Autogramm Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid Tesla mit Tank

Porsche will sich ab 2019 mit dem E-Sportwagen Mission E zum Tesla-Gegner aufschwingen. Doch schon das Panamera-Top-Modell kann mit dem US-Stromer konkurrieren - zumindest für ein paar Kilometer.

Porsche

Der erste Eindruck: Auch Ökos mögen Muskeln. Zierteile in Grün verleihen dem Panamera Hybrid den Anstrich des Umweltfreunds in der Modellfamilie; trotzdem verzichtet er nicht auf das für einen Turbo S übliche Aufblasen der Backen.

Das sagt der Hersteller: Für Porsche ist der Panamera Turbo S E-Hybrid ein weiteres Bekenntnis zur Energiewende. Es sei das erste Mal, dass Porsche "ein Auto mit Plug-in-Hybridantrieb an die Spitze einer Modellreihe" setze, sagt Firmenchef Oliver Blume. Und es ist das erste Mal, dass ein Hersteller gleich zwei Plug-in-Hybrid-Typen in einer Baureihe anbietet. Der neue, ebenso giftige wie grüne Luxusliner soll nicht nur beweisen, wie ernst es den Schwaben mit der Elektrifizierung ist, sondern er soll den Kunden zugleich näher an alternative Antriebe heranführen. "Mit dem Auto erbringen wir den ultimativen Beweis, dass man auch ohne Emissionen reichlich positive Emotionen haben kann", sagte Porsche-Sprecher Ben Weinberger.

Das ist uns aufgefallen: Einsteigen, anlassen, losfahren - auf den ersten Kilometern gibt es kaum etwas, was den neuen Panamera Turbo S E-Hybrid von einem Tesla Modell S unterscheidet. Während man das Gaspedal bei der ersten Generation des Plug-in-Modells nur mit den Zehenspitzen berühren durfte, um den Verbrenner nicht zu wecken, kann man jetzt auch im E-Modus den Fuß schwer machen und ähnlich flott davonflüstern wie mit dem rein elektrisch angetriebenen Tesla. Nicht umsonst hat die E-Maschine im neuen Auto eine Leistung von 136 PS und die Elektronik lässt ihr Auslauf bis 130 km/h.

Natürlich sind die Parallelen mit Tesla spätestens dann ausgereizt, wenn die Spannung im 14,1 kWh großen Akku zur Neige geht. Das ist in der Theorie nach 50, in der Praxis eher nach 30 bis 40 Kilometern der Fall. Doch dafür muss man im Porsche keinen Supercharger suchen, um elektrische Energie nachzuladen, sondern kann bedenkenlos noch ein paar hundert Kilometer weiter fahren. Mit Benzin, versteht sich. Währenddessen wird der Akku bereits mit der überschüssigen Motorleistung ein wenig aufgeladen, sodass man nur noch für die Restmenge an Akkuladung an eine Ladesäule muss.

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Autogramm Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid: Stromstoß

So weit, so öko. Doch der Panamera trägt eben nicht nur das Hybrid-Signet, sondern auch den Schriftzug "Turbo S" - und muss dem Sportabzeichen ebenfalls gerecht werden. Deshalb haben die Schwaben die Regelstrategie des Antriebs geändert, sich der Logik des Supersportwagens 918 Hybrid bedient und die Steuerung auf maximale Unterstützung programmiert. Das bedeutet: Beim Start im konventionellen Hybridmodus bleibt die E-Maschine nicht mehr in Lauerstellung bis zu einem bestimmten Schwellenwert, sondern schiebt ab dem ersten Meter mit an. Das macht sich mächtig bemerkbar: Weil ab der Leerlaufdrehzahl bis 5500 Touren immer 850 Nm maximales Drehmoment abgerufen werden können, drückt es einen beim Kickdown tief in die weichen Ledersitze. Das Auto beschleunigt in 3,4 Sekunden von 0 auf 100, als wäre es ein zierlicher Elfer. Anders gesagt: Um zu überholen, darf die freie Gerade künftig noch ein wenig kürzer sein.

So mächtig das Tandem unter der Haube den Wagen auf Trab hält, kann der potente Luxus-Porsche eine Schwäche allerdings nicht verhehlen: das Gewicht. Schon die Basisversion der Modellreihe wiegt 1890 Kilogramm, mit V8-Benziner, E-Motor, Akku und Leistungselektronik werden es 2385 Kilogramm. Hinterachslenkung hin und Allradantrieb her - in engen Kurven tut sich der Gran Turismo buchstäblich schwer. So ist das übrigens auch beim Tesla Model S, der auch bis zu 2,2 Tonnen auf die Waage bringt.

Auch in einer anderen Kategorie sind sich Porsche und Tesla unabhängig vom Antrieb näher als man glaubt - beim Infotainment. Denn die Zeiten, in denen der große Bildschirm des Model S für ein Aha-Erlebnis sorgte, sind längst vorbei. Und die Bedienwelt des Panamera mit weitgehend digitalen Instrumenten, großen Touchscreens auf dem Mitteltunnel und dem Wechsel von Tastern zu Sensorfeldern ist nicht minder faszinierend als das Cockpit der Musk-Modelle.

Das muss man wissen: Der Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid steht seit Herbst an der Spitze der Panamera-Familie. Als zweites Modell mit Steckdosenanschluss übernimmt er die E-Technik (den 100 kW starken Motor und den 14,2 kWh großen Akku) aus dem Panamera E-Hybrid, kombiniert diese aber nicht mit einem V6-, sondern einem V8-Motor. Statt 330 leistet der Verbrenner deshalb 550 PS - und die Systemleistung klettert auf 680 PS.

