Autogramm Range Rover Sport: Der Tieflieger

Von Tom Grünweg

Range Rover Sport: Weg vom Dreck Fotos
Land Rover

Die wenigsten Kunden eines Range Rovers bewegen den Wagen tatsächlich im Gelände, entsprechend viele greifen deswegen zur "Sport"-Variante. Die gibt es jetzt auch vom neuen Range Rover und ist gleich doppelt tiefergelegt: beim Fahrwerk - und beim Preis.

Der erste Eindruck: Wer hat meinen Thron geklaut? Im einem Range Rover sitzt man normalerweise über den Dingen, in der Sportversion hingegen tiefer. Sie Sessel sind strammer geschnitten, und das Armaturenbrett legt sich enger um die Insassen. Und außerdem sieht man plötzlich Karbonzierrat oder poliertes Alublech statt hochglanzlackierter Edelhölzer.

Das sagt der Hersteller: "Der sportlichste, dynamischste und schnellste Land Rover aller Zeiten" - so bejubelt Markenchef John Edwards das neue Modell. Sein oberster Testfahrer Mike Cross verspricht nicht nur erstmals 250 km/h für die Baureihe, sondern ein Fahrgefühl, das Autos wie dem Porsche Cayenne oder dem BMW X5 ebenbürtig ist.

Dennoch mache der Land Rover keine Kompromisse bei der Geländegängigkeit, versprechen die Entwickler und führen die erste Testfahrt deshalb tapfer über tief verschlammte Waldwege und durch Flussfurten, in denen Infrarotsensoren in den Spiegeln den aktuellen Wasserstand berechnen und Alarm schlagen, bevor der Bolide baden geht.

Das ist uns aufgefallen: Wie ernst es den Briten mit der neuen Sportlichkeit ist. Weil die Kunden eben doch öfter auf der Autobahn als im Outback unterwegs sind, haben Frith und seine Leute vor allem an der dynamischen Seite des neuen Modells gefeilt. Schon die Aluminiumdiät des konventionellen Range Rovers spart gute 400 Kilo ein und drückt das Gewicht nahe an die Zwei-Tonnen-Marke. Außerdem gibt es ein Fahrwerk, das nun wie bei einem Sportwagen aufgemotzt wurde.

Das verfügt über einen Dynamic-Mode für das ansonsten auf Matsch und Modder ausgelegte Terrain-Response-System. Außerdem baut Land Rover neben dem Hinterachs-Differential zum ersten Mal auch ein sogenanntes Torque-Vectoring-System ein. Damit wird die Kraft auf der Hinterachse so verteilt, dass am inneren Rad weniger ankommt als am äußeren und es den Wagen förmlich in die Kurve hineindreht.

So fühlt sich selbst ein noch immer ziemlich gewichtiger Geländewagen bei der flotten Landpartie plötzlich ganz, ganz leicht an und selbst mit Allradantrieb sind abenteuerliche Drifts drin.

So schnürt der Range Rover Sport tatsächlich strammer durch die Kurven als jeder andere Land Rover vor ihm. Er wankt kaum, rasiert messerscharf auch enge Radien - nicht umsonst hat er gerade den Rekord für Serienfahrzeuge auf den legendären Pikes Peak aufgestellt und die 20 Kilometer lange Bergrennstrecke mit 156 Kurven und 1500 Höhenmetern in nicht einmal 13 Minuten absolviert.

Das muss man wissen: Basierte der erste Range Rover Sport noch auf dem betagten Discovery, teilt sich das neue Modell die Technik mit dem aktuellen Range Rover. Allerdings gibt es nur 25 Prozent Gleichteile, behaupten die Briten. Nicht umsonst ist schon das Format ein anderes: Der Sportler ist 6 Zentimeter flacher und 15 Zentimeter kürzer als Sir Range himself.

Weil er aber gegenüber seinem Vorgänger deutlich zulegt (in der Länge um 6 und im Radstand gar um 18 Zentimeter) geht es innen spürbar geräumiger zu. Hinten können jetzt auch Erwachsene ordentlich sitzen, und der Kofferraum ist so groß, dass sich dort auf Knopfdruck erstmals eine dritte Sitzreihe hervorzaubern lässt. Um die zu erreichen, muss man allerdings ein bisschen klettern, und wenn man sich dort wohlfühlen will, sollte man das Kindergartenalter noch nicht überschritten haben.

Zu den wenigen Gleichteilen zählen die Motoren, die allerdings wegen des geringeren Gewichts und ein wenig Feinschliff im Detail bis zu 24 Prozent sparsamer werden. Der Range Rover Sport startet im September mit einem 510 PS starken V8-Benziner mit 5,0 Litern Hubraum und einem 3,0-Liter-Diesel. Diesen Sechszylinder gibt es mit 258 oder 292 PS. Später im Jahr folgen ein V8-Diesel mit 339 PS und das erste Hybridmodell der Briten, mit dem der Verbrauch auf etwa sechs Liter sinken soll.

Zum sportlichen Anstrich dieses Range Rovers passt natürlich am besten der V8. Doch die Testfahrt mit dem Diesel zeigt, dass ein bisschen Vernunft dem Vergnügen nicht schadet: Wenn bis zu 600 Nm Drehmoment zu Werke gehen und die famose Achtgang-Automatik ebenso schnell wie unmerklich schaltet, fehlt einem bis auf die höheren Drehzahlen und den satteren Sound jedenfalls nichts.

