass der Diesel im Panamera auch noch knapp einen Liter weniger braucht als im Cayenne, liegt am geringeren Gewicht und am besseren Luftwiderstand des Panamera. Stilistisch hielt sich der Aufwand in noch engeren Grenzen: enzig die beiden "diesel"-Schriftzüge an den Flanken und die neuen Blenden für den Auspuff unterscheiden den Selbstzünder von den anderen Panamera-Varianten.

Wird die Sporttaste gedrückt, wird auch das Sparmodell richtig knackig

Bei der ersten Testfahrt rund um Stuttgart machte der neue Motor im Panamera eine ordentliche Figur. Zwar hört man statt des Grollens eines potenten Achtzylinders vor allem nach dem Kaltstart erst einmal das raue Knurren des Dieselmotos. Doch sobald die Maschine warm ist, hält sie sich brav und vornehm im Hintergrund, zumal im Stadtverkehr die Start-Stopp-Automatik dem Aggregat immer wieder den Saft abdreht.

Statt durch Krach macht sich der Motor vielmehr durch Kraft bemerkbar. Bis zu 550 Nm wirken bei Vollgas auf die Hinterachse. Das sind immerhin zehn Prozent mehr als beim Panamera S mit V8-Benziner und erklärt, weshalb der Fahrer die Sparversion beim Ampelstart nicht unbedingt als Verzichtsübung wahrnimmt. Der Sprint auf Tempo 100 gelingt in 6,8 Sekunden und Überholen auf der Landstraße ist ein Kinderspiel, denn für den Zwischenspurt von 80 auf 120 km/h benötigt der Wagen lediglich 4,5 Sekunden. Wie alle anderen Panamera-Typen bietet auch der Diesel eine Sporttaste: Wird sie gedrückt, reagiert das Gaspedal empfindlicher, die sonst seidig arbeitende Achtgang-Automatik erlaubt sich plötzlich Schaltrucke und die optionale Luftfederung wird spürbar straffer. Dann lässt sich auf der Landstraße auch der Diesel so bewegen, wie man es von einem Porsche erwartet.

Nur auf der leeren, unbeschränkten Autobahn müssen die Käufer des "sparsamsten Porsches aller Zeiten" umdenken. Sonst auf die linke Spur abonniert, müssen die Diesel-Piloten den linken Streifen bei einer Höchstgeschwindigkeit von 242 km/h für so manchen Vertreterkombi räumen. Das wird am Ego der Schnellfahrer kratzen, oder zu weiteren Investitionen führen. Schließlich kommt fast zeitgleich mit dem Panamera Diesel auch der neue Turbo S in den Handel. Der punktet mit einem aufgeladenen V8-Benzinmotor von 550 PS und erobert für Porsche die Überholspur mit maximal 306 km/h als schnellster Viertürer aus der Großserie zweifelsfrei wieder zurück. Dafür allerdings kostet er auch mehr als doppelt so viel und schluckt bereits auf dem Prüfstand 11,5 Liter im Schnitt.

Theoretisch reichte eine Tankfüllung von Berlin bis Bologna

Da im Dieselmodell der Blick auf den Tacho weitgehend reizlos ist, wird eine andere Anzeige interessanter: die der Reichweite. Weil die Reiselimousine einen 80-Liter-Tank hat, verfügt der Panamera Diesel rechnerisch über einen Aktionsradius von mehr als 1200 Kilometer. Im dichten Feierabendverkehr von Stuttgart werden als Restreichweite bei vollem Tank zwar selten mehr als 800 Kilometer angezeigt. Aber sobald die Strecke freier und die Fahrt flüssiger wird, meldet das Gerät tatsächlich vierstellige Werte. Berlin-Bologna, das nur als Beispiel, wäre also ohne Tankstopp drin. Für Theoretiker mag das eine eindrucksvolle Strecke sein. Aber mal ehrlich: So bequem, komfortabel und entspannend die Fahrt im Panamera auch ist - wer will so eine Strecke tatsächlich ohne Pause fahren?

Zwar gibt es kaum etwas, was man dem Diesel im Panamera ankreiden könnte. Doch das bessere ist bekanntlich des Guten Feind. Was wirklich aus dem 3-Liter-Motor herauszuholen ist, beweist in diesen Tagen Organspender Audi im neuen A6 Avant. Weil dort zwei Turbolader in Reihe geschaltet sind, klettert die Leistung des V6-Diesels um rund 25 Prozent auf 313 PS. Porsche wird das nicht gerne sehen.

