Porsche Panamera S Hybrid Trumpfkarte im Öko-Quartett

Auf der Überholspur ist der Wagen ein typischer Porsche: schnell und dominant. An der Tankstelle jedoch gibt sich der neue Panamera S Hybrid ungewohnt zurückhaltend. Kein anderes Serienmodell aus Zuffenhausen verbraucht weniger Sprit.


Wenn der Porsche Panamera S Hybrid durch die Villensiedlung rollt, gibt es nur selten einen Grund, sich über Motorenlärm zu beklagen. Fast lautlos gleitet der Viertürer durch die Straßen. Gut zwei Kilometer im E-Betrieb sind möglich, der theoretisch sogar eine Geschwindigkeit von maximal 85 km/h ermöglicht.

Erreicht wird der dezente Auftritt durch einen 47 PS starken Elektromotor, der dem Benziner künftig zur Seite steht und den Verbrauch senken soll. Ein Jahr nach dem Cayenne Hybrid bietet Porsche nun auch den Panamera mit Hilfskraftwerk an. Die Kombination besteht aus einem drei Liter großen V6-Benziner mit Kompressor und eben dem E-Antrieb. Das Modell ist um rund 8000 Euro teurer als das in der Leistung vergleichbare V8-Modell.

Kaufte ein Franzose dieses Auto, erhielte er vom Staat 1850 Euro Zuwendung, ein Spanier 4475 Euro, ein Holländer 8584 und ein Chinese sogar umgerechnet rund 15.000 Euro. Der deutsche S-Hybrid-Fahrer muss mit einem Kfz-Steuervorteil von 204 Euro pro Jahr vorlieb nehmen. Schönrechnen lässt sich damit nichts.

Für die Umwelt springt dagegen durchaus etwas heraus. Schließlich verbraucht der Panamera auf dem Prüfstand fast vier Liter weniger als das V8-Modell, fährt aber ähnlich schnell. Den Sprint von 0 auf 100 schafft die Hybrid-Variante in sechs Sekunden, und eine Höchstgeschwindigkeit von 270 km/h macht ihn zur Trumpfkarte im Öko-Quartett. "Der Wagen vereint Eigenschaften, die bislang als unvereinbar galten", wirbt der technische Projektleiter, Andreas Jaksch.

Oh Schreck, wo soll der vierte Golfsack nun hin?

Dass man ein Auto mit Sparer-Qualitäten fährt, merkt man im Panamera gar nicht. Nur die Sorge wegen des geschrumpften Kofferraums treibe manchen Kunden um, heißt es. Technikchef Jaksch räumt ein, dass für die gekühlte Nickel-Metall-Hydrid-Batterie mit einer Speicherkapazität von 1,7 kWh, die unter dem Ladeboden sitzt, das Ladevolumen auf überschaubare 335 Liter schmilzt.

Die 200 Kilogramm Mehrgewicht der Hybridtechnik erfordern dagegen kaum Zugeständnisse vom Fahrer. Bei einer Systemleistung von 380 PS fallen die Pfunde buchstäblich kaum ins Gewicht, zumal der Verzicht auf den Allradantrieb einen Teil davon kompensiert. Beim Anfahren wirkt das Hybridauto sogar sportlicher als die konventionelle Brüder. Das liegt an der unterschiedlichen Charakteristik der beiden Motoren: Weil der Stromer sein maximales Drehmoment von 300 Nm gleich mit der ersten Umdrehung aufbaut, die maximal 440 Nm des Benziners jedoch erst jenseits von 3000 Touren anliegen, ergänzen sich die beiden Kurven der Anzugskraft perfekt: Zwischen 1000 und 5000 Touren stehen deshalb stets 500 Nm oder mehr zur Verfügung.

Doch im Hybrid-Panamera ist auch ein leichter Gasfuß reizvoll. Sobald man die rechte Sohle vom Pedal nimmt, beginnt das Auto zu segeln. So nennen die Ingenieure den Fahrzustand, wenn die Elektronik den Motor bei Geschwindigkeiten bis zu 165 km/h abschaltet und automatisch vom Antriebstrang abkoppelt. Statt vom sogenannten Motorschleppmoment gebremst zu werden, rollt der Panamera dann fast ohne interne Widerstände über die Fahrbahn. Bei behutsamer Fahrweise meldet der Bordcomputer einen Segelanteil von 50 Prozent und mehr.

Ein Dieselmotor soll den Panamera künftig noch sparsamer machen

Man muss dennoch sehr defensiv und vorausschauend fahren, um den Normverbrauch von 6,8 Litern zu erreichen. Bei der Präsentation des Autos schafften zahlreiche Testfahrer einen Durchschnittsverbrauch mit einer sieben vor dem Komma. Allerdings waren bei den Vorführwagen auch spezielle Sparreifen aufgezogen. Sie limitieren das Spitzentempo auf 240 km/h, sorgen aber allein durch den geringeren Rollwiderstand für 0,3 Liter Minderverbrauch. Für diese Pneus verlangt Porsche 119 Euro extra, was angesichts eines Grundpreises von 106.185 Euro ziemlich knickrig erscheint.

Ob mit oder ohne Leichtlaufreifen - der Panamera S Hybrid ist aktuell das sparsamste Modell der Porsche-Palette. Jedenfalls so lange, bis der Panamera mit Dieselmotor in wenigen Wochen auf den Markt kommt. Auch dieser Antrieb stammt aus dem Cayenne. Der Sechszylinder-Selbstzünder mit drei Liter Hubraum leistet 250 PS und beschleunigt den Wagen in knapp sieben Sekunden von 0 auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit ist mit 242 km/h angegeben. Der Verbrauch soll im Schnitt bei 6,3 Liter liegen - und der Preis des Panamera Diesel bei 80.183 Euro. In Deutschland übrigens wird der Cayenne Diesel bereits von mehr als der Hälfte aller Kunden bestellt.



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insgesamt 44 Beiträge
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manni-two 11.05.2011
1. der " typische Porsche" wird ab 2014
auch auf der Überholspur 130 fahren,wenn der Fahrer seinen Führerschein behalten möchte.
cor 11.05.2011
2. Steht wo?
Zitat von manni-twoauch auf der Überholspur 130 fahren,wenn der Fahrer seinen Führerschein behalten möchte.
Steht wo?
NeZ 11.05.2011
3. "Hätte ich 100k übrig"
Zitat von manni-twoauch auf der Überholspur 130 fahren,wenn der Fahrer seinen Führerschein behalten möchte.
Das ist aber schade, weil dann einfach jeder 130 fährt und die Autobahn total verstopft. Hier in Schland kommt man schneller voran als in Österreich, selbst wenn man nur 130 fährt - weil andere schneller fahren und dir somit zusätzlichen Platz machen. Hätte ich 100k übrig, wäre dieses Auto bereits mein Auto. Sportlich, 4 Plätze, schöne Silhouette, normaler Kofferraum. Ein alltagstaugliches Auto, mit einer satten Höchstgeschwindigkeit. Was will man mehr? Da kann jedes andere Auto einpacken.
Umbriel 11.05.2011
4. Finde isch toll
Super Auto, würde ich gerne mal mit fahren.
mayer60 11.05.2011
5. Was hat das...
Zitat von manni-twoauch auf der Überholspur 130 fahren,wenn der Fahrer seinen Führerschein behalten möchte.
...mit dem Hybrid zu tun?
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