Autogramm Renault Alaskan Nobelhobel

Pick-ups sind schwer im Kommen. Mit dem Alaskan steigt jetzt auch Renault ins Geschäft mit Pritschenwagen ein. Zwar kann der neue anpacken, doch für viele Arbeiten ist er eigentlich zu fein.

Renault

Der erste Eindruck: Breit wie ein Lastwagen, imposanter als ein SUV- oder Kleinbus-Modell.

Das sagt der Hersteller: Renault-Produktmanager Daniel Eyberger sieht im Alaskan eine wichtige Ergänzung der Modellpalette. Obwohl der Hersteller bei den leichten Nutzfahrzeugen schwer im Geschäft ist und in Deutschland auf einen Marktanteil von 7,9 Prozent kommt, wurde das Segment der Pick-ups bislang der Konkurrenz überlassen. Dabei hat sich der Absatz in dieser Nische seit 2008 verdoppelt, in diesem Jahr dürften es in Deutschland etwa 21.900 Pick-up-Neuzulassungen werden. "Weltweit sieht das noch ganz anders aus", sagt Eyberger. "Global betrachtet ist jedes dritte leichte Nutzfahrzeug ein Pick-up, die Zulassungszahlen summieren sich auf mehr als fünf Millionen Fahrzeuge im Jahr."

DER SPIEGEL

Für den Alaskan und den hiesigen Markt hat Eyberger vor allem Landschaftsgärtner, Straßenbauer und Viehzüchter im Sinn. Zugleich sei der Pick-up auch eine Alternative für SUV-Kunden, die ein Hobby mit erhöhtem Transportbedarf haben. Da ist der Alaskan einem Koleos nicht nur bei der Nutzlast und dem Platz auf der Pritsche überlegen. Sondern er ist auch der einzige Allradler von Renault mit einer ordentlichen Anhängelast und damit zum Beispiel für Reiter oder Segler die erste Wahl. Anders als Daimler, wo es den Pritschenwagen im Herbst auch noch als X-Klasse geben wird, macht Renault aber gar keinen Hehl daraus, dass der Alaskan eigentlich ein Nissan Navara ist und sich nur leicht im Design unterscheidet. Freimütig spricht Eyberger von einem Gemeinschaftsprojekt mit der Schwestermarke: "Anders wäre so ein Projekt wirtschaftlich kaum umzusetzen".

Das ist uns aufgefallen: Dass der Alaskan den Spagat zwischen Firma und Freizeit bestehen muss, spürt man bei diesem Auto an allen Ecken und Enden. Das beginnt bei den Platzverhältnissen, die in der ersten Reihe und auf der Pritsche fürstlich sind, auf der Rückbank der viertürigen Kabine jedoch eher beengt.

Auch die Ausstattung will sowohl gewerbliche als auch private Kunden ansprechen. Für den Einsatz im Gelände gibt es zuschaltbaren Allradantrieb und Bergabfahrhilfe, Trittleisten und Unterfahrschutz. Extras wie Sitzheizung, Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer und das Infotainmentsystem samt 360 Grad-Kamera sprechen eher verwöhnte SUV-Fahrer an.

Selbst beim Fahren will sich der Wagen nicht so recht entscheiden, ob er burschikos oder vornehm sein will. Zwar steckt unter der Haube ein modernes Triebwerk mit Common-Rail-Einspritzung, Turbolader und SCR-Katalysator, doch das ist weniger gut gedämmt als bei Koleos & Co. Mit dem Ergebnis: Der Motor knurrt laut und vernehmlich, als wäre er noch vom ganz alten Schlag. Dabei vibriert er so sehr, dass man freiwillig den Schaltknauf loslässt, sobald der Gang eingelegt ist, weil sonst der ganze Arm zittert.

Wie alle Pick-ups basiert die Konstruktion auf einem handfesten Leiterrahmen. Doch mit Hilfe einer Mehrlenkerhinterachse mit Schraub- anstatt der üblichen Blattfedern erreicht der Wagen fast das Komfortniveau einer Limousine.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Renault Alaskan - mit unserem 360-Grad-Foto:

Der stärkere der beiden Diesel kommt auf solide 190 PS Leistung und geht mit imposanten 450 Nm Drehmoment zu Werke. Und wenn man tapfer auf dem Gas bleibt, schiebt der Wagen mit immerhin 184 km/h über die linke Spur.

