Autogramm Renault Captur Chic statt Schlick

Das Modell Captur ist der meistverkaufte SUV der französischen Marke Renault. Nach dem Facelift strahlt er jetzt noch ein bisschen chromlastiger. Die Botschaft ist klar: Offroad? Nein danke.

Renault

Der erste Eindruck: Glänzend! Zumindest in der neuen Top-Version "Initiale Paris" funkelt der Captur schon am Tag wie die französische Hauptstadt bei Nacht.

Das sagt der Hersteller: Renault ist wie im Rausch. Nachdem die Marke den Trend zum SUV zunächst jahrelang ignorierte, folgte sie ihm nun umso konsequenter. Captur, Kadjar und Koleos heißen die drei aktuellen SUV-Baureihen der französischen Marke, die entsprechend vom Boom profitiert: Weit mehr als eine halbe Million Renault-SUVs wurden in den letzten zwei Jahren in Europa verkauft. Auch Uwe Hochgeschurtz, der Chef von Renault in Deutschland, hält große Stücke auf den kleinen Captur. Nicht zuletzt, weil er in der Zulassungsstatistik Konkurrenten wie dem Peugeot 2008 oder dem Ford Eco-Sport davonfährt.

Das ist uns aufgefallen: Auf den ersten Blick hat sich am Captur nicht viel verändert. Die hohe Sitzposition mit der guten Übersicht, das lichte Ambiente dank des Panoramadachs, der ordentliche Kofferraum und die große Schublade anstelle eines gewöhnlichen Handschuhfachs - all das kannte man bereits, und natürlich verfügt auch die überarbeitete Version über diese Annehmlichkeiten.

Tom Grünweg

Auf den zweiten Blick jedoch erkennt man eine neue Finesse, die mit der Modellpflege Einzug gehalten hat. Natürlich sind Lederimitate und Ziernähte im Interieur nichts wirklich Neues, doch in einem Kleinwagen kann man damit noch immer Eindruck schinden. Das gilt auch für schicke Chromrähmchen und elegante Schalter. Und dass sich Renault, eine Marke, von der kein Mensch Schickimicki erwartet, ein Topmodell wie die Captur-Variante "Initiale Paris" traut, und für dieses Auto fast 3000 Euro Aufpreis verlangt, zeugt von Chuzpe. Inklusive sind dann beispielsweise Neuheiten wie die LED-Scheinwerfer, der halbautomatische Parkassistent und der Totwinkelwarner, ebenso das Navigationssystem oder die Chipkarte als Ersatz für den Zündschlüssel.

Man kann den Captur in 35 Kombinationen aus Grundfarbe und Kontrastlack bestellen, der "Initiale Paris" jedoch sieht immer vornehm aus. Das liegt auch daran, dass das Flaggschiff der Baureihe mit reichlich Chrom dekoriert wurde. Klar - niemand hätte den Capture, egal in welcher Ausstattungsversion als ernsthaften Geländewagen eingestuft. Aber der "Initiale Paris" macht deutlich, dass es in der Klasse der Mini-SUV vor allem um Chic und Charme geht.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Renault Capture - mit unserem 360-Grad-Foto:

Das muss man wissen: Die Umstellung der Captur Produktion ging angesichts der nur marginalen Änderungen fix, weshalb die ersten Autos bereits auf dem Weg zu den Händlern sind. Ab Juni werden sie ausgeliefert. Am unteren Ende der Palette ändern sich die Preise nur geringfügig, das Einstiegsmodell kostet 15.890 Euro. In den höheren Preisregionen treibt das neue Top-Modell "Initiale Paris" den Tarif: Es ist mehr als 10.000 Euro teurer als das Basismodell, je nach Motor- und Getriebe-Kombination kostet der Wagen bis zu 27.790 Euro.

Angeboten wird der Captur mit je zwei Benzin- und Dieselmotoren. Die Selbstzünder haben beide 1,5 Liter Hubraum und leisten 90 oder 110 PS. Bei den Benzinern kann man zwischen einem eher frugalen Dreizylinder mit 0,9 Liter Hubraum und 90 PS sowie einem 1,2 Liter großen Vierzylinder wählen. Dieses Triebwerk war auch in unserem Testwagen unter der Haube. Der muntere Motor kommt auf 118 PS Leistung und hat mit 205 Nm Drehmoment so viel Elan, dass der Captur auch auf Landstraßen Spaß macht. Während das Auto im Gewühl der Innenstadt handlich und übersichtlich wirkt, macht er über Land einen erwachsenen Eindruck und taugt vor allem in der Kombination mit Doppelkupplungsgetriebe sogar für lange Strecken.