Natürlich ist der Verbrauch aufgrund der albernen Plug-in-Norm nicht einmal von theoretischem Wert, doch zumindest erleichtert er den Vergleich: Während der Basis-Hybrid auf 2,5 Liter kommt, stehen für das V8-Modell 2,9 Liter je 100 Kilometer in der Liste.

Passend zur Positionierung als Spitzenmodell der Panamera-Palette fällt auch der Preis für den in drei Varianten angebotenen Turbo S E-Hybrid aus: 185.736 Euro für die Standardversion, 199.183 Euro für den gestreckten Executive und 188.592 Euro für den Sport Turismo. Die Plug-in-Variante mit V6-Benziner ist etwa 75.000 Euro billiger, und wenn man den konventionellen Turbo mit 550 PS bestellt, spart man etwa 30.000 Euro - dafür kann man sehr oft tanken. Die Kunden scheint das allerdings nicht zu stören: Wider die optimistischsten Planungen kommen die Hybrid-Typen der Panamera-Familie in Europa auf einen Verkaufsanteil von insgesamt 60 Prozent.

Das werden wir nicht vergessen: Das Röhren beim Kickdown in Sportmodus, weil es so viele Botschaften transportiert. Für Porsche-Fans ist es ein Trost, dass auch der neue Panamera ganz der alte ist. Für Kritiker ist es der Beweis, dass Porsche doch nichts gelernt hat. Und Tesla-Fans dürften es womöglich als Weckruf verstehen.

Fahrzeugschein
Hersteller: Porsche
Typ: Panamera Turbo S E-Hybrid
Karosserie: Limousine
Motor: V8-Benziner
Getriebe: Achtgang-Doppelkupplung
Antrieb: Allrad
Hubraum: 3.996 ccm
Leistung: 550 PS (405 kW)
Leistung (E-Motor): 136 PS (100 kW)
Drehmoment: 770 Nm
Drehmoment (E-Motor): 400 Nm
Von 0 auf 100: 3,4 s
Höchstgeschw.: 310 km/h
Verbrauch (ECE): 2,9 Liter
CO2-Ausstoß: 66 g/km
Kofferraum: 405 Liter
Gewicht: 2.385 kg
Maße: 5049 / 2165 / 1427
Preis: 185.736 EUR
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insgesamt 275 Beiträge
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Seite 1
fx33 19.02.2018
1. Er lernt nix mehr dazu...
TG lernt nichts mehr dazu. Er schreibt: "Anders gesagt: Um zu überholen, darf die freie Gerade künftig noch ein wenig kürzer sein.". Auch beim Überholen darf die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht überschritten werden. Deshalb ist es beinahe egal, wie stark man motorisiert ist, denn mit mehr als Tempo 100 darf man auf der Landstrasse nicht überholen. Und ob die Beschleunigung von 80 auf 100 nun in 0,8 oder 1,2 Sekunden passiert, ist für die benötigte Überholstrecke irrelevant. Was nicht vernachlässigbar ist, ist, dass für die Beschleunigung des Porsche etwa die achtfache Energie aufgewendet werden muss im Vergleich zu einem Mittelklassefahrzeug mit 100PS. Wobei selbstredend die Wahrscheinlichkeit, dass die Fahrer/innen eines Panamera beim Überholen die StVO einhalten, gegen Null tendieren dürfte.
Drehmoment 19.02.2018
2. Ich glaube in meinen wilden Träumen auch,...
...dass wir mit 200.000 Euro teuren (E)-Sportwagen das Klima retten.
holzheizer 19.02.2018
3. Mobilitätswende mal anders
Motor: 8 Zylinder Benziner mit 4 Litern Hubraum bei nur 2,9 Litern Verbrauch. Sogar die Physik wurde überlistet. Mit 2,9 Litern Verbrauch wie ein Mofa. CO2-Ausstoß geringer als ein Kleinwagen. Der "Mess"-Zyklus ist ein Skandal. Wo bleibt die Angabe der realen Verbrauchswerte?
f1database 19.02.2018
4. Spritmonitor
Spritmonitor zeigt einen Durchschnittsverbrauch von ca. 10 Liter an: https://www.spritmonitor.de/de/uebersicht/39-Porsche/1182-Panamera.html?exactmodel=S E-Hybrid&powerunit=2 Das sind mal etwas über 300% mehr als die Angabe ...
warum_nicht? 19.02.2018
5.
Zitat von fx33TG lernt nichts mehr dazu. Er schreibt: "Anders gesagt: Um zu überholen, darf die freie Gerade künftig noch ein wenig kürzer sein.". Auch beim Überholen darf die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht überschritten werden. Deshalb ist es beinahe egal, wie stark man motorisiert ist, denn mit mehr als Tempo 100 darf man auf der Landstrasse nicht überholen. Und ob die Beschleunigung von 80 auf 100 nun in 0,8 oder 1,2 Sekunden passiert, ist für die benötigte Überholstrecke irrelevant. Was nicht vernachlässigbar ist, ist, dass für die Beschleunigung des Porsche etwa die achtfache Energie aufgewendet werden muss im Vergleich zu einem Mittelklassefahrzeug mit 100PS. Wobei selbstredend die Wahrscheinlichkeit, dass die Fahrer/innen eines Panamera beim Überholen die StVO einhalten, gegen Null tendieren dürfte.
Es wird schon nicht die Welt untergehen, wenn man beim Überholen mal die 120 erreicht. Schlimmerer TG-Fehler: Beim Akku des Porsche geht also die Spannung zur Neige? Das zeugt mal wieder von physikalischer Null-Bildung.
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