Porsche Panamera Hinterbänkler auf Speed

Kein anderer Sportwagen ist so geräumig, kein anderer Viersitzer so rasant - der Porsche Panamera ist ein spektakuläres Auto. Er ist groß, teuer, schwer, schnell und - auffällig. Noch nie ging es an so vielen ausgestreckten Zeigefingern vorbei wie bei dieser Testfahrt.

Von Jürgen Pander


Hinten sitzen? Kam für Porsche-Entwickler nie in Frage. Vorne links ist der angestammte Arbeitsplatz der Fahrwerkstüftler, Motorenexperten, Aerodynamiker. "Die mussten jetzt umdenken", sagt Michael Steiner. "Im Panamera waren nämlich meistens drei Mitarbeiter unterwegs - und damit saß einer automatisch in Reihe zwei." Steiner ist der Baureihen-Leiter des neuen Porsche-Modells und damit der Verantwortliche für das wohl wichtigste Autoprojekt der Zuffenhausener Firma seit Jahrzehnten. Erstmals soll ein Porsche in der Luxusliga antreten - und zwar mit höchstem Komfort im Fond.

Vier Sitze, vier Türen, eine große Heckklappe und die spezielle Mischung aus unbedingter Rasanz und größtmöglicher Bequemlichkeit - das ist die Rezeptur des Porsche Panamera, die Sehrgutverdiener in aller Welt aus etablierten Luxusschlitten in den neuen Gran Turismo locken soll. Ab 12. September wird das Auto bei den deutschen Händlern stehen - zum Basispreis von 94.575 Euro und mit mindestens 400 PS. Wir waren bei der ersten Ausfahrt gar mit dem Topmodell Panamera Turbo unterwegs, 500 PS stark und 135.154 Euro teuer, sofern keine Extras bestellt werden.

Der Wagen ist eine Wuchtbrumme. Knapp zwei Tonnen schwer, knapp fünf Meter lang, nur 1,42 Meter hoch aber dafür 1,93 Meter breit - derart gedrungen tritt kein anderes Auto in diese Klasse an. "Wir wollen in jedem Segment, das wir besetzen, fahrdynamisch an der Spitze stehen", postuliert Steiner. Der Panamera Turbo rennt in 4,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100, in 13,9 Sekunden auf Tempo 200 und schafft als Höchstgeschwindigkeit 303 km/h.

Man braucht das alles nicht. Wir waren bei unserer Testfahrt jedenfalls noch weit von den Grenzen des Autos entfernt, und trotzdem recht flüssig unterwegs. Auch in dem Sinne, dass laut Bordcomputer 15,1 Liter Brennsaft pro 100 Kilometer durch die Direkteinspritzung gepresst wurden. Der offizielle Durchschnittsverbrauch liegt laut Porsche bei 12,2 Liter - ein Wert fürs Poesiealbum.

So imponierend die Zahlen auf dem Datenblatt sind - im wirklichen Autoleben ist der Panamera viel mehr als das. Wo immer man mit dem Trumm an Passanten vorbei kommt, praktisch jedes Mal reckt sich ein Finger, drehen sich die Köpfe, weiten sich die Augen. Und dabei ahnen die draußen Stehenden nur, wie es ist, tief in den Sitz gehüllt am Lenkrad zu drehen, das Gaspedal zu treten und die Fuhre über Riesenslalom-Landstraßen zu zirkeln, dass es nur so rauscht. Das Fahrgefühl ist immer präzise, manchmal beeindruckend. Auf jeden Fall aber anders als bei jedem anderen Luxusgefährt mit nennenswerten Rücksitzen.

Das spezifisch sportlich-ambitionierte dringt übrigens auch bis zu den Fondpassagieren durch. Hinten nämlich ist man auch in einer Art Schalensitz geborgen, hockt tief im Auto und hört das deutlich das Knurren der Auspuffanlage. Außerdem lässt sich von hier aus verfolgen, wie ab Tempo 90 der elegant verborgene - so etwas ziemt sich normalerweise nicht in dieser Klasse - Spoiler ausfährt, sich entfaltet und ab 205 km/h in die "Performance-Position" neigt, um die Hinterachse auf die Fahrbahn zu drücken.

Darf's ein bisschen mehr sein?

Beim Turbo ist serienmäßig Vieles an Bord, wofür in den anderen Panamera-Versionen happige Aufpreise fällig werden. Etwa das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, die Start-Stopp-Automatik, der Allradantrieb, die adaptive Luftfederung, das Kurvenlicht, die Bose-Musikanlage, eine Lederausstattung, ein Alcantara-Dachhimmel und die Metallic-Lackierung. Allein für die werden sonst 1142 Euro extra fällig. Aber auch der Turbo lässt sich natürlich noch aufbrezeln; zum Beispiel mit Keramik-Bremsen (8710 Euro), einem Kühlfach im Fond inklusive zweier Trinkgläser mit Porsche-Schriftzug (1773 Euro), beleuchteten Türeinstiegsblenden aus Karbon (1666 Euro) oder einer elektrisch ausfahrbaren Anhängerkupplung (1172 Euro).

Michael Steiner sagt, bei der Entwicklung des Panamera habe man mit einem weißen Blatt begonnen. Denn Ziel sei ein Auto gewesen, das die Spezifika von Wettbewerbern wie etwa dem BMW M5, dem Maserati Quattroporte oder der Mercedes S-Klasse in einem Fahrzeug vereint.

Neu war auch das Bemühen, dem Auto von Anfang an eine grüne Weste überzustreifen - zumindest im Vergleich zu anderen Modellen der Zuffenhausener Autoschmiede. Die Start-Stopp-Automatik, die zum Umfang des Doppelkupplungsgetriebes gehört, ist da nur ein Beispiel. Durch Feinarbeit an der Aerodynamik, am Energiemanagement sowie an der innermotorischen Reibung habe man den Verbrauch um 3,2 Liter reduzieren können gegenüber einem baugleichen V8-Auto ohne solche Details.

Sollte es Panamera-Interessenten geben, die es tatsächlich ernst meinen mit dem Sparen, müssen sie noch etwas warten. Im nächsten Jahr folgt die Basis-Variante mit V6-Motor und 2011 soll die Porsche-Limousine mit Hybrid-Antrieb startklar sein. Die Entwickler sind mit diesem Auto bereits unterwegs - stets zu dritt natürlich.



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