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Autogramm Renault Captur: Glänzende Aussichten

Das werden wir nicht vergessen: Obwohl der Captur von der seit Jahren laufenden Kooperation der Franzosen mit Daimler nicht tangiert wird, färbt die Zusammenarbeit mit den Schwaben offenbar ab. Im Guten, weil sich der Capture "Initiale Paris" nach mehr anfühlt, als er kostet. Und im schlechten, weil die eigens für das Top-Modell entwickelte Frontmaske schon stark an den sogenannten Diamant-Kühlergrill der Mercedes A-Klasse erinnert.

Fahrzeugschein
Hersteller: Renault
Typ: Captur (2017)
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Benzindirekteinspritzer-Turbo
Getriebe: Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Front
Hubraum: 1.197 ccm
Leistung: 118 PS (87 kW)
Drehmoment: 205 Nm
Von 0 auf 100: 10,6 s
Höchstgeschw.: 192 km/h
Verbrauch (ECE): 5,5 Liter
CO2-Ausstoß: 125 g/km
Kofferraum: 377 Liter
umgebaut: 1.235 Liter
Gewicht: 1.277 kg
Maße: 4122 / 1778 / 1566
Preis: 20.590 EUR
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insgesamt 44 Beiträge
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erst nachdenken 15.06.2017
1. Wer kauft sowas?
Wer sind diese Leute, die diese potthässlichen Autos aus Frankreich kaufen?
Glaubsnicht 15.06.2017
2. Ich kaufe sowas!
"Wer sind diese Leute, die diese potthässlichen Autos aus Frankreich kaufen?" Das sind Leute wie ich, die offensichtlich keinen potenzmangelgesteuerten Geschmack haben und deshalb auf germanische Produkte fixiert sind und Autos nach Preis-Leistungs-Verhältnis und anderen praktischen Erwägungen kaufen und nicht nach Nachbarschafts-Status-Faktor. Das sind Leute, die nicht in SPON-Foren rumtrollen, und andere Menschen anpöbeln, nur weil es in ihr Weltbild passt (weshalb sich die o.a. Erklärung explizit nur an Sie wendet!), Bitte handeln Sie nach Ihrem Forennamen (oder wechseln Sie ihn)!
observerlbg 15.06.2017
3. Nun ja, das Äußere....
Streiten wir nicht über Geschmack. Wer kennt nicht die Ente, den Ami oder die ersten DS. Französiche Autos polarisierten immer schon. Der Captur fällt da in der heutigen Autowelt kaum wirklich auf. In diesem Preissigment zählen Preis/Leistungsverhältnis und Praktikabilität. Das Downsizing bei den Motoren ist auch hier sehr ausgeprägt, so dass ich annehme, dass die Karosserie den Motor lange überlebt. Bei meinen ersten Autos, Käfer und Audi 80 war das noch anders. Auch die schlechte Rundumsicht, besonders nach hinten, ist ja mittlerweile Usus und kann durch Parkassistenen ausgeglichen werden. Der Wagen bedient aber die derzeitige Nachfrage, also alles richtig gemacht Renault.
Leibdschor 15.06.2017
4. Dafür gibt es nur ein Wort:
"Langweilig". Allerweltsware des neumodischen Mainstreams aus jedem Kleinstwagen ein "SUV", das gar keins ist, zu machen. Was bringen all diese aufgeblasen Clio und Corsa usw., außer das sich der Tankwart freut? Ach ja, unsere zunehmenden älteren Bürger wollen ja sich nicht mehr bücken beim Einsteigen. Aber ich denke, die sind alle so fit und können deshalb in Zukunft bis 70 auch arbeiten? Hoffentlich können die dann auch diese Wägelchen ein- und ausparken ohne 360° Videosystem. Denn der Rundumblick dieser Knutschkugeln ist gleich Null. Ab B-Säule nur noch Schießscharten, das Heckfenster könnte man auch weglassen, man sieht eh nichts. Ich kann das bei mir jeden Tag beobachten, wenn mein Nachbar (Ü60) mit seinem Mokka versucht aus bzw. in eine Parklücke zu kommen. Blick über die Schulter eh nicht mehr möglich, nur noch Blick auf den Bildschirm. Gefühlte Ewigkeit dauert die Einparkerei da er kaum weis, wo er hinfährt. Nein, sowas kommt mir nicht in die Garage.
GungaDin 15.06.2017
5. Nix für mich
Ich habe den Capture der ersten Generation als Leihwagen mit dem kleinen Benziner mal gut 500 km auf allen Straßen gefahren, schlicht und einfach grausam. Straßenlage grenzwertig, Motor überfordert, Verarbeitung im Innenraum billig. Denke mal nur für Stadtbewohner, die preiswert von A nach B kommen wollen, ohne längere Strecken bewältigen zu müssen. Vielleicht ist das ja alles mit dem Facelift besser geworden, aber im Grundsatz bezweifele ich das.
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