Das neue Modell ist allerdings nicht nur für die Sportler unter den Range-Rover-Kunden die erste Wahl, sondern auch für die Sparer. Denn mit einem Grundpreis von 59.600 Euro ist der ab September lieferbare "Sport" rund 25.000 Euro günstiger als der konventionelle Range Rover. Doch keine Sorge, auf Lack und Leder muss man deshalb nicht verzichten: Mit dem V8-Kompressor kostet der Range Rover Sport schon 88.300 Euro, und wer neue Techniken wie das Head-up-Display oder ein bisschen mehr Glanz und Gloria bestellt, ist schnell im sechsstelligen Bereich.

Das werden wir nicht vergessen: das Comeback des Schaltknaufs auch für das Automatikgetriebe. Werden die Fahrstufen auch beim aktuellen Range Rover mit einem schmucken Drehregler gewechselt, wächst jetzt wieder ein echter Knüppel aus dem Mitteltunnel - "weil das besser zu einem sportlichen Auto passt", sagt Designer Garry McGovern.

Im Prinzip hat er damit recht. Fast intuitiv fällt schon beim Einsteigen die Hand auf den Wählhebel, und ganz lässig übernimmt man damit bei sportlicher Gangart die Regie. Dumm nur, dass man das Spiel mit der Entriegelungstaste, dem Leerlauf und dem Rückwärtsgang erst ein bisschen üben muss. Nicht nur beim Rasen, sondern auch beim Rangieren ist das für den Fahrer eine ganz schöne Knüppelei.

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insgesamt 81 Beiträge
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1. Uns los
drehstuhlpilot 09.07.2013
Ring frei werte Neidhammel.
2. kleiner Typfehler
dominique.donne 09.07.2013
Sie Sessel anstatt Die Sessel
3. Ohne Grenzen
sternenfan 09.07.2013
Reisen in einem Range Rover ist wie First Class Fliegen. Man gewöhnt sich schnell an den Luxus des Dahingleitens abseits des gemeinen Volks, das in kleinen Volkswagen dahin rast. Dem Range Rover Lenker sind solche Attitüden des täglichen Straßenkampfs fremd. Er ist gewohnt, allein durch die Sitzposition erhoben, über dem Volk zu reisen. Und Neid so weis er, Neid muss man sich sehr hart erarbeiten. Vielleicht ist die Range Rover Sport Variante eher die Business Class des Range. Ausgelegt auf das schnelle Vorwärts ist der Sport doch eher das Fahrzeug für den urbanen Businessman, der Vitesse nicht nur auf der Straße braucht, sondern zur Lebenseinstellung macht. Trotzdem mag er den Traum des Gutsherrnleben nicht ganz aufgeben. Mit dem Range Rover Sport ist er seinem Lebenstraum schon ein Stück näher gekommen, ohne jedoch sein angestammtes Territorium aus Nobelitaliener, Spa und Golfplatz verlassen zu müssen. So wird der Range Rover Sport zum Atribut der Lifestyle Generation der neuen Landlust, wie Barbourjacke und HarrisTweedsacco.
4. auf gehts
humpensack 09.07.2013
Ich hol schnell mal ne Tüte Chips und 20 Liter Diesel, bevor das hier wieder los geht. Zum Auto, das Heck gefällt mir persönlich nicht. Ansonsten - schön und der Platz, wau! Passt da hinten so'n tWITZy rein?
5.
spon-1236724621813 09.07.2013
Solche ein Auto braucht doch kein Mensch. Die Autoindustrie hat nichts gelernt. Durch die Bank werden aktuell Modell gebaut, die kein Mensch braucht und will. Diese Autos müssen dann der Kundschaft aufgenötigt werden. Neulich wollte mir Mercedes einen ML hinstellen. Ich hab dankend abgeleht. Da bleib ich lieber bei meinem Fiat Punto Hybrid. Zur Gewichtsreduktion hab ich die Rücksitzbak augebaut und auch die Innenverkleidung grötenteils entfernt. Dadurch spare ich mindestens 0,36 l auf 100 km. Wenn die Autoindstrie nicht weiß, was die Kunden wollen, muss man sich halt selbst zu helfen wissen. Zum Glück wird man hier in Mümmelmannsberg vom Anblick solcher Kolosse verschont. Wer drauf steht, kann nach Eppendorf gehen. Dort parken die Fahrzeuge vornehmlich in der 2. Reihe. Zeitlich häufig vormittags anzutreffen, wenn die Mutti beim Bäcker oder auch tlw. kurz beim Friseur für eine Dauerwelle reingesprungen ist.
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Fahrzeugschein
Hersteller: Land Rover
Typ: Range Rover Sport SDV6
Karosserie: Geländewagen/Pickup/SUV
Motor: V6-Common-Rail-Diesel
Getriebe: Achtgang-Automatik-Getriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.993 ccm
Leistung: 292 PS (215 kW)
Drehmoment: 600 Nm
Von 0 auf 100: 7,2 s
Höchstgeschw.: 222 km/h
Verbrauch (ECE): 7,5 Liter
CO2-Ausstoß: 199 g/km
Gewicht: 2.115 kg
Maße: 4850/1983/1780
Preis: 69.500 EUR
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