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1. Autojounalisten
LEGEIPS 20.07.2011
Zitat von sysopPorsche und Diesel - beim Geländewagen Cayenne ist diese Kombination inzwischen gängig.*Nun pflanzen die Zuffenhausener auch dem Modell Panamera einen Ölbrenner ein. Der Verbrauch sinkt dadurch signifikant.*Nur: Wer will schon ohne Stopp von Berlin nach Bologna fahren? http://www.spiegel.de/auto/fahrberichte/0,1518,775471,00.html
Wieder so ein sinnloser Bericht, haben Autojournalisten auch ein Hirn oder kommt das vom vielen Benzin. Wenn man angeblich mit 240km/h laufend von Vertreterkombis überholt wird, ist die Autobahn schon so voll dass man gar nicht 240 km/h fahren kann.
2. Säufer
robiflyer 20.07.2011
Man muß sich die Tatsache vor Augen halten, daß dies ein Diesel ist ... 11,5 l/100km sind ja ein recht theoretischer Wert somit dürften 15l locker durchrauschen . Das heißt ein Auto mit einem benzinäquivalenten Verbrauch von über 22 l mit Tendenz zu 30l bei forscher Gangart ist alles andere als zeitgemäß Es ist traurig ,daß selbst Porsche mittlererweile zu einem technischen Dinosaurier verkommen ist. Aber das verwundert nicht , wenn man Spitzenings noch nicht mal zum Vorstellungsgespräch kommen läßt ...
3. ...
FoxhoundBM 20.07.2011
Zitat von sysopWer will schon ohne Stopp von Berlin nach Bologna fahren?
Pause kann man ja machen. Aber es reicht eben eine Tankfüllung für diese Strecke. Und da außer in Deutschland sowieso überall Tempolimits herrschen, sind Normverbrauchswerte auch machbar. Es ist doch schön zu sehen, wie man großen, starken Autos das Saufen abgewöhnen kann, ohne Einbußen beim Fahrspaß hinzunehmen. So, ich gebe ab an die Grünen-Jünger mit ihren Verbotsforderungen und die Klima-Jünger mit ihren Weltuntergangsparolen ... Weil wir wissen ja alle, dass nur das Elektro-Auto die Welt retten wird ;)
4. ...
FoxhoundBM 20.07.2011
Zitat von robiflyerMan muß sich die Tatsache vor Augen halten, daß dies ein Diesel ist ... 11,5 l/100km sind ja ein recht theoretischer Wert somit dürften 15l locker durchrauschen .
Der BENZINER verbraucht soviel, lesen Sie dochmal richtig anstatt gleich Blödsinn zu schreiben.
5. Falsch!
r-le 20.07.2011
Zitat von robiflyerMan muß sich die Tatsache vor Augen halten, daß dies ein Diesel ist ... 11,5 l/100km sind ja ein recht theoretischer Wert somit dürften 15l locker durchrauschen . Das heißt ein Auto mit einem .......
Bitte lesen Sie doch mal den Artikel richtig durch! Der Verbrauch liegt bei 6,5 l/100 Km. Immer dieses langweilige Bashing. Ich bitte Sie. Der hochmotorisierte Benziner verbraucht 11,5. Jede Kiste ist bei Vollgas schnell bei 15l, auch ein Kompaktwagen. Ich fahre einen aktuellen BMW 730d und sage Ihnen, dass der Wert ist nicht theoretisch ist. 7,2l/100 Km bis nach Almeria/Südspanien vollbeladen und -besetzt. Von D aus 2 Tankfüllungen für ca. 2100 Km. Das ist so, auch wenn es Ihnen sicherlich schwer fällt, dies zu akzeptieren.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Porsche
Typ: Panamera Diesel
Karosserie: Limousine
Motor: V6-Diesel
Getriebe: Achtgang-Automatik
Antrieb: Heck
Hubraum: 2.967 ccm
Leistung: 250 PS (184 kW)
Drehmoment: 550 Nm
Von 0 auf 100: 6,8 s
Höchstgeschw.: 242 km/h
Verbrauch (ECE): 6,3 Liter
CO2-Ausstoß: 167 g/km
Kofferraum: 445 Liter
umgebaut: 1.263 Liter
Preis: 80.183 EUR

Schnellcheck

Porsche Panamera Diesel

Einsteigen: ...weil der Diesel kultiviert und kräftig ist und einem bei 250 PS nichts fehlt.

Aussteigen: ...weil es im Konzern mittlerweile einen besseren Dieselmotor gibt.

Umsteigen: ...schwierig, weil es Maserati Quattroporte oder Aston Martin Rapide nicht mit Dieselmotor gibt.



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