Das muss man wissen: Der Alaskan kommt im November in den Handel. Während es beim Aufbau anfangs nur die Doppelkabine mit einer 1,58 mal 1,56 Meter großen Pritsche gibt, hat man beim Antrieb die Wahl zwischen dem 190-PS-Diesel aus dem Testwagen und einem Selbstzünder mit 163 PS. Der Verbrauch ist für beide Varianten gleich und liegt mit 6,3 Liter zumindest in der Theorie ungewöhnlich niedrig für einen Koloss von 5,40 Meter Länge und 2,1 Tonnen Gewicht, in der Praxis kommt der Wagen sicher auf höhere Verbräuche. Beim Verbraucherportal spritmonitor.de geben Fahrer des baugleichen Nissan Navara Realverbräuche um die acht bis neun Liter an.

Für einen Grundpreis von 36.900 Euro gibt es viel Auto fürs Geld. Das Top-Modell mit 46.800 Euro und starkem Diesel, Automatikgetriebe und Nobelausstattung liegt auf dem Niveau entsprechend großer SUV.

Das werden wir nicht vergessen: Dass der Fahrer im Alaskan noch richtig zupacken muss, wenn er mühsam am Lenkrad dreht, um in enge Parklücken zu kommen oder den langen Schalthebel in die Gasse für den Rückwärtsgang drückt.

Fahrzeugschein
Hersteller: Renault
Typ: Alaskan
Karosserie: Pick-up
Motor: Vierzylinder-Diesel
Getriebe: Sechsgang-Schaltgetriebe
Antrieb: Allrad
Hubraum: 2.298 ccm
Leistung: 190 PS (140 kW)
Drehmoment: 450 Nm
Von 0 auf 100: 10,8 s
Höchstgeschw.: 184 km/h
Verbrauch (ECE): 6,3 Liter
CO2-Ausstoß: 115 g/km
Kofferraum: 1.170 Liter
Gewicht: 2.103 kg
Maße: 5399 / 1850 / 1810
Preis: 41.500 EUR
Mehr zum Thema
Newsletter
Autotests: Die wichtigsten Modelle im Check


insgesamt 42 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
HH1960 28.09.2017
1. Endlich!
Mal eine Vorstellung eines Autos in dem auf den Realverbrauch eingegangen wird. Für Menschen, die ein Nutzfahrzeug brauchen geht der Wagen in Ordnung, für alle anderen Nutzer dürfte der Wagen aufgrund seiner Größe eher unpraktisch sein.
et4711 28.09.2017
2. Was möchte Renault uns damit sagen?
Wolln die jetzt den Pickup neu erfinden? Der sieht genauso aus wie viele andere ob Nissan Toyota oder sogar VW nur die Haltbarkeit da müssen sie noch feilen an ihre Modelle. Würd sowas auf keinen Fall kaufen u schon garnicht von diesem Hersteller. Hätten mir einfach zuwenig Erfahrung u ein zuschlechten Ruf in der Haltbarkeit.
bronck 28.09.2017
3. 8,7 Liter
Ich kann einen Verbrauch von 8,7 Liter/100km bei moderater Fahrweise (ca. 1/3 Stadt, 1/2 Autobahn, wenig Landstraße) für das Schwestermodell von Nissan mit 190PS und Automatik bestätigen. Schwimmt man auf der rechten Spur mit ca. 80-90km/h mit den LKW mit oder rollt mit konstant 60 durch Stadt und Land, dann sind es ca. 7 bzw. 6 Liter Diesel. Hefitg wird es mit Verbräuchen jenseits der 12 Liter in der Stadt und bei Kurzstrecken. Da sollte man lieber zum Bäcker laufen.
neue_mitte 28.09.2017
4.
Ich habe badge-engineering nie verstanden und auch dieser Renault Alaskan ist keine Hilfe. Wieso kauft man den sich und nicht den Nissan Navara? Oder anders ausgedrückt: Wieso sollte Renault-Nissan damit Zusatzkäufer anlocken und nicht bloß die Verkaufszahlen des Navara jetzt auf den Alaskan mitverteilen? Sind Autokäufer echt so beschränkt? "Also als Nissan würde ich ihn nicht kaufen. Aber als Renault, klar. Ich mag Renault" Ist das so? Okay. Geht Markenliebe soweit, dass man ein Produkt einer Firma kauft, dass im Grunde gar kein Produkt ebendieser Firma ist?
NixAlsVerdruss 28.09.2017
5. Das ist der ...
Nissan Navara
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.