Renault Mégane Coupé-Cabrio Dieseln ohne Dach

Cabrio und Diesel? Diese Kombination klingt noch immer etwas exotisch. Tatsächlich jedoch gibt es bereits zahlreiche offene Modelle mit Dieselantrieb. Und besonders für Ganzjahresautos mit festem Klappdach wie den Renault Mégane CC ist ein Selbstzünder der ideale Motor.

Tom Grünweg

Als vor fast 20 Jahren die ersten Cabrios mit Dieselmotoren auf den Markt kamen, rieben sich viele Tankwarte die Augen, Pannenhelfer mussten manchen Tank auspumpen, und die Fahrer dieser Autos gerieten immer wieder in Erklärungsnot. Inzwischen liegt der Anteil der Selbstzünder unter allen Neuzulassungen bei rund einem Drittel, in manchen Segmenten sogar bei mehr als 80 Prozent; und auch offene Autos mit Ölbrenner sind keine Seltenheit mehr.

Wie weit es der Diesel im Cabrio gebracht hat, zeigen nicht nur die 20 Prozent Bestellquote bei Renault. Auch bei vielen anderen Marken trifft die Mischung offenbar den Publikumsgeschmack: Bei Audi zum Beispiel liegt der Dieselanteil an den offenen Modellen in diesem Jahr bei 26 Prozent für den A3 und 40 Prozent für den A5; beim VW Eos liegt der Dieselanteil bei 35 Prozent, für das neue Golf Cabrio erwartet VW rund 30 Prozent; Mercedes liefert beinahe jedes zweite Cabrio der E-Klasse mit einem Selbstzünder aus und bietet demnächst auch den SLK mit Dieselmotor an; und BMW meldet für den 1er eine Dieselquote von 43 Prozent und für den 3er von 30 Prozent.

Das liegt nicht nur am Fortschritt der Motorenentwickler, die Dieselmotoren zugleich kräftiger und kultivierter, leiser und lustvoller gemacht haben. Sondern auch der Charakter der meisten Cabriolets hat sich gewandelt. Aus den einst reinen Schönwetterautos, sind inzwischen - dank Nackenföhn, Sitzheizung, versenkbarem Hardtop und großen Kofferräumen - alltagstaugliche Allroundmodelle geworden.

Kleiner Diesel für gemütliches Cruisen

Wie gut unter dieser Prämisse die Kombination Faltdach und Dieselmotor passt, zeigt das Coupé-Cabriolet der Renault-Baureihe Mégane. Als Mischung aus Sonnenbank und Wintergarten geht der Wagen locker als Ganzjahresauto durch. Die Motorenpalette umfasst vier Benziner mit einer Leistung von 110 bis 180 PS; aber eben auch zwei Dieselaggregate. Letztere kommen hierzulande auf einen Verkaufsanteil von immerhin 20 Prozent.

Schon der kleinere 1,9-Liter-Selbszünder leistet 130 PS und erreicht ein maximales Drehmoment von 300 Nm. Das ist für ein Auto in der Kompaktklasse allemal genug, selbst wenn die komplizierte Dachkonstruktion 110 Kilogramm wiegt und das Gewicht auf 1,6 Tonnen treibt. Vor allem bei niedrigem Tempo muss man zwar oft schalten, damit der Wagen richtig rund läuft. Doch dann schafft man den Sprint auf Tempo 100 in 10,6 Sekunden und kommt mit etwas Geduld auf maximal 205 km/h. Außerdem ist die Maschine so gut gedämmt, dass man selbst beim Kaltstart kaum ein Störgeräusch hört.

Klar, wer sportlich um die Ecken fegen will, nimmt besser einen drehfreudigen Benziner mit Turbo. Aber zum Kurvenkratzen ist der Mégane CC ohnehin das falsche Auto. Eher komfortabel und kompromissbereit abgestimmt, ist das Teilzeitcabrio mehr Gleiter als Fighter. Bei der gemächlichen Landpartie noch ein Genuss, bringen die indirekte Lenkung und das auf Gelassenheit getrimmte Fahrwerk den Fahrer bei forscher Fahrt stärker ins Schwitzen als die Sommersonne.

Wer gemütlich fährt, wird mit großer Reichweite belohnt

Lässt man sich jedoch auf ein gemütliches Laissez-Faire ein und bewegt den Diesel mit vernünftiger Zurückhaltung, wird der Mégane zum sommerlichen Blutdrucksenker, der schon eine Sonntagsfahrt zum Kurzurlaub macht. Selbst an der Tankstelle behält man die Contenance: Im Normzyklus verbraucht das Cabrio lediglich 5,8 Liter, und bei unserem Praxistest war der Mégane mit knapp sieben Litern zufrieden. Bei 60 Litern Tankvolumen reicht das für fast 1000 Kilometer. Auch das ist ein Grund, weshalb der Mégane CC durchaus als Alltagsauto taugt. Oder besser: taugen könnte.

Denn leider ist nicht alles so gut gelungen wie der Motor. Die Platzverhältnisse im Fond zum Beispiel sind so bescheiden, dass man selbst Kindern die Rückbank kaum zumuten möchte - obwohl man dank eines neuen Windabweisers zwischen den Kopfstützen und der weit nach hinten gezogenen Frontscheibe selbst im Fond bis Tempo 100 kaum einen Luftzug spürt. Zweites Manko: Das Gepäckabteil, das bei geschlossenem Dach respektable 417 Liter fasst, schrumpft auf einen 211 Liter großen Restkofferraum, sobald das Dach geöffnet und das eingeklappte Gebälk im Heck untergebracht ist. Das Rollo, das den Laderaum dann teilt, wirkt fragiler als eine Jalousie aus dem Restpostenmarkt, und die offen liegende Verdeckmechanik ist auch keine Augenweide.

Überhaupt stiftet das bewegliche Verdeck mindestens so viel Frust wie Freude: Klar ist es toll, wenn man auf Knopfdruck die Sonne ins Auto lassen kann. Doch das klappt nicht bei langsamer Fahrt, sondern nur bei stehendem Auto. Und auch dann zieht es sich, denn die Einklappphase dauert 21 Sekunden und wird sofort unterbrochen, sobald der Wagen rollt. Außerdem knirscht und knarzt es dabei so laut, dass man fürchtet, die Mechanik streike gleich. Andererseits ist das womöglich auch ein Grund, weshalb der Mégane CC mit einem Basispreis von 24.990 Euro rund 3000 Euro billiger ist als ein vergleichbarer VW Eos.

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.